Landesjägermeister Berthold Marx.

Erstmals ein Vinschger als Landesjägermeister

Publiziert in 14 / 2013 - Erschienen am 17. April 2013
Am 20. März 2013 wurde Geschichte geschrieben. Mit Berthold Marx zieht zum ersten Mal ein Vinschger als Landesjägermeister in den ­Jagdverband ein. Welche Schwerpunkte sich der neue Landesjägermeister gesetzt hat, wie er die Jägerschaft in eine Denkwerkstatt miteinbinden möchte und wie er die Bevölkerung für das Thema Jagd sensibilisieren möchte, hat er in einem Gespräch erklärt. der Vinschger: Seit 2005 sind Sie Revierleiter in Schlanders, 2006 wurden Sie zum Bezirksjägermeister gewählt und kürzlich als erster Vinschger zum Landesjägermeister. Man hat Ihnen eine große Verantwortung übertragen. Berthold Marx: Dass das Amt des Landesjägermeisters diesmal bei einem Vinschger angesiedelt ist, finde ich auch im geografischen Sinn vertretbar. Alle Landesteile waren schon vertreten, nun ist der Westen gefordert. Ich kann dabei meine Erfahrung als Bezirksjägermeister einbringen, doch es braucht nicht nur den Landesjagdausschuss, sondern auch die Revierleiter, die Revierausschüsse, die Jägerschaft sowie unser Aufsichtspersonal, um die schwierige Zeit zu überwinden, in der sich die Jagd derzeit befindet. Sie sprechen von schwierigen Zeiten? Inwiefern? Viele Menschen, vor allem in den Städten, haben wenig Naturverständnis und lehnen somit das Erlegen von Wildtieren kategorisch ab. Hinzu kommen noch die Tierrechtsbewegungen, die nur Negativbotschaften über die Jagd verbreiten. Auf der anderen Seite setzen uns die Land- und Forstwirtschaft unter Druck, da das Wild Schäden in Wiesen und Wäldern verursacht. Kann die Jagd die Wildschäden in Grenzen behalten? Im Endeffekt ist unser Jagdsystem am ehesten geeignet, die Wildschäden im Rahmen zu halten. Als es einmal in Italien ein Referendum zur Abschaffung der Bestimmung gab, welche den Jägern das Recht einräumt, auf fremdem Grund und Boden zu jagen, hat der damalige Bauernbunddirektor Berthold Pohl für die Beibehaltung unserer Jagd mit dem Argument plädiert, dass eine andere Regelung für die Landwirtschaft nicht verkraftbar wäre. Was finden Sie an der Südtiroler Jagd gut? Wir haben ein Supersystem. Es erlaubt den Einheimischen, zu vertretbaren Kosten die Jagd auszuüben. Die Jagd ist bei uns Sache des Volkes. Die „Volksjagd im Reviersystem“ zwingt uns Jäger auch, das gute Auskommen mit den Grundeigentümern zu suchen und zu pflegen. Arroganz können wir uns nicht leisten. Man stelle sich vor, die Jagd wird bei uns in einem Revier von einem einzelnen, womöglich auswärtigen Pächter beansprucht, und die Einheimischen müssten zuschauen! Wie wollen Sie der nichtjagenden Bevölkerung den Sinn und Zweck der Jagd näher bringen? Die Sensibilisierung kann nur durch Aufklärung erfolgen. Wir müssen der Bevölkerung erklären, was wir tun, warum wir es tun und dass wir gut ausgebildet sind. Jagd ist eine legitime, ursprüngliche und schonende Nutzung; dies gilt es bei jeder Gelegenheit deutlich zu machen. Wildbret ist ein gesundes und natürliches Nahrungs­mittel; mehr Bio als Wildbret gibt es nicht. Wildfleisch ist sehr gefragt. Wie sieht es mit der Wildbrethygiene aus? Die Nachfrage ist sogar höher als das Angebot. Das hängt sicher mit der Qualität des Wildbretes zusammen. Und die Qualität ist dank der neu errichteten Wildabgabestellen gewährleistet. Das erlegte Wild muss durch geprüfte, kundige Personen kontrolliert werden und wird und anschließend fachgerecht gekühlt. So kommt nur mehr gutes Wildfleisch in den Handel. Im Vinschgau haben wir viele vorbildlich errichtete Kühlzellen. Thema Wildentnahme im Nationalpark: Hat der Landesjägermeister Einfluss auf die Entscheidungen der Parkverwaltung zum Thema Wildentnahme? Es gibt sogar Stimmen, die die Rotwildentnahme auch für außerhalb des Nationalparks fordern. Einfluss hat der Landesjägermeister keinen auf die Entscheidungen der Parkverwaltung, aber die Wildentnahme ist sowohl für den Park als auch für die Jagd wichtig. Die Parkverwaltung möchte die Rotwilddichte so steuern, dass die Waldentwicklung nicht beeinträchtigt wird. Dieses Ziel wird von der Land- und Forstwirtschaft auch außerhalb des Parks gefordert und mit den jährlich hohen Abschüssen auch weitgehend erreicht. Was haben Sie sich als Arbeitsschwerpunkte vorgenommen? Werden Sie die Jägerschaft miteinbeziehen? Ich nehme mir vor, Grundsatzüberlegungen im Landesjagdausschuss zu verstärken sowie zukunftsorientierte und strategisch machbare Ziele zu entwickeln und zu verfolgen. Unseren Jägern in den Bezirken und Revieren möchte ich vermitteln, dass auch sie an dieser Ideenwerkstatt mitarbeiten dürfen und sollen. Sie treten in die Fußstapfen von Klaus Stocker; der kürzlich beim Landeswintersporttag der Jäger im Obervinschgau ausgebuht wurde. Wie ist Ihr Verhältnis zu Ihrem Vorgänger Klaus Stocker? Klaus Stocker hat den Jagdverband 20 Jahre lang gut geführt und vieles erreicht. Wir hatten immer ein korrektes Verhältnis, das letzthin etwas getrübt ist. Ich war nicht sein Wunschkandidat für seine Nachfolge. Werden Sie Ihre bisherigen Ämter als Bezirksjägermeister und Revierleiter beibehalten? Ich bleibe Bezirksjägermeister, denn nur als solcher kann ich Landesjägermeister sein, das sehen die Statuten vor. Das Amt des Revierleiters möchte ich, sofern sich eine bereitwillige Person findet, früher oder später gern in andere Hände legen. Interview: Ingeborg Rechenmacher
Ingeborg Rainalter Rechenmacher
Ingeborg Rainalter Rechenmacher

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