Vom Hubschrauber aus wurde am 16. November am Vinschger Sonnenberg das biologische Präparat Bacillus thuringiensis versprüht.
Amtsdirektor Georg Pircher

Einsatz „quasi perfekt“

Biologische Bekämpfung des Kiefernprozessionsspinners verlief reibungslos.

Publiziert in 40 / 2017 - Erschienen am 22. November 2017

Vinschgau - Von einem Hubschrauber aus wurde am 16. November am Vinschger Sonnenberg das biologische Präparat Bacillus thuringiensis versprüht. Das Forstinspektorat Schlanders bekämpfte damit den Kiefernprozessionsspinner. Von der betroffenen Waldfläche von insgesamt rund 1.200 Hektar wurden rund 150 Hektar in Goldrain, den Vetzaner Leiten, Schlanderser Leiten, Laaser Leiten, Kortscher Leiten, Eyrser Leiten und Spondinig behandelt. Das verwendete Mittel ist für Mensch und Tier nicht schädlich. Amtsdirektor Georg Pircher dazu: „Das Präparat entwickelt erst im Verdauungstrakt der Raupen seine Giftigkeit, nachdem die Raupen die Nadeln der Föhren gefressen haben.“ Die Behandlung vom 16. November sei reibungslos verlaufen. „Die Wetterverhältnisse waren sehr gut, ebenso der Einsatz der Hubschrauberfirma“, so Pircher. Das Präparat konnte sehr gezielt ausgebracht werden. Die Wetterbedingungen seien sowohl am Tag der Behandlung als auch unmittelbar nachher günstig gewesen. Der Einsatz war in dieser Hinsicht quasi perfekt. Um festzustellen, ob die Behandlung wirkt, führen die Förster bereits wenige Tagen nach der Behandlung Überprüfungen durch. Pircher: „Man kann die Gespinste mit abgestorbenen Raupen erkennen. Auch werden stichprobenartig Gespinste geöffnet, um den Anteil der verendeten Raupen zu prüfen. Die Raupen müssen in den ersten Tagen besprühte Nadeln fressen.“ Auch insofern sei das Wetter gut gewesen, zumal sich das Mittel innerhalb weniger Tage vollständig abbaut. Beflogen wurden vornehmlich Föhrenwälder mit starkem Befall in der Nähe von Dörfern, wo sich viele Steige und Wege und somit Spaziergänger befinden, sowie Flächen, auf denen im Frühjahr Arbeiten der Forstarbeiter stattfinden sollen. Laut dem Amtsdirektor wird es wahrscheinlich schon im Frühjahr 2018 zu einer weiteren Behandlung kommen: „Der Bericht der Universität Padua empfiehlt, aufgrund des starken Anstieges in den letzten 2 Jahren und der Sondersituation im Vinschgau eine Behandlung für mehrere Jahre.“

Auch Maßnahmen gegen Borkenkäfer und Pilze

Auch in Bezug auf den Befall vieler Schwarzföhren am Vinschger Sonnenberg mit Borkenkäfern und Pilzen ist das Forstinspektorat Schlanders aktiv geworden. Pircher: „Wir haben verschiedene Maßnahmen, standortspezifisch und in Absprache und Zusammenarbeit mit den Waldeigentümern geplant und auch zum Teil im Herbst schon begonnen.“ Die abgestorbenen Bäume werden teilweise entfernt, zum Beispiel entlang von Wegen und Steigen. Auch soll damit das Waldbrandrisiko vermindert werden. An bestimmten Stellen können Föhren entfernt werden, da andere Bäume, etwa Laubbäume, vorhanden sind und die Schutzfunktion übernehmen. An anderen Stellen bleiben die abgestorbenen Föhren stehen, da kein Unterwuchs vorhanden ist und auch die toten Bäume noch Funktionen haben, etwa gegen die Erosion oder als Beschattung. Zum Teil werden Föhren auch „quergefällt“, also gefällt und quer zum Hang liegen gelassen, um so gegen Steinschlag und Erosion zu wirken. Besonders wichtig ist laut Pircher auch, dass die Umstrukturierung der Föhrenwälder in naturnahe, laubholzreiche Mischwälder fortgeführt und intensiviert wird: „Es werden gruppenweise Föhren entnommen und Laubbäume gepflanzt.“ In Gebieten, wo der Befall nur gering ist, werden Waldpflege und Durchforstung betrieben, um die Bestände und die einzelnen Bäume zu stärken.

Josef Laner
Josef Laner
Vinschger Sonderausgabe

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