Feiern und debattieren

Publiziert in 28 / 2015 - Erschienen am 29. Juli 2015
Schlanderser Dorffest mit neuen Akzenten. Mit Niveau gefeiert und mit Niveau diskutiert. Schlanders - Der Vinschger Haupt­ort stand am 24. und 25. Juli im Zeichen des Dorffestes. Unter dem Motto „Feiern mit Niveau!“ hatten die insgesamt rund zwei Dutzend teilnehmenden Vereine und Gastbetriebe mit viel Einsatz und Kreativität ihr Bestes gegeben, um das Ortszentrum zwei Tage lang in einen großen Festplatz zu verwandeln. Den Veranstaltern ist es zusammen mit der Gemeinde und mit Schlanders Marketing gelungen, mit einem gut durchdachten Unterhaltungsprogramm für kleine und große Besucher das Dorffest nach 15-jähriger Pause neu auf­leben zu lassen. Neben Live-Musik unterschiedlichster Art wurden noch weitere Akzente einer neuen Festkultur gesetzt. Es sollte demnach möglichst umweltfreundlich, barrierefrei und ohne Alkohol-Exzesse gefeiert werden. Auch auf die Verwendung regionaler Produkte wurde Wert gelegt. Gott sei Dank gut „mitgefeiert“ hat auch das Wetter. Dass sich ein Dorffest durchaus auch als Rahmen für ernsthafte Diskussionen eignet, wurde am Samstagnachmittag mit der gut besuchten Diskussionsveranstaltung zum Thema „Bioregion Vinschgau: Hirngespinst oder Zukunftsperspektive?“ im Plawennpark bewiesen. Die Veranstalter (Dumptown Corner, Bürgerkapelle Schlanders und Zigori MEDIA) hatten dazu den Biobauern Sigmund Kripp aus Partschins und den VI.P-Direktor Sepp Wielander eingeladen. Markus Lobis moderierte. Wielander wartete mit Eckdaten zur Obstwirtschaft auf und verwies auf dessen gesamtwirtschaftliche Bedeutung. Im Bio-Bereich sei der Vinschgau sehr gut aufgestellt: „Unsere Bauern produzieren jährlich ca. 30.000 Tonnen Bio-Äpfel.“ Europaweit liege die Produktion bei ca. 140.000 Tonnen. Die Entscheidung, was und wie sie produzieren, liege bei den Bauern. Ausschlaggebend seien am Ende die Konsumenten, sprich die Nachfrage. Kripp, der 1998 auf Bio umgestellt hat, sagte, dass er zwar weniger an Menge produziere, dafür aber höhere Preise erziele. Die Kurve der Nachfrage nach Bio-Produkten flache in Europa zwar ab, „aber es kommen weltweit neue Bio-Konsumenten dazu.“ Als „hoch interessantes Experiment“ bezeichnete er die Bemühungen in Mals, den Einsatz chemisch-synthetischer Pflanzenschutzmittel zu untersagen. Die neuen Pflanzenschutzrichtlinien des Landes hätten zu einem Druck auf „schwarze Schafe“ geführt. Kripp sieht im „Konflikt Mals“ eine Chance. Die Landespolitik bzw. der Gesetzgeber werde nun etwas ändern müssen. Wielander hingegen gab sich überzeugt, dass es nur eine kleine Randgruppe sei, die seit Monaten versuche, die Obstwirtschaft in Misskredit zu bringen. „Mals ist ein extremer Fall, Mals will sich ein Denkmal setzen. Vielen Bauern wurde durch diese Randgruppe moralischer Schaden zugefügt.“ Kein Bauer setze laut Wielander unerlaubte Mittel ein. Es werde auf mehreren Ebenen streng kontrolliert: „Die konventionell produzierten Äpfel sind ebenso einwandfrei und gesund wie die Bio-Äpfel.“ Kripp konterte, dass „legal nicht mit gut gleichzusetzen ist, und dass legal nicht immer gesund heißt“. Er gab zu bedenken, dass Rückstandsgrenzen aufgrund von Untersuchungen festgelegt würden, die von den Herstellern von Spritzmittel durchgeführt würden. Bio sei in Südtirol von der Politik über Jahrzehnte hinweg nicht gewollt worden. Laut Wielander gebe es keine Statistiken, wonach in Obstbaugebieten im Vergleich zu anderen Gegenden mehr Fälle von gesundheitlichen Beeinträchtigungen festzustellen wären. Bei der Diskussion wurde angemerkt, dass die Bevölkerung verunsichert sei: „Es geht um unsere Gesundheit. Wir wollen Sicherheit.“ Wielander dazu: „Ich teile diese Sorgen. Aber es sind genau solche Ängste, die von manchen auf populistische Weise geschürt werden. Unsere Äpfel sind bedenkenlos. Man kann sie mit Schale essen.“ Kripp hingegen meinte, „dass die Bevölkerung aufgewacht ist. Der konventionelle Bauer fühlt sich vorgeführt.“ Manfred Horrer bedauerte, dass das eigentliche Thema, nämlich die Bioregion Vinschgau, so gut wie nicht zur Sprache gebracht wurde. Er regte an, dass sich alle Sparten der Gesellschaft im Vinschgau an einen Tisch setzen sollten, um die Möglichkeiten der Schaffung einer Bioregion auszuloten. Er sieht darin eine große Vision: „Allerdings dürfen wir uns nicht gegenseitig an den Pranger stellen, sondern müssen alle an einem Strang ziehen.“ Wielander stimmte dieser Argumentation voll zu: „Es braucht mehr Zusammenhalt von allen. Diktate darf es keine geben.“ Auch die Politik und die Medien sollten außen vor bleiben. „Eine Bioregion muss von unten und von oben entstehen“, sagte Kripp. In diesem Sinne sei auch die Landespolitik gefordert. Sepp
Josef Laner
Josef Laner
Vinschger Sonderausgabe

Diese Seite verwendet Cookies für funktionale und analytische Zwecke. Lesen Sie unsere Cookie-Richtlinien für weitere Informationen. Durch die Nutzung dieser Website erklären Sie sich damit einverstanden.