Unterschied zum "Standart-Unterricht"Sepp Innerhofer

Geschichte eines Lebens - Sepp Innerhofer

Publiziert in 4 / 2005 - Erschienen am 3. März 2005
Aufgrund des Wunsches einiger Klassen der Lehranstalt für Soziales "Claudia von Medici" Mals fand am 31. Jänner 2005 ein Treffen mit dem ehemaligen Südtiroler Widerstandskämpfer Sepp Innerhofer statt. Die Schülerinnen der vierten Klassen der LESO und der fünften Klasse der Sportoberschule hörten aufmerksam und interessiert zu, als Sepp Innerhofer begann, über sein Leben und die damit verbundene Geschichte Südtirols zu berichten: Er wurde 1928 auf dem Goyenhof in Schenna geboren. Wie viele andere seiner Generation litt er unter dem Faschismus und seinen Auswirkungen in der Nachkriegszeit wie etwa die rapid ansteigende Arbeitslosigkeit unter den deutschsprachigen Südtirolern, die kontinuierliche, geförderte Einwanderung von Italienern und ihre Bevorzugung bei der Zuteilung von Wohnungen. Um diese Missstände zu bekämpfen, gründete er mit einigen jungen Männern, darunter auch Sepp Kerschbaumer, den Befreiungsausschuss Südtirol (BAS). Damit wollten sie die Selbstbestimmung für Südtirol und eine Wiederangliederung an Österreich erreichen, weil die im Pariser Vertrag von 1946 garantierte Autonomie des Landes noch keinen Schritt näher schien. Mit dem Grundsatz, keine Menschenleben zu gefährden, fanden im Jahr 1957 die ersten Sprengstoffanschläge statt, welche dem italienischen Staat materiellen Schaden zufügen sollten. Seinen Höhepunkt fand der Widerstand in der uns allen bekannten Feuernacht am 12. Juni 1961. Nach dieser Herz-Jesu-Nacht war Südtirol weltweit in den Medien präsent und das Problem wurde von der UNO aufgegriffen. Nun schien es als sei die Umsetzung des Pariser Vertrags nicht mehr allzu weit entfernt. Die so genannten "terroristi" (es waren 91 Männer aus ganz Südtirol) wurden im Mailänder Prozess zu insgesamt 431 Jahren verurteilt. Sepp Innerhofer wurde jedoch nach drei Jahren politischer Haft entlassen, da er - wie er sagt - aufgrund seiner Sturheit in der vorangegangenen Untersuchungshaft sämtliche Aussagen verweigert hatte. In dieser Zeit war er massiven körperlichen und psychischen Misshandlungen ausgesetzt, für die die Täter nie bestraft wurden. Noch lange Zeit nach seiner Freilassung wurden ihm grundlegende bürgerliche Rechte vorenthalten. Mit seinem zweistündigen Vortrag hat Sepp Innerhofer bei den anwesenden Schülerinnen das Interesse an der Geschichte ihrer Heimat geweckt. Außerdem gab der Großteil der Schülerinnen in einer anschließenden Umfrage zu, über ein nur geringes Wissen zur Geschichte Südtirols verfügt zu haben. Diese Tatsache sollte für die Schulen ein Anstoß sein, auch in Zukunft öfter solche Veranstaltungen zur Zeitgeschichte zu organisieren. Der große Unterschied zum "Standard-Unterricht" besteht nämlich darin, dass die Geschichte durch Zeitzeugen lebendig wird und nicht nur aus trockenen Zahlen und Fakten besteht. Elisabeth Prugger, Evelyn Kuppelwieser, Klasse 4B-LESO

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