Eyrs

Publiziert in 7 / 2005 - Erschienen am 14. April 2005
[K] Fotos: Florian Peer, Text: Andrea Perger [/K] [F] Blühende Entwicklung [/F] Ortsnamenbedeutung: Urkundlich erwähnt 1290 als "Eurs", Mundart: "Airsch", amtl. ital. Name: "Oris". Der Name geht wahrscheinlich auf eine späthochdeutsche Form zurück. Eyrs gibt den Beinamen eines Grundbesitzers wieder, der wegen seiner enormen Kraft, als der "Auerochsische" bezeichnet wurde. Quellen: "Die Ortsnamen Südtirols und ihre Geschichte", von Egon Kühebacher 1991 "Vinschgau", von Josef Rampold, Auflage 1997 "Häuser von Laas, Tschengls. Eyrs, Tanas, Allitz", diverse Autoren, herausgegeben von der Raiffeisenkasse Laas 1990 [F] Historisches [/F] Einst lag das Dorf Eyrs auf der anderen Seite der Lahn. Doch eine große Mure hat Ende des 13. Jahrhunderts den Großteil des Dorfes zerstört. So hat die Natur Eyrs in die heutige Lage "verwiesen", die zweifelsohne keine schlechte ist. Eyrs liegt nicht nur heute an einer Hauptverkehrsroute, der Fund eines Meilensteines im Ort beweist, dass hier am Bergfuß die Römerstraße verlief. Leider ist der Meilenstein zu einem Grabstein verarbeitet worden und deshalb nicht mehr erhalten. Als Dorf taucht Eyrs erstmals in einer Erwähnung von 931 auf, als Teil des Besitzes der Kirche von Freising, die Eyrs als Lehen an die Bayrischen Grafen von Moosburg vergab. Die Grafen von Trapp, in deren Besitz einige Rechte im Laufe der Geschichte übergingen, führen heute noch den Titel "Propst von Eyrs". Eyrs bildete im 13. Jahrhundert ein eigenes Gericht bis es 1467 dem Gericht Schlanders einverleibt wurde. Wirtschaftlich von großer Bedeutung für Eyrs war die Postkutschenzeit. Davon zeugt noch der übergroße Bau im Dorfzentrum, der heute leider nicht mehr besonders schön aussieht. In den Stallungen standen zur Blütezeit etwa 60 Zugpferde. Erstmals genannt wurde der Bau bereits 1394 als "Tartscherhof". Bei einem Großbrand 1869 wird der Bau zerstört und beim Wiederaufbau erweitert und als Hotel betrieben. Dieses "Hotel Post" besitzt um die Jahrhundertwende große Bekanntheit und ist seiner Zeit an Ausstattung weit voraus. So besitzt das Hotel mit seinen rund 20 Betten Elektrizität, eine Hochdruckwasserleitung und einen so genannten Eiskeller, einen Keller, der durch ein besonderes Kühlsystem zur Frischhaltung der Lebensmittel diente. Bis Ende der 50er Jahre war das Gasthaus Post ein wichtiger Treffpunkt für die Bevölkerung. Heute ist das Gebäude dem Verfall preisgegeben. Die heutige Remigiuskirche, Pfarrkirche von Eyrs, ist ein Neubau aus dem Jahre 1852. Für deren Aufbau wurde das noch brauchbare Material der alten Kirche, die erstmals 1424 erwähnt wird verwendet. Diese wurde, wie bereits eine Vorgängerkirche, die Bartlmäkirche von einer Mure verwüstet. An der Dorfstraße befindet sich eine Ruine, die früher ebenfalls eine Kirche war. Nur durch das Fresko an der Südseite (Flucht der heiligen Familie aus Ägypten) ist die ehemalige St. Josefskapelle zu erkennen. Diese Kirche wurde vom Geschlecht der Verklayer errichtet. Hier wurden vor allem im Winter an Werktagen Gottesdienste abgehalten, da die ehemalige Remigiuskirche dann schwer zugänglich war. [F] Dorfzahlen [/F] In Eyrs leben in etwa 770 Personen. Damit hat sich die Einwohnerzahl durch Schaffung von Wohnbauzonen und Erwerbsmöglichkeiten seit Ende der 60er Jahre gut verdoppelt. Nach Ende des Ersten Weltkrieges lebten in Eyrs lediglich knapp 300 Menschen. [F] Dorfleben [/F] Eyrs ist ein blühendes Dorf. Die Wirtschaft, das