Zedka (Birgit Salkin, rechts) erklärt Veronika (Jenny-Joy Kreindl), dass Verrückte nicht unbedingt Kranke sind.

Ein Irrenhaus im Kulturhaus

Publiziert in 45 / 2014 - Erschienen am 17. Dezember 2014
Schlanders - Je bekannter der Autor, je berühmter der Stoff, desto geteilter das Theater-Publikum. Hier die, die den Roman „Veronika beschließt zu sterben“ gelesen und Bestätigung suchten, dort die, die erst nach einem Akt anfingen zu begreifen. Das Publikum im Kulturhaus von Schlanders war da keine Ausnahme. Der ausverkaufte Saal war eher dem Schriftsteller, „dem Phänomen Paulo Coelho“ zuzuschreiben als der Inszenierung von „a.gon München“, dem „Theater aus Leidenschaft“. Den Ausdruck „Phänomen“ hatte in kritischer Distanz die Schauspielerin Ursula Berlinghof in der Einführung gewählt. Dass dann so viele Kärtchen in die „Gefällt mir“-Box geworfen wurden, geht auf das Konto der acht Darsteller und der Inszenierung von Peter Bernhardt. Neben der großartigen Jenny-Joy Kreindl als lebensmüde Veronika, die für den kühl berechnenden Irrenhausarzt Dr. Igor (Werner Haindl) nur ein klinischer Versuch ist, vermittelte das a.gon-Ensemble glaubhaft, dass man Theatervorführungen auch deswegen besucht, weil dort erfreulich vieles ab rückt vom Üblichen, also erträglich ver-rückt ist. s
Günther Schöpf
Günther Schöpf

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