Erst nach einem jahrelangen ­Leidensweg konnte Fabian ­endlich geholfen werden.

Endlich leben! - Der Leidensweg eines Kindes

Publiziert in 46 / 2012 - Erschienen am 19. Dezember 2012
Fabian (Name von der Redaktion geändert) leidet jahrelang an einer Krankheit, die nicht leicht zu diagnostizieren ist. Ein Erfahrungsbericht. Vinschgau - Jahrelang leidet ­Fabian an einer nicht erklärbaren und nicht leicht diagnostizierbaren Krankheit: Bauchschmerzen, Koliken, Durchfall, Übelkeit, Erbrechen, Schwindel, Schlafstörungen, Kopfschmerzen und Fieber. Es wird immer schlimmer. Fabian kann kaum noch den Alltag bewältigen. Durch das geschwächte Immunsystem kommen immer wieder Grippen hinzu. Der Leidensweg beginnt. Von einem Arzt zum anderen Von einem Arzt zum anderen, von Krankenhaus zu Krankenhaus, zu Allergologen, Therapeuten, Homöopathen, aber niemand kann sich dieses Ausmaß der Symptome erklären. Medikamente, Therapien und unterschied­liche Diäten, aber nichts hilft, es wird schlechter. Seine Lebensmittelallergie verbessert sich einfach nicht. Er schafft es kaum noch, am Unterricht teilzunehmen und mit dem Lehrstoff nachzukommen. Die ganze Familie leidet dann zusätzlich noch am Stress, welcher durch die vielen Fehlstunden in der Schule zustande gekommen ist. Weil niemand eine genaue Diagnose erstellen kann, heißt es einfach: „phsychosomatisch“ und das Problem wird nun der Familie übertragen. Weil das Kind in der Schule, beim Sport, bei Treffen mit Freunden immer öfter fehlt, wird Fabian mehr und mehr zum Außenseiter, verspottet und zudem gemobbt. Spott und Mobbing Freunde der Familie ziehen sich zurück, belächeln quasi die besorgte und geplagte Familie. Sie meinen, das Kind sei ein Simulant, ein Schul-Verweigerer und verwöhnt, Fabian sei intelligent und „verschaukle“ seine Eltern. Auch in der Schule wird die Situation immer schwieriger. Kaum jemand hat Verständnis für die Krankheit des Jungen. „Wahrscheinlich fehlt es bei euch in der Familie!“: diese und andere Aussagen werden von Lehrern gemacht. Geplagt durch das ständige Auf und Ab und der dummen Bemerkungen von Mitmenschen, wird das Kind zunehmend schwermütig und zieht sich mehr und mehr zurück. Unsicher und besorgt wenden sich die Eltern an Psychologen, aber keiner kann ein psychisches Problem erkennen. Fabian sei ein normaler Junge, der einfach krank ist und endlich die richtige Hilfe braucht. Wenn Bekannte zu Besuch kommen, versteckt er sich in seinem Zimmer, damit keiner sieht, dass er schon wieder krank ist. Er findet dies immer so beschämend. Die Eltern wissen: ihr Kind ist ernsthaft krank, aber sie finden niemanden, der ihnen helfen kann. „Wer kann uns denn helfen?!“ „Am liebsten hätten wir dies jeden Tag in die Welt rausgebrüllt.“ Schlaflose Nächte und ein Gefühl der Machtlosigkeit erdrücken die Eltern. „Wir ertragen dies bald nicht mehr.“ Wenn es da nicht die nötige Unterstützung im engsten Familienkreis, sowie von sen­sibleren Menschen gegeben hätte, wäre die Familie an ihrem Elend zerbrochen. Erneut wird ein empfohlener Arzt aufgesucht und man hofft nun, dass dieser endlich helfen kann. Mit der Einnahme der neuen Medikamente geht es dem Kind jedoch noch schlechter als zuvor. Er erbricht durchgehend, hat ständig Fieber und schläft kaum. Er wird immer schwächer, so dass er viele Wochen lang das Haus nicht mehr verlassen kann. Der behandelnde Arzt aber meint: „Geduld, Geduld, das wird besser!“ Aber es wird eben nicht besser. Es gibt überhaupt keinen guten Tag mehr. Früher gab es inzwischen einige gute Tage im Monat. Aber jetzt…., das ist kein Leben mehr. Man kann es nicht mehr mit ansehen. „Wir haben Angst um das Leben unseres Sohnes,“ sagen die Eltern verzweifelt. „Warum hört das nicht endlich auf? Kann unser Sohn nicht endlich ein normales Leben leben? Einfach nur leben!“ Endlich die Rettung Dann endlich die Rettung, ein zufällig empfohlenes Ärzteteam kann HELFEN. „Ein lebensbedrohender Zustand, die Organe hätten diese Strapazen nicht mehr länger mitgemacht. Dieser Körper ist am Ende, ausgelaugt und ausgetrocknet. Magen, Darm, Galle und Leber sind krank, und das Blut ist auch in einem sehr schlechten Zustand. Hier muss sofort gehandelt werden,“ sagt die Ärztin. Sie schlägt die Hände zusammen und meint: „Was haben da meine Kollegen gemacht?“ Ihre Diagnose: Chronisch krank, durch kranken Darm, Autoimmunerkrankung, Stoffwechselstörung und Lebensmittelallergie. Schon vor Jahren hätte dieser Körper eine angemessene medizinische Hilfe gebraucht, dann hätte dieser Zerfall vermieden werden können. Mit dieser Erkrankung zerstöre sich der Körper selbst. Zuerst müssen die Organe behandelt und versorgt werden, erst danach können Diäten und Therapien begonnen werden. Mit der intensiven medizinischen Behandlung des Ärzteteams geht es Fabian von Tag zu Tag besser. Nach Monaten der Behandlung (zahlreichen Infusionen, Injek­tionen und Medikamenten) ist es soweit, mit Hilfe von guten Menschen und seiner Familie holt er die Schule nach und schafft es, die mittlere Reife erfolgreich abzuschließen. Heute ist das Kind von damals ein Jugendlicher, der ein normales Leben lebt. Aber eines wird er sicher niemals vergessen: Wie demütigend viele Mitmenschen in seinem schwierigsten Lebensabschnitt zu ihm und auch zu seiner Familie waren.  (RED/dany)
Daniela di Pilla
Daniela di Pilla
Vinschger Sonderausgabe

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