soziale Leben, die Vereine sowie vor allem das Gesellige und Gemütliche blühen und in einigen Tagen steht auch die üppige Vegetation rund um und in Eyrs in voller Blüte. So ist Eyrs als zentral gelegener Ort an der Hauptstraße ein interessanter Standort für Unternehmer. Entlang der Verkehrsader reiht sich ein Betrieb an den anderen, wodurch viele Eyrser ihren Arbeitsort ohne Auto erreichen. Früher arbeitete so mancher Eyrser, aber auch Tschenglser und Prader, in den Marmorbrüchen und der Marmorverarbeitung in Laas, Alternativen gab es wenige. Um zur Arbeit zu gelangen mussten dabei viele dieser Arbeiter den Weg mit dem Rad zurücklegen, bei jeder Witterung und Jahreszeit. Zum Glück hat Eyrs diese harten, entbehrungsreichen Jahre hinter sich. Die Landwirtschaft als bedeutender Wirtschaftszweig von Eyrs erlebt ebenfalls eine Blüte. Der Obst- und Gemüseanbau rund um Eyrs ist für das Dorf kennzeichnend. Im Dorfzentrum reihen sich die Hofstellen aneinander, der Rhythmus der Landwirtschaft scheint den Takt vorzugeben, dem das Leben in Eyrs gehorcht. Besonders geschäftig wird’s im Herbst zur Erntezeit der Äpfel, dann verdreifacht sich plötzlich die Einwohnerzahl durch die Erntehelfer. Das ganze Dorf ist von geschäftigem Treiben erfasst. Zwischen Eyrs und Laas verläuft eine Dialektsprachgrenze. Während man in Laas noch die Altbayrische Form des Dialekts verwendet ("gian", "stian", …), spricht der obere Teil des Vinschgaus ab Eyrs die Neubayrische Form ("gean", "stean",…). Das Vereinsleben ist ausgeprägt, denn die Eyrser sind überaus gesellige Menschen. So zählt die Musikkapelle, die 1990 gegründet wurde, gut 30 Mitglieder, die Feuerwehr, gegründet 1922, 43 Mitglieder und der Sportverein gut 230 Mitglieder. Aber auch andere Vereine sind gut vertreten wie die Schützen, Theaterspieler, landwirtschaftliche Vereinigungen und viele mehr. Das Vereinsleben spiegelt den geselligen Charakter der Eyrser wieder. Einen richtigen Dorfplatz, ein Zentrum gibt es in Eyrs eigentlich nicht, diese Rolle scheint die Moosburg-straße in ihrer vollen Länge übernommen zu haben. Im stark gewachsenen Dorf kennen sich die Leute und entlang der Moosburgstraße trifft man vor allem im Sommer am Abend immer ein paar Leute, die sich gern kurz auf einen kleinen "Ratscher" einlassen. Auch auf gute Nachbarschaft hält man viel und hilft sich gerne gegenseitig. Ob man nun keinen Hammer zur Hand hat, am Sonntag die Milch plötzlich alle ist, oder das Auto nicht starten will, lange muss man nicht suchen, bis man Leute findet, die gerne und sofort aushelfen. Auch von der Ernte aus dem eigenen Garten haben mir die Eyrser noch immer etwas abgetreten. Offen, vielleicht manchmal etwas recht neugierig, aber niemals zu sehr, traten die Eyrser an mich, die Fremde heran und gaben mir stets das Gefühl hier willkommen zu sein. [F] Wanderung [/F] Oberhalb von Eyrs verläuft ein Wanderweg, mehrere Bänke laden da zum Verweilen ein. Den Wanderweg erreicht man am besten etwas westlich der Obstgenossenschaft OVEG abbiegend. Hier findet man ebenfalls einen kleinen Spielplatz für Kinder, der von der Forstbehörde mit originellen hölzernen Spielgeräten ausgestattet ist. Am westlichen Dorfausgang zweigt ein Pfad ab, über den man nach einer gemütlichen Viertelstunde den Kriegerfriedhof in Spondinig erreicht, gegen Osten hin erreicht man den Leitenweg, der durch die erstaunliche Naturlandschaft der Laaser Leiten verläuft.
Andrea Perger

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