Die Rock-Szene im Vinschgu

Publiziert in 3 / 2006 - Erschienen am 8. Februar 2006
„Rock’n Roll ist keine Lärmverschmutzung“, sagt Benni Hellrigl in einem Interview mit dem „Der Vinschger“. Benni hat bereits 1984 auf dem Tartscher Bühel ein kleines Open-Air-Konzert mitorganisiert. Er verfolgt die Musikszene im Vinschgau genauestens und ist derzeit im Camping „Gloria Vallis“ in Glurns für die Organisation der Auftritte von sechs verschiedenen Cover-Bands zuständig. „Der Vinschger“: Wie viele Rock-Bands gibt es in Südtirol bzw. im Vinschgau? Benni: Ich schaue sehr oft ins Internet. Es interessiert mich, ob in der Szene neue Gruppen auftauchen. Erst gestern druckte ich mir eine Liste aus und konnte es fast nicht glauben, dass es zurzeit rund 370 Bands gibt, schätzungsweise 300 aktive, die wie etwa der Vinschger Dominik Plangger mit verschiedenen Besetzungen auftreten. In der Musikszene ist sehr viel los, aber wo? Im Vergleich zur Stadt Bruneck, in der es sicher 30 Rock’n Roll-Bands gibt, sind es im Vinschgau wahrscheinlich nur an die zehn insgesamt. „Der Vinschger“: Was sind die größten Schwierigkeiten, auf die die Bands im Vinschgau und im ganzen Land stoßen? Benni: Ein großes Problem ist sicherlich die zusätzliche Steuer, wonach die Bands 33 Prozent dem Veranstalter aufrechnen müssen, denn sie bezahlen diese Steuer logischerweise nicht aus der eigenen Tasche. Dazu kommt die derzeitige Wirtschaftslage, die allgemein nicht die beste ist. Ein weiters Problem ist, dass der Veranstalter SIAE (Steuer) bezahlen und für die Veranstaltungen zusätzlich Personal verpflichten muss. „Der Vinschger“: Gibt es noch weitere Probleme im Vinschgau? Benni: Eine ganz entscheidende Lücke sind die Probelokale. Erstens sind diese sehr schwierig zu finden und zweitens ist es den Nachbarn zu laut, wenn die Jungs am Abend proben wollen. In anderen Städten bzw. Dörfern gibt es Probelokale, die bestens isoliert sind und stundenweise gemietet werden können. Jede Band probt drei bis vier Stunden und danach kommt die nächste dran. Die Bands zahlen eine bestimmte Summe und niemand ist gestört. Vielleicht wäre das auch im Vinschgau möglich. „Der Vinschger“: Ein weiteres Problem ist sicher die Sperrstunde und das Rauchverbot. Benni: Ja, die Sperrstunde ist ein sehr großes Problem. Wenn zum Beispiel gegen 24 Uhr gute Stimmung aufkommt und das Geld ein bisschen lockerer sitzt, soll die Band aufhören und möglichst keine Zugaben geben. So jedenfalls möchten es die Behörden. Auch der Alkohol ist ein Problem, obwohl es sehr gut organisierte Shuttle-Dienste gibt. „Der Vinschger“: Warum hat jedes Lokal im Vinschgau so hart zu kämpfen, damit sich der Auftritt einer Live-Band lohnt? Was ist Deine persönliche Meinung dazu? Benni: Das Lokal muss schon für ca. 350 bis 400 Fans Platz haben, ansonsten ist der Aufwand zu groß. Sicherlich haben die „Bar Lollo“, „Disco Pizzeria Spinni“ und auch „Heps“ vom Gasthof „Sonneck“ eine sehr gute Schiene aufgebaut. Auch wir mit den zahlreichen Live-Konzerten im Camping „Gloria Vallis“ haben bereits sehr gute Erfahrungen gemacht. „Der Vinschger“: Wie suchst Du eigentlich die Bands aus? Kennst du sie alle persönlich oder wie funktoniert das? Benni: Teils lasse ich mich von Musikfreunden beraten, aber bevor ich eine Band engagiere, höre ich sie persönlich an, damit ich mich von der Qualität überzeugen kann. „Der Vinschger“: Welche Vinschger Bands stufst Du persönlich ganz weit vorne ein? Benni: Die „BlackSheep“ zum Beispiel, die als Vorgruppe von Christina Stürmer in Bozen spielten und die aus Tschars stammende Band „Sea of Faces“, eine ganz junge Gruppe. „Der Vinschger“: Was ist Deiner Meinung nach für den Vinschgau in Bezug auf Rock’n Roll-Musik angebracht? Benni: Mehr Toleranz. Interview: Manni Strimmer
Manni Strimmer
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