1994 war Robert Scherer beauftragt worden, den Hl. Vinzenz von Paul als Mosaikbild darzustellen; im Bild von links nach rechts: die Hausoberin Schw. Luise Gonzaga (Lappach), Heimleiterin Schw. Agnes (Schluderns), Schw. Rolandina (Reischach), die Oberin des Provinzhauses Schw. Anna Maria Maurberger (Gais), Schw. Maria Josefa und Anna Thekla (Gäste aus Hall); es fehlen Schw. Josefa (Terenten) und Schw. Maria Blasia (Taufers im Münstertal).

Im Namen eines revolutionären Menschenfreundes

Publiziert in 20 / 2005 - Erschienen am 20. Oktober 2005
Bozen-Schlanders - Die Tiroler Geschichte der „Gemeinschaft der Barmherzigen Schwestern des Heiligen Vinzenz von Paul“ beginnt mit dem einfachen Bauernmädchen Katharina Lins aus Zams. Mit 33 Jahren übernimmt sie die Leitung eines Hauses für Arme und Kranke in ihrem Heimatdorf Zams. Ein Jahr danach wird sie bei den Vinzentinerinnen in Straßburg aufgenommen und ausgebildet. Mit 45 tritt sie dem Orden bei, kehrt nach Zams zurück und setzt ihr segensreiches Wirken als erste Vinzentinerin Tirols unter dem Namen Schwester Nikolina bis zu ihrem Tod 1836 fort. 1826 wird die Gemeinschaft der Schwestern in Zams offiziell gegründet. Das Bauernmädchen aus Zams hatte das Gedankengut eines Revolutionärs des 17. Jahrhunderts aufgegriffen und damit das Wirken des „Ordens der Barmherzigen Schwestern“ angestoßen. Es war der Geist des Vinzenz von Paul, der sie erfasst und geleitet hatte. Der aus Südfrankreich stammende Vinzenz wurde 1581 geboren. Zum Priester geweiht wurde er später gemeinsam mit der adeligen Witwe Louise de Marillac zum Organisator groß angelegter Katastrophenhilfen in Kriegsgebieten und der Begründer der organisierten Caritas. Das Revolutionäre an ihm war aber, dass er als erster die Heerscharen der Armen nicht als gottgewollt ansah, dass er überzeugt war, Gottes Ebenbild „in jedem zerschundenen Gesicht und in den dunkelsten Abgründen“ zu finden. (s) Landesgerichtsarzt mit sozialer Ader Schlanders - 1866 hatte der Landesgerichtsarzt Heinrich Vögele den Barmherzigen Schwestern von Gries/Bozen ein Haus in Schlanders überlassen. Seit gut zehn Jahren war der Orden damals bereits im „Alten Spital“ mit der Betreuung von Mädchen und armen Kindern beschäftigt. 1959 brannte das Haus aber ab und die Gemeinschaft der Barmherzigen Schwestern baute mit Eigenmitteln und mit Beiträgen der Landesverwaltung das heute bestehende Vinzenzheim „Dr. Vögele-Haus“. Am 1. Oktober 1960 nahm im neuen Heim die erstmals eingeführte Mittelschule ihren Betrieb auf. Nach deren Auszug wurde immer wieder auf das Vinzenzheim zurückgegriffen, um sozial gefährdete und schwer erziehbare Kinder zu betreuen. Seit einem Jahr hat man sich wieder den ursprünglichen Bestimmungen zugewandt: ein Heim für Schüler zu sein, die getrennt von ihren Familien die Schule besuchen müssen, lernschwache Kinder zu betreuen, zu stützen und einen Schulabschluss zu ermöglichen, Kindern aus wirtschaftlich schwachen Familien aufzunehmen und sie ganztägig zu versorgen. Das „Institut für Erziehung und Bildung. Dr. Vögele-Haus“ ist als Schülerheim mit Sonderstatus eingestuft. Der monatliche Beitrag für Unterkunft, Verpflegung, Aufgabenhilfe und Freizeitgestaltung beträgt pro Kind 30 Euro; jedes Kind kann um Studienbeiträge ansuchen. (s) Damit der Tag fassbar und erlebbar wird Schlanders/Vinzenzheim „Dr. Vögele-Haus“ - Für Schwester Maria Agnes Trafoier aus Schluderns, pädagogische Leiterin im Vinzenzheim von Schlanders, ihre vier Mitschwestern, für die drei Vollzeit- und die acht Teilzeiterzieherinnen, den Supervisor, die Buchhalterin und die Köchinnen ist eines sehr klar, wenn der Tag nicht organisiert wäre, würden ihre Schutzbefohlenen ziellos und sinnlos herumirren. Daher hängen Tages- und Wochenpläne an der Pinwand im Foyer und daher sind Wochenpläne überall in den Aufenthalts- und Studierzimmern angeschlagen. Sehr persönlich wenden sich die Erzieherinnen an die 13 internen und 41 externen Grund- und Mittelschüler des Schuljahres 2005/2006 und versuchen, die freie Zeit der 54 jungen Menschen zwischen Langtaufers im Nordwesten und Ritten im Südosten zu strukturieren. „Der Gute Morgen“ beginnt um 7.00 Uhr und endet mit einem sehr bestimmten „Jetzt wird aber geschlafen“ um 21.00 Uhr. Wie offen Schwester Agnes und ihre Frauschaft im Vinzenzheim sind, beweist die Beschäftigung des einzigen männlichen Erziehers, des aus Indien stammenden Antonysamy Maria Selvam, der natürlich kostbare sprachliche Kompetenzen mitbringt. Wie weit voraus geplant werden muss, verdeutlicht die Tatsache, das bereits jetzt die Einschreibungen für das Schuljahr 2006/2007 eröffnet sind. Die gesetzliche Vertreterin und Oberin des Provinzhauses in Bozen, Schwester Anna Maria Maurberger, bezeichnet als Markenzeichen des Dienstes der Barmherzigen Schwestern „die herzliche Hochachtung“. Dazu hat sie einen Spruch des Heiligen Vinzenz parat: „Herzlichkeit ist die kleine Münze der Liebe“. (s) Im Vinzenzheim ist immer was los Tomberg/Kastelbell-Tschars - Eines der allgemeinen Ziele im Vinzenzheim ist es, „das Wecken des Interesses und der Freude an der Natur, an Spiel und Sport, das Entdecken neuer Lebensbereiche“. Zu diesem Zweck wurde Ende September ein Hüttenlager für Mittelschüler in der ehemaligen Volksschule von Tomberg veranstaltet. Schwester Agnes hatte das Angebot im Internet entdeckt und die Gelegenheit genützt, um mit 17 Jugendlichen und vier Betreuerinnen zwei Tage in der ehemaligen „Zwergschule“ zu gestalten. Das Lager war eines der 20 Projekte, die bezogen auf Jahreszeiten, im Laufe eines Schuljahres angeboten werden. Neben dem Hüttenlager gibt es noch die Herbstwanderung, das Materialien Sammeln in der Natur, Drachen bauen, Kastanien Braten, Ausfahren mit den 30 hauseigenen Rädern, Eislaufen, Rodeln, Schwimmen Basteln, Turnen, Nikolausfeier, Weihnachtsfeier, Faschingsfeier, Osterfest, Hüttenlager für Grundschulkinder, Familienwanderungen. Ergänzend zum Sommerkindergarten und zur Sommerschule soll das Heim 2006 erstmals auch über die Monate Juli und August geöffnet bleiben. (s)
Günther Schöpf
Günther Schöpf
Vinschger Sonderausgabe

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