Hans Martin Gfrei (rechts) mit dem „singenden Cremona-Wirt“ Markus Walder.

Ein Vinschger in Dubai

Publiziert in 28 / 2012 - Erschienen am 18. Juli 2012
Hans Martin Gfrei ist jung (34), hat aber schon eine steile Karriere hinter sich. Derzeit ist er Restaurant-Manager für Hyatt in Dubai. Der Vinschger: Wie kommt ein Vinschger nach Dubai? Hans Martin Gfrei: Nach dem Abschluss des Sprachengymnasiums in Schlanders bildete ich mich zwei Jahre lang an der Landeshotelfachschule Kaiserhof in Meran weiter und bekam die Möglichkeit, im 5-Sterne-Hotel Adlon in Berlin drei Monate lang praktische Erfahrungen zu sammeln. Am Ende blieb ich ein Jahr lang in Berlin. Ihre Eltern Hannelore und Arthur Gfrei besaßen früher das Stilfser­joch-Hotel. Wollten Sie in ihre Fußstapfen treten? Ich bin sozusagen im Hotel meiner Eltern aufgewachsen, wollte aber zunächst auch außerhalb von Südtirol Neues dazu lernen. Was machten Sie nach Ihrer Zeit in Berlin? Ich absolvierte eine Saison im Restaurant im Badrutt‘s Palace in St. Moritz und im Sommer 2001 arbeitete ich Nobel-Hotel Cala Di Volpe an der Costa Smeralda in Sardinien. Ich erinnere mich noch, dass die Gäste für eine Nacht in der Präsidenten-Sweet damals über 35 Millionen Lire zu zahlen hatten. Aber lange geblieben sind Sie in Sardinien nicht. Nein, ich wollte mich auch anderswo in der Welt umsehen. Ein befreundeter Hotelmanager aus St. Moritz machte mich auf den Boom in Dubai aufmerksam und so entschloss ich mich, dorthin zu fahren. Ich arbeitete von 2002 bis 2005 für das Jumeirah-Hotel in Dubai, das dem Scheich von Dubai gehört. Worin bestand konkret ihre Arbeit? Mir oblag die Aufgabe, den gesamten Restaurant- und Servicebereich zu managen. Und wie kamen Sie zur Hyatt, einer der weltweit größten Hotelketten mit Sitz in Chicago? Über Kontakte und auch aufgrund der Philosophie dieses Unternehmens, die mich überzeugte. Ich arbeitete mehrere Jahre lang als Restaurant-Manager in Hyatt-Hotels in Shanghai und in Peking. In Peking galt es, 14 Restaurants, Bars und Bankettsäle mit über 400 Angestellten zu leiten. Weiters kam das so genannte Outside-Catering dazu. Einmal fuhr mein Team mit 50 Lkws 10 Stunden lang in eine Bergwerksstadt, wo der Besitzer des Kohlebergwerks über 2.000 Personen zu seiner Hochzeit eingeladen hatte. Sind Sie auch vielen Promis begegnet? Oh ja, von Angela Merkel und Tony Blair bis hin zum früheren russischen Präsdenten Dmitri Medwedew. Gab und gibt es neben Ihrer Karriere auch Platz für Privates? Zu bestimmten Zeiten arbeitete ich 15 Stunden am Tag und mehr. Mittlerweile habe ich eingesehen, dass Familie und Freizeit mindestens denselben Stellenwert haben sollten wie Arbeit und Beruf. Ich habe in Shanghai mein Frau ­Sheila aus den Philippinen kennen gelernt. 2007 kam unser Sohn Alessandro zur Welt: made and born in China! Alessandro und Sheila bleiben bis Ende August hier in Schlanders, wo mein Sohn den Sommerkindergarten besucht. Ich muss morgen (14. Juli, Anmerkung der Redaktion) wieder nach Dubai. Was ist Ihr berufliches Ziel? Zurzeit manage ich den Restaurant- und Servicebereich im exklusiven Park Hyatt in Dubai. Mein Ziel ist es, Hotelmanger zu werden. Wie bewerten Sie die Hotellerie im Vinschgau? Es gibt in ganz Südtirol viele sehr gute Hotels, die als Fami­lienbetriebe geführt werden. Im Vergleich zu anderen Gebieten hinkt der Vinschgau in punkto Strukturen etwas nach. Einer der Grundsätze von Hyatt ist es, den Angestellten zu vertrauen. In diesem Punkt könnte sich in Südtirol noch einiges verbessern. Welchen Stellenwert hat bei Haytt die regionale Küche? Einen sehr großen. Es gibt in allen Hotels zumindest ein Restaurant mit regionalen Produkten. Re­gionalität wird auch im Vinschgau großgeschrieben. Ein Musterbeispiel dafür ist die Whiskey-Brennerei in Glurns, die ich neulich besuchte. Interview: Sepp Laner
Josef Laner
Josef Laner
Vinschger Sonderausgabe

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