Der Zuhörerzuspruch im Kulturhaus von Mals hielt sich sehr in Grenzen .

Italienischer als die Italiener

Eine Podiumsdiskussion in Mals befasste sich mit den Zusammenhängen zwischen sportlichen Erfolgen und nationalistischer Vereinnahmung.

Publiziert in 22 / 2017 - Erschienen am 13. Juni 2017

Mals - Vielleicht war der Unter­titel „Eine Diskussion um das Spannungsfeld zwischen Sport, Medien und Politik sowie neue Ansätze in der Sportförderung“ zu wenig spannend. Denn unter den 38 Besuchern im Malser Kulturhaus war nur ein einziger Sportfunktionär auszumachen. Vielleicht hätte der Südtiroler Schützenbund mit den Fragen ankündigen müssen: ­Warum müssen erfolgreiche Südtiroler Sportler italienischer auftreten als die Italiener und warum müssen sie in Heeres- oder Polizeisportgruppen eintreten? Dennoch konnte Moderator Thomas Sinha den Teilnehmern einige interessante Aussagen entlocken. Laut Sportlandesrätin Martha Stocker werden durch Landesehrung, Sportjahrbuch und Sportlerwahl Sportler an Südtirol gebunden. „Dolomiten“-Journalist Andreas Vieider erinnerte an die Betonung der Herkunftsorte und das Hervorheben „aller Tiroler Sportler“ in seinem Medium. Für Hans Heiss von den Grünen gehe es den Sportlern um das persönliche Erfolgsglück. Nur darum habe es zu gehen, betonte er. VSS-Vizeobmann Michael Pichler sah das Ziel seines Verbandes im Bemühen, möglichst viele Jugendliche zum Sport zu bringen. Sport sei immer noch die wichtigste Präventionsmaßnahme. Sven Knoll, Süd-Tiroler Freiheit, fragte: „Warum können Südtiroler nicht im Landesdienst finanziell abgesichert werden? Warum verlangt man von Südtiroler Sportlern in besonderem Maße, ihre italienisch Identität zur Schau zu stellen? Warum lässt das Land zu, so viel Wertschöpfung zu verlieren, wenn Südtirol in den wichtigen Medien gar nicht mehr vorkommt?“ Jürgen Wirth Anderlan, Schützenbund, meinte, unsere Mädchen und Burschen würden nationalistisch missbraucht. Sport schaffe Heimat, aber die sei nicht Italien. Er nannte als Beispiel sportlicher Eigenständigkeit die Färöer-Inseln mit 49.000 Einwohnern. Den Sport vertrat der Karate-Spezialist Bernhard Pircher, der unter deutscher Flagge sportlich aktiv war und in Mals nicht ganz den betroffenen Sportler darstellen konnte. Nach an- und aufgeregten Stellungnahmen forderte Heiss die totale „nationalistische Abrüstung“. Am meisten fürchte er eine Spaltung, wenn man Sportlern die Wahl zwischen Landes- oder Staatsdienst lasse. Knoll verlangte mehr Mut von den Politikern, mit Sportgremien zu reden und nannte als erfolgreiches Beispiel den Liga-Wechsel der Bozner Hockeyspieler. Es müsse Druck von den Athleten genommen und primäre Sportzuständigkeit gefordert werden, war Stocker überzeugt. Laut Pichler sollte man den Sportlern Entscheidungen zutrauen. Wirth Anderlan wäre noch stolzer, wenn das Grün aus der Fahne verschwinden würde.

Günther Schöpf
Günther Schöpf
Vinschger Sonderausgabe

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