Alexandra Zöggeler treibt gemeinsam mit anderen das Projekt Waldorfschule Mals voran.6
Sie wird in der Malser Waldorfschule unterrichten: Anne Morgenschweis aus Prad

„Eine Pädagogik mit Kopf, Herz und Hand“

Publiziert in 27 / 2018 - Erschienen am 1. August 2018

Obervinschgau - So neu ist es nicht mehr, was Rudolf Steiner schon vor über hundert Jahren erforscht und vorgetragen hat und woraus die sogenannten Waldorfschulen entstanden sind. Es waren weitsichtige und vernünftige Menschen, wie Emil Molt, der Chef der Zigarettenfabrik Waldorf Astoria, der, begeistert von den Ideen Rudolf Steiners, die erste Waldorfschule vor hundert Jahren in Stuttgart, zu Ende des Ersten Weltkrieges, gemeinsam mit Rudolf Steiner gegründet und finanziert hat. Nach seiner Zigarettenfirma wurde die erste Waldorfschule benannt. Er wollte diese Schule vor allem seinen Mitarbeitern und deren Kindern zur Verfügung stellen: Eine Schule, die frei von staatlichen Richtlinien und wirtschaftlichen Zwangsbedürfnissen das Kind und seine Entwicklung in den Mittelpunkt stellt. Nun soll es, da es schon weit über tausend Waldorfschulen auf der ganzen Welt gibt und auch in Südtirol positive Erfahrungen mit den Waldorfschulen in Meran, Brixen und Bozen vorliegen, auch im oberen Vinschgau eine Waldorfschule geben. Die ersten Schritte zur Gründung wurden bereits gemacht und Anne Morgenschweis aus Prad, ausgebildet in Architektur und Waldorfpädagogik, hat sich bereit erklärt, die Gründung zu begleiten und den Unterricht zu übernehmen. Anne erklärt das Waldorf-Konzept so: „Es ist nicht entscheidend, was das Kind lernen soll, sondern wie das Kind in seiner jeweiligen Entwicklung bestmöglich gefördert werden kann und welche Lerninhalte dies unterstützen. Wichtig dabei ist, dass die Persönlichkeit des Kindes und sein Selbstvertrauen gestärkt werden. In der Waldorfpädagogik fördern wir die Schülerinnen und Schüler sowohl intellektuell, als auch im künstlerischen und praktischen Bereich, auch stärken wir sie im Sozialen. Diese Art der Pädagogik regt die eigene schöpferische Tätigkeit und den freien Lernwillen an und möchte die Grundlage legen für kritische Urteilskraft und die Fähigkeit, an der Gesellschaft mit zu gestalten. Die Wissensvermittlung ist nicht vorherrschend vor den anderen Bildungszielen, sondern der Mensch soll ganzheitlich angesprochen werden, eine Pädagogik mit Kopf, Herz und Hand“. So ist es natürlich gewesen, dass der damals erstarkende Nationalsozialismus alles tat, um die Waldorfschulen zu ersticken und möglichst zu verbieten. Aber eine gute Idee ist unaufhaltsam, wenn ihre Zeit gekommen ist. Die Waldorfschulen, wenn auch immer noch etwas Besonderes, haben sich durchgesetzt und ihr Konzept befindet sich weiterhin auf dem Siegeszug. Die Initiative für eine Waldorfschule geht im oberen Vinschgau von einer Gruppe von Eltern aus, die für ihre Kinder eine solche Einrichtung schaffen wollen. Eine der Initiatorinnen, Alexandra Zöggeler, beschreibt die Initialzündung so: „Als ich das erste Mal in die ‚Rudolf Steiner Schule’ in Meran hineingegangen bin, habe ich ein Gefühl von Schönheit und Wohlsein empfunden. Ich habe gesehen, dass die Kinder strahlen und einfach gut drauf sind und gerne in diese Schule gehen. Mein Sohn besuchte damals den Waldorf-Kindergarten in Meran und als wir dann in den Vinschgau umgezogen sind, erfüllte mich darauf eine gewisse Traurigkeit, weil mein Kind dort keine Waldorfschule besuchen kann. Ich habe viele ähnlich denkende Menschen kennen gelernt und meine Schwägerin Manuela hat mir ihre Hilfe angeboten. So sind wir dann einfach gestartet.“ Diese Kerngruppe hat sich, unter Begleitung und tatkräftiger Mithilfe von Anne, auf den Weg gemacht, dieses Vorhaben zu verwirklichen. Es wurde ihnen gleich bewusst, dass nicht das mangelnde Interesse von Eltern das Problem ist, da bei der ersten Informationsveranstaltung in Schlanders über hundert Interessierte gekommen sind. Das größte Kopfzerbrechen macht der Initiativgruppe die Finanzierung: „Für das erste Jahr braucht es mindestens 50.000 Euro. Wir waren sehr glücklich darüber, dass uns die Gemeinde Mals mit Bürgermeister Uli Veith einen Raum zur Verfügung gestellt hat, den wir derzeit mit den Eltern und Freunden adaptieren. Selbstverständlich hoffen wir stark darauf, dass uns die öffentliche Hand finanziell nicht verhungern lässt. Gesprächstermine sind geplant. Am schönsten wäre es natürlich, wenn auch die Waldorfschule in Mals einen Gönner finden würde, wie einst der Gönner der ersten Waldorfschule, Emil Molt, der sich ein Herz nimmt und sagt: Das erste Jahr finanziere ich.“ Weitere Informationen und Kontakt:  waldorfvinschgau@gmail.com 

Friedrich Haring
Friedrich Haring
Vinschger Sonderausgabe

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