Hilfeschrei aus Laatsch
Laatsch/Glurns - „Zu Fuß gehen oder mit dem Fahrrad durch unser Dorf fahren ist nahezu unmöglich geworden. In Ruhe einkaufen oder einfach nur einen Gastbetrieb aufsuchen ist mit Gefahren verbunden. Und von Kindern, die es gewohnt waren, allein oder in Gruppen zu einem Spielplatz zu gehen, will man gar nicht erst reden.“ So wird die derzeitige Verkehrssituation im Dorf beschrieben. Seitdem die Gemeinde Glurns die Innenstadt für den Durchzugsverkehr gesperrt hat – die Verfügung trat am 6. Juli in Kraft und bleibt noch bis zum 31. August aufrecht – sei die Situation in Laatsch vollständig gekippt: „Wir haben das Dreifache an Verkehr“, so ein Anrainer, der sich als einer von vielen verärgerten Laatschern beschreibt. Erschwerend dazu komme, dass die Straßen und Gassen in Laatsch viel zu eng sind: „Bei Gegenverkehr wird es für Fahrzeuge besonders an Engstellen fast unmöglich, aneinander vorbeizukommen.“ Besonders belastend sei Dank Navi der Umstand, dass viele Auto- und vor allem Motorradfahrer, die von der Schweiz kommend über Laatsch ausweichen, um in Richtung Reschenpass oder Meran zu gelangen, respektlos und zum Teil aggressiv durch das Dorf rasen: „An das Temp-30-Limit, das im gesamten Dorf mit Ein- und Ausfahrten gilt, denkt keiner mehr.“ An Spitzenzeiten würden zusätzlich zu viel zu vielen Autos weit mehr als 600 Motorräder pro Tag durch Laatsch fahren. Zusammengefasst könne man von einer völlig untragbaren Situation sprechen, aufgrund derer das gewohnte Leben im kleinen Dorf arg aus den Fugen geraten sei. Es bleibe zu hoffen, dass die Verantwortlichen eine baldige Lösung finden, wobei man erwähnen müsse, „dass es kurzfristige und schnell umsetzbare Lösungen bereits geben würde wie z.B. Ampelregelungen, Geschwindigkeitskontrollen, mehr Warnschilder, Geschwindigkeitsanzeigen und Leitschwellen.“
Erich Wallnöfer verteidigt die Sperre
Zu den Folgen der Sperre der Glurnser Innenstadt für das Nachbardorf Laatsch meinte der Glurnser Bürgermeister Erich Wallnöfer auf Anfrage, dass das Ziel der Sperre schlicht und einfach jenes sei, die Innenstadt vom Durchzugsverkehr zu befreien: „Wer nur durchfährt, soll draußen bleiben.“ Laatsch bzw. die Gemeinde Mals seien selbst gefordert, Lösungen zu finden. „Wir wollen und können uns nicht mehr länger dem Auto und dem Kommerz unterwerfen“, so Wallnöfer. Grundsätzlich stoße die Sperre der Innenstadt auf breiten Zuspruch, bei Einheimischen ebenso wie bei Gästen. Kritik gebe es allerdings seitens einiger Geschäfte. Der Weg, den die Stadtgemeinde heuer mit der Sperre eingeschlagen hat, soll seiner Auffassung nach auch in Zukunft fortgesetzt werden. Es gehe in erster Linie um Lebensqualität, Gesundheit und Sicherheit. Die Daten der laufenden verkehrsberuhigenden Maßnahmen werden erfasst und sollen zu einem späteren Zeitpunkt auch ausgewertet werden, um Einblicke in die Folgen und Auswirkungen der Sperre auf Verkehr, Wirtschaft und Wohnqualität zu gewinnen.