Roselinde Gunsch Koch

Eine Frau will es wissen

Publiziert in 28 / 2013 - Erschienen am 31. Juli 2013
Roselinde Gunsch Koch will im Herbst als erste SVP-Landtagskandidatin des Vinschgaus den Sprung nach Bozen schaffen. Die aktive poli­tische Laufbahn von Roselinde Gunsch Koch aus Taufers im Münstertal begann 1995. Sie wurde damals in den Gemeinderat ihrer Heimatgemeinde gewählt. Bis 2000 war sie Ratsmitglied, von 2000 bis 2010 Gemeindereferentin und seit den Gemeindewahlen 2010 ist sie Vizebürgermeisterin. Zusätzlich zur Gemeindepolitik arbeitet die 51-Jährige seit fast 20 Jahren in verschiedenen Gremien ihrer Partei auf Bezirks- und Landesebene mit, so etwa im Landessozialausschuss, in Gremien der SVP-Frauen, in der Landesleitung der Sammelpartei oder als stellvertretende Sprecherin der SVP-Bezirksobleute auf Landesebene. Innerhalb ihrer Partei ist sie eindeutig dem sozialen Flügel zuzuordnen, sprich den Arbeitnehmern. 2004 nahm sie als erste und bis heute einzige Frau das Ruder eines SVP-Bezirks als Obfrau in die Hand. Seit fast zehn Jahren führt sie die SVP Vinschgau durch Höhen, aber auch durch Tiefen. Beruflich arbeitet Roselinde Gunsch Koch sei fast zwei Jahren bei der EURAC. Sie ist Mitarbeiterin bei der Südtiroler Gesundheitsstudie CHRIS. Angesiedelt ist das CHRIS-Team am Krankenhaus in Schlanders. Koch Gunsch ist verheiratet, hat 3 erwachsene Kinder und 2 Enkelkinder. der Vinschger: Wie stehen Sie zur viel diskutierten Frauenquote? Roselinde Gunsch Koch: Es braucht bestimmte Mechanismen, damit Frauen auch in der Politik aktiv mitreden und mitbestimmen können. Vor meiner Wahl in den Tauferer Gemeinderat war ich im vorpolitischen Raum tätig. Weil ein Teil der Plätze auf der Kandidatenliste mit Frauen besetzt werden musste, fragte man mich, ob ich nicht ­Interesse hätten, mich zu bewerben. So gesehen bin ich selbst eine Quotenfrau. Ohne die Frauenquote wäre ich vermutlich nie in die Politik eingestiegen. Wie waren die Reaktionen, als Sie 2004 die Führung der SVP Vinschgau übernahmen? Bis dahin hatte Richard ­Theiner den Bezirk geführt, und zwar in einer sehr schwierigen Situation. Als Theiner 2003 Landesrat wurde, suchte man eine neue Führungskraft für die Partei im Vinschgau. Es war leider so, dass sich ­zunächst niemand bereit ­erklärte, den „Karren“ zu übernehmen und weiterzuführen. Warum haben Sie sich ­entschlossen, für dieses Amt zu ­kandidieren? Egal, ob man mir glaubt oder nicht: Ich habe es aus Verantwortung und Verpflichtung meiner Partei gegenüber getan, aus tiefster Überzeugung. Ich fragte mich: Kann es wirklich sein, dass niemand im Vinschgau bereit ist, dies Aufgabe zu übernehmen? Außerdem wollte ich auch ein konkretes Zeichen dafür setzen, dass Frauen nicht nur fordern sollen, sondern auch bereit sein müssen, Herausforderungen anzunehmen. Wurden Sie als Frau an der Spitze der SVP Vinschgau immer voll respektiert und ernst genommen? Am Anfang werden sich einige zwar gedacht haben, dass ich nicht lange durchhalten werde. Ich bekam das auch mehr oder weniger direkt zu spüren. Die anfängliche Skepsis hat sich aber ziemlich rasch gelegt. Mittlerweile bin schon längst voll akzeptiert, und zwar in allen Gremien, in denen ich mitarbeite. Die SVP-Mitgliederzahl ist auch im Vinschgau im Sinken begriffen. Wie im ganzen Land haben auch wir leichte Rückgänge zu verzeichnen. Allerdings kann ich sagen, dass jene, die Mitglieder sind, tatsächlich auch mitdenken, mitreden und mitarbeiten. So genannte „Karteileichen“ haben wir so gut wie keine mehr und das ist auch gut so. Was haken sie während Ihrer bisherigen Parteiführung als Erfolge ab? Da gibt es einiges. 