“In höchstem Maße verantwortungslos”

Publiziert in 2 / 2005 - Erschienen am 3. Februar 2005
Die unterfertigten Ärzte des Obervinschgau distanzieren sich von den Aussagen, die am 20.01.05 in der Aula Magna der Handelsschule Mals vom Heilpraktiker Josef Sachsalber getätigt wurden. In dem von der Südtiroler Krebshilfe veranstalteten Vortrag vertrat er die Thesen der "Neuen Germanischen Medizin" des selbsternannten Wunderheilers Ryke Geerd Hamer. Dieser hat im Jahre 1995 traurige Berühmtheit im Zusammenhang mit der Krebserkrankung von Olivia Pilhar erlangt. Die Eltern des Mädchens, überzeugte Anhänger seiner Hypothesen, enthielten ihrem Kind die konventionelle Therapie vor, es kam zum Sorgerechtsentzug durch die Behörden, worauf die Eltern mit dem Kind von Österreich nach Spanien flüchteten. Dort behandelte Hamer das Mädchen mit seiner Methode, der Tumor wuchs weiter. Nach Verhandlungen konnten die Eltern dazu bewegt werden, Olivia zurückzubringen. Inzwischen war der Tumor mehrere Kilogramm schwer. Das Mädchen wurde schließlich per Gerichtsbeschluss, gegen den Willen der Eltern, notfallmäßig medizinisch behandelt. Das Leben des Mädchens konnte gerettet werden. Ihre Eltern sind bis heute überzeugt, daß Olivia nicht wegen der schulmedizinischen Behandlung überlebt habe. Dr. Hamer ist 1986 in Deutschland die Erlaubnis zur Ausübung der ärztlichen Tätigkeit entzogen worden. Er wurde verschiedene Male wegen Verstößen gegen das deutsche Heilpraktikergesetz und unerlaubter Ausübung des ärztlichen Berufes verurteilt. Er sitzt derzeit in Frankreich wegen Betruges und Beihilfe bei der illegalen Ausübung einer medizinischen Tätigkeit im Gefängnis. Die vom Heilpraktiker Sachsalber getätigten Aussagen (eine Kostprobe: "Bei einer akuten Leukämie genügt es, wenn sich der Patient einige Wochen ins Bett legt.") sind naturwissenschaftlich nicht haltbar. Wir schließen uns der Beurteilung der Schweizerischen Krebsliga an, die Kranke ausdrücklich davor warnt, sich nach den Hamerschen Theorien behandeln zu lassen, da dadurch lebensrettende Therapien verschleppt oder nicht angewandt werden. Insbesondere richten wir uns mit allem Nachdruck gegen die Hamersche These und Forderung, bei Schmerzen durch Krebs kein Morphin oder dessen Derivate anzuwenden. Wir finden das in höchstem Maße zynisch und verantwortungslos. Dies widerspricht den Richtlinien aller nationalen und internationalen Schmerzgesellschaften. Wir sind nicht grundsätzlich gegen ergänzende (komplementäre) medizinische Methoden und wenden sie teils auch selbst an, wie zum Beispiel Akupunktur, Neuraltherapie oder Homöopathie, aber wir sind der Meinung, dass gewisse Methoden nicht nur deshalb gut sind, weil sie alternativ sind. Wir richten uns auch nicht gegen die für jeden geltende Meinungs- und Redefreiheit, wir finden es aber bedauerlich, fragwürdig und höchst bedenklich, wenn unter der Schirmherrschaft der auch durch öffentliche Gelder finanzierten Südtiroler Krebshilfe eine Werbestrategie für unseriöse Methoden inszeniert und die Bevölkerung fehlinformiert wird.

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