Wunibald Wallnöfer mit den ersten Kunden der ersten Impf-Sprechstunde im Rathaus in Prad.
An bestimmten Tagen kam es vor Impfzentren im Vinschgau zu teils langen Warteschlagen, wie hier im Bild am 26. November in Schlanders. Wunibald Wallnöfer hofft, dass es dem Sanitätsbetrieb gelingt, diese Lage weiter zu entspannen.

Die Pandemie ist keine Privatsache

Regelmäßige Impf-Sprechstunde mit Wunibald Wallnöfer in Prad

Publiziert in 41 / 2021 - Erschienen am 7. Dezember 2021

Prad - Er ist zwar schon seit rund zwei Jahren im Ruhestand, aber wenn es um die Gesundheit geht und wenn Not am Mann ist, kann der frühere Gemeindearzt Wunibald Wallnöfer gar nicht anders: er muss sich einbringen und er tut es. Etliche hundert Personen hat er seit Jänner 2021 bis jetzt bei unzähligen Impftagen im Vinschgau beraten und über die Impfung gegen Covid-19 informiert. Es war der Sanitätsbetrieb, der ihn für diese Tätigkeit rekrutiert hat. Mit einer besonderen Initiative seinerseits hat Wunibald Wallnöfer am 2. Dezember im Rathaus in Prad begonnen. Er steht ab sofort jeden Donnerstag von 18 bis 19 Uhr für eine kostenlose Impf-Sprechstunde zur Verfügung. Wie er im Vorfeld der ersten Sprechstunde - die wegen des regen Zuspruchs am Ende fast zwei Stunden dauern sollte - dem der Vinschger bestätigte, gibt es noch immer nicht wenige Menschen, die verunsichert und zu wenig informiert sind, die Ängste haben und „komischen Ideen“ im Zusammenhang mit der Impfung gegen Covid-19 nachhängen. 

Unsicherheiten und Ängste

Eine der Ängste, denen er bei den Beratergesprächen in den Impfzentren immer wieder begegnete, war die Befürchtung vor einer möglichen Unfruchtbarkeit: „Vor allem Frauen, aber auch Männer, die zum Großteil aus dem Ausland stammen, sind Gerüchten aufgesessen, wonach die Impfung zu Unfruchtbarkeit führen könnte.“ Diese Angst sei völlig unbegründet, „denn es ist wissenschaftlich belegt, dass die Impfstoffe Null Auswirkungen auf die Fruchtbarkeit haben.“ Als irrational bezeichnet Wunibald Wallnöfer auch die Ängste vor Spätfolgen: „Ich habe in 40 Arztjahren unzählige Kinder in Prad geimpft und keinen einzigen Fall von Spätfolgen erlebt. Anders verhält es sich natürlich mit den Impfreaktionen und Impfnebenwirkungen.“ Es sei ganz normal, dass nach einer Impfung bei vielen Menschen Kopfschmerzen, Fieber, Schwindel, Übelkeit, Unwohlsein oder andere Reaktionen auftreten. Dass auch Geimpfte einander anstecken können, trifft laut Wallnöfer zwar zu, aber das geschehe viel seltener und in viel geringerem Ausmaß: „Es sind die Ungeimpften, welche die Pandemie vorantreiben.“ Was er bei Beratergesprächen schon oft festgestellt hat, ist die Unwissenheit vieler Menschen über das Funktionieren des Immunsystems und über die Wissenschaft insgesamt: „Viele erwarten sich von der Wissenschaft klare Antworten zu allen Fragen. Aber in der Wissenschaft gibt es nicht nur schwarz und weiß, sondern auch eine große Grauzone dazwischen. Die Wissenschaft ist ein gleitender Prozess. Man lernt jeden Tag dazu.“

„Es gibt nicht nur schwarz und weiß“

Außerdem brauche die Wissenschaft schlicht und einfach ihre Zeit: „Bis man zum Beispiel zuverlässig weiß, wie ansteckend und gefährlich die neue Virusvariante Omikron tatsächlich ist, wird es einige Wochen brauchen.“ Dem Gerücht bzw. der Theorie, wonach die Pharmaindustrie hinter der Impfkampagne stecke und wonach es nur um Geld gehe, tritt Wallnöfer mit der Tatsache entgegen, „dass die Produktion von Impfstoffen nur rund 2 Prozent der Gewinne der Pharmakonzerne ausmacht.“ Was laut dem früheren Gemeindearzt nicht selten ausgeblendet wird, ist die Tatsache, dass z.B. sogenannte mRNA-Impfstoffe bereits seit rund 20 Jahren Gegenstand eingehender Forschungen sind. Die Behauptung, dass man darüber derzeit kaum etwas wisse, sei ebenso falsch wie viele andere Unwahrheiten und Gerüchte. Für Wunibald Wallnöfer, der die Sprechstunden freiwillig und unentgeltlich hält, ist es wichtig, Unsicherheiten im Zusammenhang mit der Impfung gegen Covid-19 auszuräumen und Informationslücken zu schließen: „Ich bin nicht da, um die Leute zu überzeugen, sich impfen zu lassen, wohl aber bemühe ich mich, sachlich, objektiv und wahrheitsgetreu aufzuklären.“

Objektiv und sachlich informieren

Auf die Frage, wie er mit besonders hartnäckigen Impfegnern umgehe, meinte Wallnöfer: „Ich höre zu und versuche zu argumentieren. Wenn die Leute aber aggressiv werden, werfe ich die Flinte ins Korn.“ Eine Frage, die ihn stark beschäftigt, ist auch die Psyche der Corona-Leugner bzw. Impfgegner. Wallnöfer: „Für viele Menschen ist gute Wissenschaft jene, die den eigenen Blick auf die Welt bestätigt. Forschungsergebnisse werden abgelehnt, wenn sie nicht mit der eigenen Meinung übereinstimmen.“

Keine Frage der Intelligenz

Zum Thema Dummheit zitiert Wallnöfer die Primarärztin der Klinik für Psychiatrie in Linz und österreichische Psychiaterin Adelheid Kastner: „Dummes Handeln ist nicht eine Frage der Intelligenz. Es ist die Tendenz, Fakten zu ignorieren und durch Ichbezogenheit langfristige negative Folgen für sich und andere auszublenden. Dumme Menschen sehen sich nicht als Teil einer sozialen Gemeinschaft mit Verantwortung auch für andere, für sie kommen immer nur die eigenen Belange an erster Stelle.“ Was Wunibald Wallnöfer sehr begrüßt, ist die landesweite Aktion „Südtirol impft“ am 10., 11. und 12. Dezember.

Josef Laner
Josef Laner
Vinschger Sonderausgabe

Diese Seite verwendet Cookies für funktionale und analytische Zwecke. Lesen Sie unsere Cookie-Richtlinien für weitere Informationen. Durch die Nutzung dieser Website erklären Sie sich damit einverstanden.