2006 eroberten wir den Senator zurück, 2008 schickten wir mit Richard ­Theiner und Sepp Noggler zwei Vinschger in den Landtag und heuer ist es uns gelungen, mit Albrecht Plangger einen Vertreter in die römische Abgeordnetenkammer zu entsenden, der bei den parteiinternen Basiswahlen im Vorfeld der Parlamentswahlen landeseit am meisten Stimmen bekommen hatte. Bei allen diesen Wahlen haben die Vinschger gezeigt, dass sie sehr wohl in der Lage sind zusammenzuhalten. Mit dem Parteiobmann, Landesrat und Landeshauptstellvertreter Richard Theiner sowie mit dem amtierenden Landtagsabgeordneten Sepp Noggler, den auch der Bauernbund unterstützt, werden Sie es im Herbst mit starken Mitbewerbern aus ihrem Heimatbezirk zu tun haben. Glauben Sie wirklich, den Sprung nach Bozen schaffen zu können? Natürlich glaube ich daran. Leicht wird es sicher nicht, aber unmöglich ist es auch nicht. Man rechnet, dass es heuer für einen Sitz im Landtag rund 10.000 Vorzugstimmen brauchen wird. Glauben Sie, diese Hürde schaffen zu können? Wäre ich nicht davon überzeugt, würde ich gar nicht antreten. Natürlich brauche ich zusätzlich zu den Stimmen in meinem Heimatbezirk auch die Unterstützung der Frauen und Arbeitnehmer in ganz Südtirol. Es hieß neuerdings öfters, dass es Frauen bei den Landtagswahlen im Vergleich zu Männern schwieriger haben, und zwar auch deshalb, weil manche schlicht und einfach nicht das Geld für den Wahlkampf haben. Da ist sicher etwas Wahres dran. Andererseits wurde ein Grenzwert von 40.000 Euro für Wahlkampfkosten pro Kandidat bzw. Kandidatin festgesetzt. Wir im Vinschgau setzen erneut auf einen gemeinsamen Wahlkampf, bei dem die persönlichen ­Begegnungen im Mittelpunkt stehen. Mit dieser Methode, die heuer landesweit angepeilt wird, waren wir bereits 2008 erfolgreich. Sind die parteiinternen Vorbereitungen bereits angelaufen? Ja. Es gab kürzlich ein erstes ­parteiinternes Treffen. Wir haben eine Arbeitsgruppe eingesetzt. Zumal ich dieses Mal selbst kandidiere, hat der Schlanderser Bürgermeister Dieter Pinggera die Koordination übernommen. Das Ziel ist es, einen gemeinsamen Wahlkampf zu führen und nach Möglichkeit immer zusammen aufzutreten. Und wie sieht es mit dem Wahl­programm aus? Das Wahlprogramm wird zurzeit in enger Zusammenarbeit mit den Ortsgruppen erarbeitet. Auf die Mitsprache und Mitarbeit aller Ortsgruppen wird ein besonderes Augenmerk gelegt. Aber auch die Bürger können sich einbringen, über eine Postkartenaktion, eine Online-Umfrage oder im persönlichen Kontakt mit uns Kandidaten. Was würden Sie persönlich ganz oben auf die Liste setzen? Ein großes Anliegen in Südtirol, und ganz besonders auch im Vinschgau, ist sicher die Bekämpfung der Arbeitslosigkeit. Es gibt diesbezüglich Ängste, die nicht zu unterschätzen sind. Hand in Hand damit gilt es auch Maßnahmen gegen die drohende Abwanderung zu setzen. Auch das ist ein großes Thema im Vinschgau. Wenn wir wollen, dass die Menschen nicht wegziehen, müssen wir ihnen in den Dörfern eine ­entsprechende Lebensqualität bieten. Dazu gehört unter anderem ein schnelles Internet. Ein solches ist nicht nur für Betriebe unerlässlich, sondern zum Beispiel auch für Frauen, die zu Hause am Computer Telearbeit verrichten wollen. 