Alois Frank, Florin Florineth, Peter Ortner, Georg Praxmarer und Kurt Sagmeister (v.l.) trugen ihre Sicht zu einem Golfplatz in Glurns vor.

Die Suche nach der „Platzreife“

Publiziert in 29 / 2015 - Erschienen am 25. August 2015
Bürgermeister Alois Frank stand zu seinem Wahlversprechen: In Sachen Golfplatz die Bürger immer einzubeziehen. Glurns - Etwa 80 Interessierte - darunter auch die beiden Altbürgermeister Alois Riedl und Erich Wallnöfer - waren zur Informa­tionsversammlung gekommen. Am hochkarätig bestückten Referententisch saßen Universitätsprofessor Florin Florineth (Mitglied der „Deutschen ­Rasengesellschaft“), der Obmann des Heimatpflegeverbandes Peter Ortner, der zuständige Landschaftsplaner Süd/West im Amt für Landschafts­ökologie Georg Praxmarer und für die Vinschgauer Touristiker Kurt Sagmeister, Vinschgau Marketing. Die Vertreter der Umweltschutzgruppe Vinschgau, Eva Prantl und Rudi Maurer, hatten die erste Reihe bevorzugt. Moderator Gerhard Rainalter, stadtbekannter Regionalentwickler aus Bregenz, hatte es nicht schwer; das Publikum hielt sich an die Empfehlung, sachlich und respektvoll zu diskutieren. Bürgermeister Frank fasste die bisherige Entwicklung zusammen. Er erinnerte an das Aufkommen der Golfplatzidee im Jahre 2010 und erwähnte den geplatzten Versuch „Ischgl Wiesen“. 2013 sei dann als möglicher Standort die „Obere Au“ ins Auge gefasst worden. Im Gemeinderat habe es eine zustimmende Mehrheit gegeben. Darauf habe der Heimatpflegeverein beantragt, die Au unter Schutz zu stellen. Derzeit werde sie vom Amt für Landschaftsökologie nach ­ihrem ökologischen Wert untersucht. Bis zum Ergebnis in zwei Monaten wolle die Gemeinde von einer Bauleitplanänderung Abstand halten. Nach dem Rückblick setzte sich der ehemalige Wildbachverbauer, jetzt Ingenieurbiologe und „Golfplatzgutachter“ Florineth mit der Frage auseinander: „Gibt es einen umweltfreundlichen und ökologischen Golfplatz?“ Dass er die Zuhörer in 60 Minuten zu leidlichen Golfplatzexperten herangebildet hatte, merkte man an den aufmerksamen Minen. Fast nebenbei fielen Bemerkungen wie „Wo man für die Pflege das Wasser her nimmt, ist genau zu überlegen“ oder „Den Rasenpilz bekommt man ohne Fungizide nicht in Griff. Ökologische Golfplätze gibt es nicht“ oder „Ein Golfplatz in Obstwiesen kann eine interessante Alternative sein, die ökologisch sogar besser dasteht als die stark gespritzten Obstanlagen. Einen Auwald allerdings kann auch der ökologischste Golfplatz nicht ersetzen“. Die Glurnser Projektidee eines „ökologischen Golfplatzes in Kombination mit einer Naherholungszone“ hatte nach diesen Einschätzungen einen schweren Stand. Da konnte auch der „bekannte Golfplatz-Architekt Mario Verdieri“ aus der Schweiz, den die Betreibergesellschaft für sich gewinnen konnte, an dem Abend kaum zur „Platzreife“ der Oberen Au beitragen. Der Ausdruck steht in der Golfsprache für die Befähigung, einen Platz zu bespielen. Bürgermeister Alois Frank hatte ein Schreiben der möglichen Betreiber verlesen, in dem darauf hingewiesen wurde, dass „moderne Golfplatzplanungen die lokalen Besonderheiten berücksichtigen und Strukturelemente, die in der Landwirtschaft bereits entfernt worden sind, wieder herstellen“. Des weiteren führte Frank die positive Haltung des Handwerkerverbandes und der Touristiker im Obervinschgau an. Heimatpfleger Ortner brach eine Lanze für die Flussauen, die von der EU zum sensibelsten und bedrohtesten Lebensraum erklärt wurden. „Wir sind verpflichtet, unsere landschaftlichen Kleinodien zu ­schützen“, meinte er und begründete, warum der Heimatpflegeverband die Unterschutzstellung beantragt habe. Die Vorsitzende der Umweltschutzgruppe Vinschgau, Eva Prantl, wurde noch deutlicher: „Nichts gegen einen Golfplatz, aber der Standort ist schlichtweg falsch.“ Sie führte die Diversität von Fauna und Flora an, machte auf den enormen Wasserverbrauch aufmerksam und erinnerte an den Hochwasserschutz. Außerdem könne sie nicht verstehen, wie man mit 12 Hektar einen 9-Loch Platz schaffen soll, wenn Fachleute pro Loch mindestens 2,5 ha für notwendig erachten. Die Vorteile eines Golfplatzes kämen nur einer kleinen Elite zugute. Die Umweltschutzgruppe habe einen Antrag eingebracht, über den Standort Obere Au die Bürger zu befragen. Luis Wegmann vom Ortsbauernrat schloss sich den Überlegungen von Eva Prantl an und war erleichtert, dass nicht nur „wir Bauern immer als Bremser dargestellt“ werden. Kurt Sagmeister versuchte den Begriff „Elite“ zu entkräften. Der Golfsport sei längst kein Sport der Reichen mehr. Bevor man Entscheidungen fälle, sollte man sich die Übungsanlage in Lichtenberg anschauen oder eventuell eine Bahn bauen. In der anschließenden Diskussion merkte Stadtrat Armin Bertagnolli an, dass die Bodenbeschaffenheit in der Oberen Au ungünstiger nicht sein könnte. Er verstehe nicht, warum man nicht Standorte wie den „Flugplatz von Schluderns“ ins Auge fasse. ­Florineth bestätigte, dass man in einer Au mindestens 80 cm des Bodens abtragen müsse, um die physikalischen Anforderungen an einen Golfplatz zu erfüllen. Auf Glurnser Seite beteiligten sich an der regen Diskussion neben Gemeinderäten mehrere Glurnser Bürger. Ein Golfspieler aus Göflan, der sich als ganz „normaler Arbeiter“ bezeichnete, beklagte die Tatsache, dass Golfspieler nirgends im Vinschgau willkommen seien. s
Günther Schöpf
Günther Schöpf
Vinschger Sonderausgabe

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