Der Großteil der Bauern ist täglich um eine gute und respektvolle Nachbarschaft bemüht.

Gute Nachbarschaft

Publiziert in 17 / 2015 - Erschienen am 6. Mai 2015
Wie ein gutes Nebeneinander eines Vieh- und eines Obstbauern in Laatsch funktioniert. Laatsch - Es ist in der Landwirtschaft nicht anders als in der Wohnung, im Kino, im Zugabteil oder am Strand: rücksichtslose Nachbarn können einem das Leben ordentlich schwer machen. Der Großteil der Obstbauern ist tagtäglich um ein gutes und respektvolles nachbarschaftliches Verhältnis bemüht. Wie eine gute Nachbarschaft in der Praxis gehandhabt wird, zeigt eine Serie in der Zeitschrift „Obstbau-Weinbau“ des Südtiroler Beratungsringes. Das Fazit: Miteinander reden und sich rücksichtsvoll verhalten sind der Schlüssel zum Erfolg. Miteinander reden und Rücksicht nehmen Ein Beispiel gelungener Nachbarschaft sind Viehbauer Paul Erhard und Obstbauer Horst Niederholzer aus Laatsch. Die Grundstücke der zwei Landwirte grenzen an vier Orten aneinander. Probleme gab es deshalb bislang keine. „Man muss halt miteinander reden, gegenseitiges Verständnis haben und mit Respekt und Hausverstand vorgehen“, sind sich die zwei Nachbarn einig. Paul Erhard nennt ein Beispiel: „Der Horst ist schon einige Male zu mir gekommen und hat mich gefragt, ob ich meine Wiesen mähe und er mit der Arbeit in der Obstwiese warten solle.“ Eine Absprache, die genaue Regeln oder Zeiten für die Arbeit auf dem Feld vorsieht, benötigen die beiden Nachbarn in diesem Fall nicht. „Wenn wir uns untereinander absprechen und gegenseitig Rücksicht nehmen, gibt es kein großes Problem“, sagt Erhard. Der Viehbauer ist überzeugt, dass sein Nachbar alles unternimmt, um Abdrift von Pflanzenschutzmitteln zu vermeiden. „Horst hat seinen Sprüher mit allen technischen Hilfsmitteln zur Abdriftminderung ausgestattet und fährt bei Wind nicht“, betont Erhard. Keine Behandlungen bei Wind Obstbauer Horst Niederholzer ist ein rücksichtsvolles Verhalten wichtig: „Ich habe meinem Nachbarn Paul versichert, dass ich mit Hausverstand vorgehe, wenn ich meine Obstwiesen bearbeite“, berichtet er. Beim Einsatz von Pflanzenschutzmitteln achtet Niederholzer besonders darauf, dass kein Wind bläst. „Ab einer Windstärke von 0,5 bis maximal 0,8 Meter pro Sekunde höre ich mit der Behandlung auf.“ Um die Windstärke zu kennen, kontrolliert Niederholzer die aktuellen Daten der nahegelegenen Wetterstationen über die Beratungsring-App auf dem Smartphone. „Außerdem fahre ich zuerst auch noch in die Anlage, um vor Ort zu schauen, wie es mit den Windverhältnissen aussieht – das muss man bei uns im Obervinschgau eben so machen“, erklärt der Laatscher Obstbauer. Wenn in der Nachbarwiese das Heu liegt, müsse man mit den Behandlungen warten. Dazu sei es notwendig, dass sich die Nachbarn im Vorfeld untereinander informieren. Umstieg auf neue Gerätetechnik Ebenso hält es Niederholzer für notwendig, aktuelle Gerätetechnik zu nutzen. Er hat sein Sprühgerät bereits vor zwei Jahren mit Injektordüsen an allen Düsenpositionen ausgestattet. Der Gebläseaufbau war bereits vorhanden, als weiteres Hilfsmittel kam eine Gebläseabdeckung hinzu. „Ich habe festgestellt, dass die Abdriftminderung damit sehr gut funktioniert“, unterstreicht Niederholzer. Ein anderer Grundstücksnachbar habe im Vorjahr eine Heuprobe machen lassen, die keine Rückstände aufgewiesen hat. „Das zeigt, dass die neue Gerätetechnik etwas bringt, immerhin war das Umrüsten eine beträchtliche Investition für mich.“ Neben allen Vorkehrungen ist auch für Niederholzer der offene Dialog wichtig. „Die Nachbarn müssen mit einbezogen werden, damit alle verstehen, warum eine Pflanzenschutzbehandlung überhaupt durchgeführt wird.“ Regeln der integrierten Produktion Ein gegenseitiger Austausch und das aufeinander Rücksicht nehmen sind also entscheidend für eine gute Nachbarschaft zwischen Obst- und Viehbauern. Grundlage sind aber auch eine gute Agrarpraxis und eine nachhaltige Anbauweise. Der integrierte Obstanbau sieht strenge Sicherheits- und Umweltstandards vor. Mit dem Anbaujahr 2015 wurden diese noch einmal erweitert. Die Obstbauern rüsten nun verstärkt auf die neue Gerätetechnik um, die zielgenauer ist und Abdrift vermeidet. Bereits fast jeder vierte Obstbauer hat sein Sprühgerät auf den neuesten Stand gebracht. In Fällen, wo es trotz Umsicht und neuer Technik zu Problemen zwischen benachbarten Bauern kommt, kann die Vereinbarung von zusätzlichen Regeln helfen. „Es geht nur gemeinsam“, betont Bauernbund-Bezirksobmann ­Raimund Prugger. „Das Miteinander ist bei den Bauern mit ihren unterschiedlichen Anbaumethoden von grundlegender Bedeutung.“ Bauernbund Vinschgau
Vinschger Sonderausgabe

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