Arbeitnehmer mit dem ­Ausländerausweis „G“ sind in der Schweiz Grenzgänger, egal, ob sie in Zürich, in St. Moritz oder in Müstair arbeiten.

„Grenzgänger sind nun mal Grenzgänger“

Publiziert in 1 / 2013 - Erschienen am 16. Januar 2013
Die 41. Grenzpendlertagung hat nichts an Aktualität und Brisanz verloren. Dauerbrenner Steuerpflicht und Grenzgängerstatus standen im Mittelpunkt. Schluderns – „Grenzgänger sind nun mal als Grenzgänger unterwegs“, meinte Andreas Tappeiner nach einer kontroversen und bewegten Diskussion im Kulturhaus von Schluderns. Er bezog sich dabei auf die Unsicherheiten, mit denen sich etwa 600 Vinschger Arbeitnehmer zwischen Italien und der Schweiz herumschlagen müssen. Als Vertreter der Gemeinden durfte der Bezirkspräsident den angenehmen Teil der Tagesordnung vortragen. Er durfte von 590 pendelnden Arbeitnehmern aus dem Bezirk und von 622.000 Euro berichten, die durch Steuerrückzahlungen in die Kassen auch Mittelvinschger Gemeinden geflossen waren. Der einzige Schönheitsfehler: Die Zahlen bezogen sich auf das Jahr 2010. Damit konnten kaum Rückschlüsse gezogen werden, ob es an der Wirtschaftskrise, am „Superwahljahr 2013“ oder am unsicheren Ausgang der Verhandlungen zwischen Schweiz und Italien lag, dass soviel Grenzgänger den Weg nach Schluderns gesucht und gefunden hatten. Auf jeden Fall fühlten sich sowohl KVW-Bezirksobmann Heinrich Fliri, als auch der Präsident der „Südtiroler in der Welt“, Erich Achmüller, verpflichtet, den anwesenden 154 Grenzgängern und den gut 40 Unternehmern und Ehrengästen eine Antwort zu liefern auf die Frage: Wer ist nun vor dem italienischen Gesetz ein Grenzpendler? Die Themen Steuerkategorie in der Schweiz, Formular E 411 und Berechtigung auf Kindergeld hatten zuvor Gastreferent Georg Fallet und Roland Pircher umfassend behandelt. Fallet ist ranghöchster politischer Vertreter aus dem Val Müstair in Chur und als Personalchef der Fa. „Foffa&Conrad“ auch Arbeitgeber vieler Vinschger; Pircher leitet die KVW/ACLI-Patronatstelle in Mals. Brennende Fragen und unbefriedigende Antworten ergaben sich aus einer eindeutigen Definition von Clemens Tschenett, Mitarbeiter der Agentur der Einnahmen in Meran. „Als Grenzpendler wird diejenige Person betrachtet (....) deren Arbeitsplatz und Wohnsitz innerhalb eines Gebietsstreifens von 20 Kilometern dies- und jenseits der Landesgrenze“ liegt. Es war das Signal zu - sanft ausgedrückt - sehr engagierten Wortmeldungen nicht nur von Seiten der Arbeitnehmer. Auch die dramaturgisch unterhaltsamen Zwischenrufe und Erläuterungen von Josef Trafoier als Sprecher der Grenzpendler konnten die Vorwürfe und Einwände nicht entkräften. „Da weiß die Linke nicht, was die Rechte tut“ meinte ein Zuhörer. Alfred Lingg forderte „klare Richtlinien“. Roland Pircher warnte: „Unwissenheit schützt nicht vor dem Gesetz“. Edwin Lingg riet zu einer Arbeitsgruppe. Selten war in einer Grenzpendlertagung so oft ein italienischer Regierungschef genannt worden wie Monti und selten bangte man so sehr vor einer Regierungsumbildung wie am 5. Jänner in Schluderns. Günther Schöpf
Günther Schöpf
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