Im Bild (v.l.): Bildungsausschuss-Vorsitzender Werner Altstätter, Hilda und Ludwig Veith sowie Bürgermeister Rafael Alber.
Familienfoto mit Ludwig und Hilda Veith, den Töchtern Elis (links) und Anja (rechts) und Enkelkind Theresa; nicht im Bild die Tochter Maria.
Viele sind gekommen, um sich bei Ludwig Veith zu bedanken.
Manuela Wallnöfer

„Du bist unser Gedächtnis“

Dorfgemeinschaft von Prad bedankt sich beim Chronisten, Heimatforscher und Sammler Ludwig Veith.

Publiziert in 17 / 2025 - Erschienen am 23. September 2025

Prad - Kulturelle Verdienste um die Heimatforschung, Chronistentätigkeit und Einsatz zur Erhaltung der Kulturgüter: So lautete die offizielle Begründung für die Verleihung der Verdienstmedaille des Landes Tirol an Ludwig Veith aus Prad. Was hinter dieser Auszeichnung, die Ludwig Veith am 15. August zusammen mit weiteren verdienten Persönlichkeiten aus Südtirol und Tirol aus den Händen der Landeshauptleute Arno Kompatscher und Anton Mattle hatte entgegennehmen können, steckt, zeigte sich am 12. September bei einer schlichten Feier im Bürgersaal in Prad. „Du hast viel für die Dorfgemeinschaft getan, du bist nicht nur unser Gedächtnis, sondern hast auch dazu beigetragen, die Geschichte unserer Gemeinde lebendig und greifbar zu machen und tust dies noch immer“, würdigte Bürgermeister Rafael Alber das jahrzehntelange Wirken des Geehrten. Ludwig Veith habe stets hingeschaut, viele Gebäude vor dem Abriss fotografiert, mit den Leuten gesprochen, Schriften und Dokumente gesammelt, geforscht, aufgeschrieben und in Archiven recherchiert, „und das immer mit viel Geduld und Herzblut.“ Die „große Bühne“ sei nie seine Sache gewesen: „Du hast oft im Stillen gearbeitet, abseits der Öffentlichkeit.“ Mit seiner Tätigkeit als Chronist, Sammler, Autor sowie Heimat- und Ahnenforscher habe Ludwig Veith einen Beitrag zur Identität der Gemeinde geleistet und „ein Stück Heimat bewahrt“, würdigte Rafael Alber seinen bescheidenen Mitbürger.

Frühe Liebe zu alten Schriften

In seiner Laudation zeichnete Werner Altstätter, der Vorsitzende des Bildungsausschusses, das Leben und Wirken des Trägers der Verdienstmedaille nach. Seine Kindheit verbrachte Ludwig Veith, geboren 1949, in Eyrs, wo er während der ersten Jahre auch die Schule besuchte. Sein Vater war Bäcker. Seine Mutter führte ein Einnahmen- und Ausgabenbuch in altdeutscher Schrift. Ludwig malte die Buchstaben der Mutter nach und entwickelte schon als Kind eine besondere Vorliebe für alte Schriften. Nach den letzten zwei Schuljahren in Prad absolvierte Ludwig die Lehre als Elektriker. Die Leidenschaft für das Sammeln sowie die Transkription und das Aufbewahren alter Schriften und Dokumente ließ ihn mehr los. In den 1990er Jahren gründete er gemeinsam mit Adolf Bernhart den Chronistenverein. Von 2010 bis 2020 hat er als Dorfchronist alles gesammelt, was sich auf die Gemeinde Prad bezog. Mit dem Anlegen des Familienarchivs, aus dem 2008 das „Historische Gemeinde-Archiv Prad“ erwuchs, hatte Ludwig Veith bereits 1978 begonnen. 

Viele kulturhistorische Beiträge

Dank der Bereitstellung zweier Schränke seitens der Gemeinde für die Aufbewahrung der vielen Dokumente verfügt die Gemeinde jetzt laut Werner Altstätter über ein wahres Dokumentationszentrum. Nicht unerwähnt ließ er auch die Forschungsarbeiten von Veith für mehrere Vereine, seinen Einsatz für den Erhalt von Kulturgütern, Stichwort Archaikweg, und nicht zuletzt seine historischen bzw. kulturellen Beiträge für die „Prodr Nochrichtn“ und die Kulturzeitschrift „Der Schlern“. Auch als Autor bzw. Mitautor von Festschriften und Broschüren für Vereine sowie von Jahreschroniken wirkte Veith mit. Als sein Lebenswerk bezeichnete Altstätter das Buch „Häuser & Höfe von Prad und Agums 1775-1857+“, das 2024 erschienen ist, 512 Seiten umfasst und mit zahlreichen historischen Bildern ausgestattet ist. „Du bist, ohne laut zu sein, ein edler Erforscher und Bewahrer der Vergangenheit von Prad“, schloss Altstätter seine Laudatio. Viele sind zur Feier gekommen, um Ludwig Veith und seiner Familie persönlich zu danken. Der frühere Bürgermeister Karl Bernhart erinnerte daran, dass Ludwig Veith seinerzeit einer der ersten war, der Spielfilme gedreht hat. Abgeschlossen wurde die Feier mit einem Umtrunk und mit Ziehharmonikamusik von Manuela Wallnöfer. 

Josef Laner
Josef Laner

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