2003 kam Ihre Partei im Vinschgau noch auf 72,3% der Stimmen, 2008 waren es 59% und für heuer sind die Prognosen noch schlechter, wie dies zumindest die Oppositionsparteien voraussagen. Von der politischen Opposition rede ich nicht. Was uns betrifft, sehe ich die Zukunft beileibe nicht so düster. Aber die SVP hat sich in den vergangenen Jahre ziemlich große „Schnitzer“ geleistet und sich bisweilen selbst ins Knie geschossen, man denke nur an das Thema Energie und Stromkonzessionen. Die Vorkommnisse in Sachen Energie haben uns sicher geschadet. Es muss hier aber auch deutlich zwischen Partei und Landesverwaltung getrennt werden. Wir haben einerseits die Landesregierung und andererseits die Partei. Unser ­Obmann Richard Theiner hat nicht nur in der Energiefrage eine lückenlose Aufklärung gefordert, sondern auch in anderen Bereichen. Er hat sich außerdem für manche ungute Sachen öffentlich entschuldigt. Wären die Funktionen Landeshauptmann und SVP-Obmann vereint gewesen, hätten sich manche Dinge anders ­entwickelt. Inwiefern? Dann hätte die Stimme der Partei in der Landesregierung mehr Gewicht gehabt. Von Erneuerung in der SVP wird seit Jahren gesprochen. Gibt es diese Erneuerung tatsächlich oder sind das alles nur leere Worte? Die Erneuerung gibt es wirklich, das zeigt auch die Kandidatenliste, 25 der 35 Kandidaten sind neu. Neu ist zum Beispiel, offen und unverblümt Dinge anzusprechen, die nicht in Ordnung sind und dort einzugreifen, wo Handlungsbedarf besteht. Es wird vor allem auf mehr Mitsprache der Mitglieder und der Ortsgruppen gesetzt. Auch das ist neu. Zurück zum Thema Frauen: Poli­tische Frauengremien werden von manchen männlichen Kollegen als reine Debattierclubs abgewertet. Das mag schon sein. Schon längst Tatsache ist, dass wir Frauen zunehmend an politischer Einflussnahme gewinnen. Schauen wir uns nur die Situation im ­Vinschgau an. Vor gar nicht langer Zeit gab es kaum Frauen in den Gemeindeausschüssen. Seit den Wahlen 2010 stellen wir immerhin 6 Vizebürgermeisterinnen und eine relativ große Anzahl von Referentinnen, die alle eine sehr gute Arbeit leisten. Was macht eine Politikerin anders als ein Politiker? Die Unterschiede sind oft weniger groß als vermutet. Ich habe oft genug miterlebt, dass auch Männer nur mit Wasser kochen. Was alle haben sollten, ist ein gesunder Hausverstand. Grundsätzlich glaube ich, dass Frauen oft mit einer anderen und nicht selten besseren Sichtweise an Dinge herangehen, das bringen die Lebensbiographien der Frauen zwangsläufig mit sich. Was möchten Sie am 28. Oktober 2013, dem Tag nach den Landtagswahlen, gerne sagen: Dass die bisher erste Vinschger Landtagskandidatin der SVP den Sprung in den Landtag geschafft hat.
Josef Laner
Josef Laner
Vinschger Sonderausgabe

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