Für mehr Verkehrssicherheit

Offener Brief von Anrainern der Stilfser-Joch-Straße. Alfreider: „Bedenken haben ihre Berechtigung“.

Publiziert in 25 / 2019 - Erschienen am 16. Juli 2019

Prad - Ihre Anliegen für mehr Verkehrssicherheit haben viele Anrainer der Stilfser-Joch-Straße in Prad in einem offenen Brief (92 Unterschriften) an den Landeshauptmann, die Gemeinderäte von Prad und an den Präsidenten der Bezirksgemeinschaft Vinschgau unterbreitet. Der Landeshauptmann wird einleitend daran erinnert, dass er 2015 am Stilfser Joch das „Einvernehmensprotoll“ zur Aufwertung des Stilfser Jochs unterzeichnet hat. Offensichtlich gehe es darum, die Stilfser-Joch-Straße und die umliegende Naturkulisse wirtschaftlich noch mehr zu vermarkten. „Dass diese ‚Aufwertung’ auch mit einer erhöhten Belastung durch den Individualverkehr verbunden ist, liegt auf der Hand“, heißt es im Brief. Schon seit Jahren leide die Bevölkerung am zunehmenden Verkehr in den bewohnten Gebieten. Aber auch außerhalb der Wohnorte sei die Belastung gestiegen. Fraglich bleibe zudem, ob sich die ständige Zunahme von touristischer Erschließung mit den Zielen des Nationalparks vereinen lasse.

Die Hauptprobleme

Die Hauptprobleme für die Anrainer der Straße seien vor allem die überhöhten Geschwindigkeiten und die Lärmemissionen. Bisher seien auf dieser Straße kaum Kontrollen durchgeführt worden, weder Geschwindigkeits- noch Lärmmessungen. Dadurch sei auch die Verkehrssicherheit gesunken. „Aufgrund der Untätigkeit der zuständigen Stellen in Gemeinde und Land haben mehrere Anrainer bereits zur notwendigen Selbsthilfe gegriffen und im Dorf Schallschutzwände errichtet“, heißt es im Brief weiter. Die betroffenen Bürger erwarten sich von den Veranwortungsträgern baldige wirksame Maßnahmen. Eine „Aufwertung“ der Stilfser-Joch-Region könne nur Akzeptanz finden, „wenn sie in erster Linie Verbesserungen der heutigen Situation mit sich bringt. Diese Verbesserungen müssen sich auf Mensch und Natur positiv auswirken.“ 

Vorschläge und Forderungen

Auch mit einer Reihe von Vorschlägen und Forderungen warten die Anrainer auf: Ausarbeitung eines ökologisch nachhaltigen und nationalpark­verträglichen Verkehrskonzeptes unter Einbindung der Anrainer der Hauptstraße; Reduzierung der Geschwindigkeitsbegrenzung auf der gesamten Hauptstraße, abschnittsweise auf Tempo 30 (Altdorf/Zentrum) bzw. auf Tempo 40; regelmäßige und häufige Kontrollen der Geschwindigkeit; weitere Geschwindigkeits-Anzeigegeräte; Lärmmessungen; Verbesserung der Verkehrssicherheit für Fußgänger an mehreren Stellen; weitere Fahrbahnteiler; Sensibilisierungs-Kampagnen für mehr Verkehrssicherheit; Umsetzung eines Parkleitsystems mit dem Ziel einer Verkehrsberuhigung im Dorf.

Die Antwort von Alfreider

In seiner Antwort auf den offenen Brief schreibt der für den Verkehr zuständige Landesrat Daniel Alfreider, dass die Bedenken der Anrainer ihre Berechtigung haben: „Wir nehmen diese sehr ernst. Im Zusammenhang mit den Bestrebungen zur Aufwertung der Passstraße sind wir uns bewusst, dass der Bewahrung der Lebensqualität vor Ort eine wesentliche Beachtung beigemessen werden muss. In den vergangenen Monaten fanden etliche Aussprachen mit dem Bürgermeister der Gemeinde Prad und mit meinen Mitarbeitern der technischen Abteilungen statt. Auf deren Grundlage wurde ein Konzept infrastruktureller Maßnahmen ausgearbeitet, das wesentlich zur Geschwindigkeitsreduzierung im Ortsgebiet von Prad und zur Verbesserung der Sicherheit für Fußgänger, Radfahrer und dem Autoverkehr beitragen wird.“ Es sei und bleibe sein Interesse, „die wirtschaftliche Weiterentwicklung im ländlichen Raum im Einklang mit dem Erhalt unseres Lebensraumes zu planen. Darum bin ich zuversichtlich, dass die Vorschläge der Anrainer im Gesamtkonzept ihren Niederschlag finden werden.“

„Leider nicht informiert“

Die Anrainer freuen sich, dass Alfreider die untragbare Situation der betroffenen Bevölkerung anerkennt. Offenbar habe es zwischen den zuständigen Landesstellen und der Prader Gemeindeverwaltung Gespräche für verschiedene Lösungsmaßnahmen gegeben. „Leider sind wir davon nicht informiert worden“, so die Anrainer. Sie hätten deshalb nicht das Gefühl, „dass die zuständigen Verantwortungsträger an umfassenden Verbesserungsmaßnahmen arbeiten.“ Die Anrainer ersuchen daher, „vollständige und konkrete Informationen zum ausgearbeiteten ‚Konzept infrastruktureller Maßnahmen’ von Landesrat Alfreider zu erhalten.“ Wirtschaftliche Weiterentwicklung im ländlichen Raum könne nur dann funktionieren, „wenn die Belastungen daraus nicht die Grundlagen und den Erhalt des Lebensraumes nachhaltig schädigen.“ Für die Stilfser-Joch-Straße brauche es dringend ein ökologisch nachhaltiges Mobilitätskonzept, an deren Erstellung die Anrainer eingebunden werden möchten.

Wolfgang Thöni
Wolfgang Thöni
Vinschger Sonderausgabe

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