Wolfgang Platter: „Der Wolf kommt, ob wir wollen oder nicht.“

Es gibt solche und andere Rückkehrer

Publiziert in 2 / 2017 - Erschienen am 25. Januar 2017
Steinbock, Bartgeier und Braunbär wurden wieder angesiedelt. Der Wolf hatte sich selbst auf den Weg gemacht. Laas - Was die gewollte Rücksiedlung der Braunbären und die ungewollte der Wölfe für Südtirols Schafhalter, Jäger, Bienenzüchter und Berglandwirte bedeuten, ist hinlänglich bekannt. Dass das Thema - vor allem zwischen Stadt- und Landbevölkerung - viel komplexer und konfliktbeladener diskutiert wird und dass man auch die Einbürgerung „mit Sympathiewerten“ von Steinbock und Bartgeier in Betracht ziehen muss, war Thema eines Vortrages im Josefshaus von Laas. Revierleiter Josef Stecher stellte den 60 Interessierten, darunter dem Landesobmann der Kleintierzüchter Lorenz Müller und dem Bezirksobmann des Bauernbundes Raimund Prugger, als Referenten den gelernten Biologen und ehemaligen Direktor des Nationalparks Stilfserjoch, Wolfgang Platter, vor. Untermauert von Studien, Daten und Fakten erfuhren die Zuhörer, dass von 1.200 Steinwildexemplaren in Südtirol etwa 1.000 die exponierten, sonnigen Standorte außerhalb des Nationalparks finden und dass die Erderwärmung die schweißdrüsenlosen Tiere immer weiter in die Höhe treibt. Als Erfolgsgeschichte erklärte Platter die Wiederansiedlungsversuche des Bartgeiers seit 1986, die Beteiligung des Nationalparks seit 2000 und die Möglichkeiten der „telemetrischen“ Beobachtung. Mit ausdrucksstarken Bildern ging er ausführlich auf die erste Brut im Nationalpark, den Junggeier „Hintermartell“ ein, der am 10. März 2015 das Licht der Marteller Welt erblickt hatte. Sehr um Versachlichung bemüht war Platter beim Thema Braunbär. Er erinnerte an die Einverständniserklärungen der umliegenden Provinzen - auch Südtirols - den Bärenbestand im Adamello-Brenta-Gebiet mit 10 Tieren aus Slowenien aufzufrischen. Erklärungen, warum sich Bären so und nicht anders verhalten und wie sich Menschen konkret bei Begegnungen verhalten sollen, kamen ebenso zur Sprache wie die Tatsache, dass es immer Bärenmännchen waren, die durch Südtirol streunten. Noch unbekannt, aber schon gefürchtet sei der „spontane“ Rücksiedler Wolf, meinte Platter. Es sei eine Frage der Zeit, bis die Wölfe aus den Apenninen sich mit den Ostwölfen in den Zentralalpen vereinen würden. Den ersten Wurf habe es 2014 in Calanda, Graubünden, schon gegeben. Bekannt sei auch, dass der slawische Wolf „Slavko“ sich im südwestlichen Trentino mit einer Wölfin aus den Apenninen gepaart habe. Über Fotofallen seien vor kurzem 2 Wölfe zwischen Deutschnonsberg und Ulten festgestellt worden. Dem Referat folgten besorgte Wortmeldungen zum möglichen Ende der bisherigen Almwirtschaft in Südtirol. Es wurden Bedenken geäußert, dass man als betroffene Minderheit die eigenen Interessen gegenüber den Tierschützern in den Ballungsgebieten kaum verteidigen könne. Günther Schöpf
Günther Schöpf
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