Umgänglicher, langlebiger und leistungsfähiger als andere Rassen sollen die Braunen sein.

Es geht nicht nur um die Rückenlinie

Publiziert in 40 / 2012 - Erschienen am 7. November 2012
Der Obere Vinschgau ist eines der Kerngebiete der Braunviehzucht in Südtirol. Die Züchtertagung in Graun war Standortbestimmung und Fortbildung. Graun - Es kam Lob von Geschäftsführer Peter Zischg, vom prominentesten Braunviehzüchter im Saal, Sepp Noggler aus Mals, und es kam ein Kompliment vom Landesobmann, Luis Hellrigl aus Taufers im Münstertal. Die Initiative, eine Züchtertagung abzuhalten, war auf großes Interesse gestoßen und hatte die Generationen im Vereinssaal von Graun zusammengeführt. Hauptanliegen der Ortsobmänner Roland ­Köllemann (St. Valentin), Armin Fritz (Graun), Elmar Bochet (Reschen) und Manfred Thöni (Langtaufers) war ein umfassender Informationsaustausch unter Züchtern, Zuchtwarten und Landesverband ohne Rücksicht auf heikle Themen oder Fragen. Dem versuchte Geschäftsführer Zischg in seinem Grundsatzreferat „Braunvieh heute...und morgen?“ nachzukommen. Detailliert ging er auf Stärken und Schwächen der Rasse und auf Verbesserungsmaßnahmen ein. Er rief auf, die vielen Vorteile - darunter Inhaltsstoffe der Milch, Eiweißqualität. Nutzungsdauer, leichte Geburt und Gutmütigkeit der Tiere - im Auge zu behalten, sich mit der Arbeit stärker zu identifizieren und keine Angst vor neuen Technologien der Besamung zu haben. Den konkreten Alltag eines Braunviehzüchter mit Verkaufserlös, Zuchtziel, Bemühungen gegen Zuchtverarmung und mit der persönlichen Einstellung zur Herzeigekuh für die Schau versuchte dann Moderator Elmar Bochet in einer Podiumsdiskussion zu hinterfragen. Andreas Jäger aus Martell schwebt eine elegante Kuh vor. Für Franz Kneissl vom Schlanderser Sonnenberg sollte die Braune nicht zu groß sein, aber viel Milch geben. Siegfried Telser aus Matsch würde eine robuste Kuh mit gutem Euter vorziehen. Auch für Karl Gruber vom Prader Berg würde sich ein breiterer Typ im Berggebiet besser eignen. Adelbert Bernhart aus Schlinig hat die Kuh lieber groß als klein. Roland Köllemann aus St. Valentin legt Wert auf Langlebigkeit, um die Tierarztspesen zu sparen. Für den anschließenden Praxisteil hatte die Verwaltung in Graun großzügig eine Maschinenhalle zur Verfügung gestellt. Anhand von Rückenlinie, Beckenneigung, Fundament und Zitzengröße von 12 ausgewählten Kühen versuchte Zuchttechniker Daniel Gasser die Frage nach dem richtigen Stier zu beantworten. Der Bergbauernberater Roland Reiterer referierte über den „Liegekomfort im Anbindungsstall“. Zum Nachdenken anregen wollte der Malser Tierarzt Peter Gasser mit dem Thema „Langlebigkeit“. Er sah in der Zuchtarbeit hin zu mehr Milchproduktion eine bedenkliche Entwicklung. Ein markanter Satz war: „Wir können uns über die Rückenlinie unterhalten, wie lange wir wollen, aber im Vordergrund muss die Existenz­sicherung des Bergbauern stehen.“ Günther Schöpf
Günther Schöpf
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Vinschger Sonderausgabe

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