Karl Raffeiner, der „Griaßr“ von Schlanders

„Heint schreibsch mi a auf“

„Griaßr“ von Schlanders hat Dreijahres-Statistik abgeschlossen.

Publiziert in 21 / 2025 - Erschienen am 18. November 2025

Schlanders -  Er ist mittlerweile weit über seine Heimatgemeinde hinaus bekannt, der „Griaßr“ von Schlanders. „Nicht selten sprechen mich Leute mit ‚Griaßr‘ an“, freut sich Karl Raffeiner. Wie berichtet, führte er über mehrere Jahre hinweg genauestens Buch darüber, wie viele Menschen er täglich grüßte und wie viele davon zurückgrüßten oder auf den Gruß nicht reagierten. Die außergewöhnlichen Aufzeichnungen haben nicht nur das Interesse von Zeitungs- und Fernsehleuten geweckt, sondern auch in den sozialen Medien starke Verbreitung gefunden, vor allem auf Instagram – den „ORF Südtirol heute“-Beitrag über den „Griaßr“ haben über 144.000 Personen gesehen – und auf Facebook mit weit über 22.000 Klicks. „Am meisten aber freuten mich die persönlichen Rückmeldungen von Menschen, die mich auf der Straße angesprochen, mich angerufen oder mir geschrieben haben“, verriet uns kürzlich Karl Raffeiner. Seine Statistik zum Grüßen hat er am 31. Oktober abgeschlossen. Angefangen hatte er mit den Aufzeichnungen am 1. November 2022. Seither bis einschließlich 31. Oktober 2025 hat er sage und schreibe 94.118 Menschen gegrüßt. Nicht zurückgegrüßt haben davon während dieses dreijährigen Zeitraums 2.931 Personen.

Von 94.118 grüßten nur 2.931 nicht zurück

 „Das sind eigentlich nicht sehr viele und bedeutet, dass das Grüßen für den Großteil der Menschen immer noch wichtig ist“, resümiert Karl. Insgesamt gesehen habe er festgestellt, dass die Zahl jener, die auf seinen Gruß nicht reagierten, im Lauf der Jahre etwas zurückgegangen sei. Zurückzuführen sei dies zum Teil wohl auch darauf, „dass mich immer mehr Leute als ‚Griaßr‘ kannten und daher ganz bewusst zurückgegrüßt haben.“ Manche hätten ihm schon kurz vor einer Begegnung zugerufen: „Heint griaß i di zerscht“ oder „Heint schreibsch mi a auf.“ Zu finden sind auch die Namen von Gemeindepolitikern, denen er am internationalen Tag des Respekts am 19. September 2025 bei einem „Grußrundgang“ im Rathaus begegnete. Noch bis zum Jahresende 2025 schreibt er anlässlich des Jahres des Friedens die Namen all jener auf, die ihn von sich aus zuerst grüßen und jener, „die gleichzeitig mit mir grüßen.“ Am 9. November waren dies zum Beispiel 64, am Tag danach 72. Mit seinen Aufzeichnungen und dem Bekanntwerden der besonderen Statistik hat der Schlanderser dazu beigetragen, dass auf das gegenseitige Grüßen in seinem Umfeld etwas mehr Wert gelegt wird. Zudem hat er auch sich selbst geholfen, denn die „Buchführung“ ist eine der Methoden, mit denen er versucht, den Tinnitus in Schranken zu halten. Mit dem Schreiben in besonderer Schönschrift hat er nach dem Abschluss der „Grüße-Statistik“ nicht aufgehört. Nahtlos weiter gehen u.a. seine Tagebuchaufzeichnungen, mit denen er vor 63 Jahren begonnen hatte. Dasselbe gilt für das Festhalten von Wanderungen, Vogelbeobachtungen und Bergtouren, worüber Karl ebenso seit Jahrzehnten genaustens Buch führt. Nimmt man alle seine Schriften zusammen, darf man wohl von einer einzigartigen kleinen Familien-, Natur- und auch Dorfchronik sprechen. Beim Männergesangverein Schlanders singt Karl Raffeiner seit 45 Jahren mit. Am 30. Jänner 2026 feiert das Schlanderser Unikum seinen 81. Geburtstag. 

Josef Laner
Josef Laner

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