Karthaus

Publiziert in 3 / 2005 - Erschienen am 17. Februar 2005
Fotos: Florian Peer, Text: Erwin Grüner [F] Zwischen Klostermauern [/F] [K] Ortsnamensbedeutungen: Karthaus Nach der Aufhebung des Klosters Allerengelberg bis 1913 Kartaus, später Karthaus, abstammend von Kartause Herkunft: Cartusia (lat.) - die Sperre, die Klause Amtl. italienische Bezeichnung: Certosa Schnals Erste urkundliche Erwähnung: 1273 in Form von Snalles, Snalls, Snalse. Herkunft nicht ganz geklärt; es gibt zwei Möglichkeiten: (ca)sinales (lat.), cascina (ital.) - Hütte, Almhütte oder: Senala, Senalusa (etruskisch, rätisch) - Bedeutung unklar Amtl. italienische Bezeichnung: Senales Quellen: "Die Ortsnamen Südtirols und ihre Geschichte", Egon Kühebacher "Die Kartause Allerengelberg im Schnalstal", Rudolf Baur [/K] [F] Historisches [/F] Die Geschichte der Ortschaft Karthaus begann mit der Entstehung des Kartäuserklosters "Mons omnium angelorum", Allerengelberg. Am 25. Jänner 1326 stiftete der tirolische Landesfürst Heinrich, Herzog von Kärnten und Tirol, auch König von Böhmen genannt, auf seinem unteren Gorfhofe im Schnals-tal ein Kartäuserkloster. Zunächst beabsichtigte er, das Kloster nahe der Snalseburg (in Katharinaberg) zu erbauen und es "Castrum omnium angelorum", also Allerengelsburg, zu nennen. 1329 wurde dann eine neue Ortswahl getroffen. Das Kloster wurde weiter taleinwärts auf die Terrasse des Mons Cafril (Geißberg: von capra, Corf, Gorf) verlegt. Zwar isoliert und abgeschieden, für das beschaulich-meditative und büßerische Leben eines Kartäusers schien der Platz jedoch wie geschaffen. Die Eröffnung der Kartause wird mit dem 25. Jänner 1332 datiert. Die Klostergemeinschaft bestand außer dem Prior aus zwölf weiteren Mönchen. Zusätzlich lebten im Kloster zwei Laienbrüder und das Gesinde. Das karge Klosterleben der Kartäuser (als Gründer gilt der Hl. Bruno, Bischof von Köln) fußte auf der Ordensregel der Benediktiner. "Ora et labora" galt als höchster Grundsatz. Als Klausurorden war es den weiß gekleideten Kartäusern untersagt, seel-sorgliche Dienste für die Bevölkerung des Tales zu verrichten. Sie lebten einzeln in ihren Klosterhäuschen. Immerwährendes Stillschweigen und die Buße zeichneten das äußerst strenge Klosterleben. Ein Drittel des Tages widmeten sie dem Gebet. Auf dem Weg zur Klosterkirche, die dem Hl. Michael geweiht war, grüßten sich die Patres mit "Memento mori" (Gedenke des Todes). Die Arbeit der Kartäuser bestand zudem im Abschreiben von Büchern. Ein Anliegen war ihnen das Erforschen der Heilkraft von Kräutern. Deshalb stellte man in Allerengelberg allerhand Kräuterextrakte, Salben, Tropfen und Essenzen her. Die Kartäuser pflegten eine lebenslange Fleischabstinenz. Zudem verlangte die Ordensregel eine mehrmonatige Fas-tenzeit. Als Hauptnahrungsquelle galt der Fisch. Deshalb waren dem Kloster die Fischereirechte im Haidersee und in der Etsch von Eyrs bis zur Töll zugeteilt. Die Mahlzeiten wurden außer an Feiertagen alleine in der Klosterzelle eingenommen. Die Schnalser Bauern waren dem Kloster gegenüber abgabepflichtig. Diese und weitere Umstände führten zur Zeit der Bauernkriege im Jahre 1525 zu einem Aufstand der Bauern. Sie plünderten das Kloster und vernichteten dabei einen großen Teil der Urkunden. Im Jahre 1619 erwarb Prior Johannes IV. den Gojenhof in Marling. Später ließ Prior Michael Baych (1723-1737) in Tschars und Meran zwei Klosterhäuser bauen. Wegen des argen Wassermangels im Gojenhof ließ er 1737 den Marlinger Waal errichten. Das klösterliche Leben dauerte in Allerengelberg bis 1782, als Kaiser Joseph II. die Kartause aufhob. Bald darauf wurde das Kloster veräußert und es kehrte profanes Leben ein. 24 Familien fanden ein Zuhause. Aus der Kartause Allerengelberg war die Ortschaft Kartaus erwachsen. Am 21. November 1924 wurde das Dorf gegen 22.30 Uhr von einem fürchterlichen Brand heimgesucht. Zwei ältere Menschen fanden im Feuer den Tod. Die 72 Kinder unter 14 Jahren und der Rest der Dorfbevölkerung konnten sich retten. Die darauf folgenden Jahre des Wiederaufbaues waren schwer und die wirtschaftliche Situation alles eher als rosig. Die übrig gebliebene, großteils gotische Bausubstanz steht heute unter Denkmalschutz. Das Wappen der Gemeinde Schnals ist zweigeteilt und zeigt einerseits drei blaue Zacken auf weißem Grund (wie Schlanders), welche von der Verwandtschaft der Burgherren von Schnals mit den Schlandersbergern herrühren. Andererseits wird der Erzengel Michael dargestellt, Teil des Wappens der Kartause Allerengelberg. [F] Dorfzahlen [/F] Das Dorf Karthaus ist eine Fraktion der Gemeinde Schnals und gleichzeitig ihr Sitz. Karthaus zählt heute 316 Einwohner (1961 waren es 441, 1972 noch 432). [F] Dorfleben [/F] Durch die vorgegebene, bauliche Struktur der ehemaligen Klosteranlage muss ein Karthauser schon sehr früh lernen, auf engem Raum miteinander zu leben. Sicherlich mag dieser Umstand Nachteile mit sich bringen, diese heben sich jedoch durch ein qualitativ hochwertiges Dorfleben auf. Ruhe und ein relativ stressfreies Leben kennzeichnen die dörfliche Sozialstruktur. Man hat noch Zeit für einen netten "Ratscher", für ein gelegentliches Kartenspiel oder für ein nettes Beisammensein. Am autofreien Dorfplatz von Karthaus steht ein gelungener Brunnen des Schnalser Künstlers Martin Rainer. Selten sieht man einen vergleichbaren Dorfkern, der die Charakteristik eines Vinschger Haufendorfes so typisch kennzeichnet. Dieser eignet sich auch bestens als Kulisse für Veranstaltungen und als Treffpunkt für Jung und Alt. Dem "Kleaschterer-Kirchtig" am Feste der Hl. Anna kommt dieser nette, geschlossene Dorfplatz sicherlich zugute. Attraktiv lassen sich Dorfkonzerte, musikalische Veranstaltungen, der Wochenmarkt und touristische Initiativen verwirklichen. Tradition erlangen in Karthaus mittlerweile die Sommerausstellungen der Südtiroler Künstler. Dazu dient der klösterliche Kreuzgang als idealer Ausstellungsraum. Karthaus verfügt über eine 32 Mann starke Feuerwehr. Ihr ist als eine der drei Schnalser Wehren die besondere Aufgabe zugeteilt worden, speziell bei Straßenunfällen einzuschreiten. Sie besitzt die hierfür notwendigen Ausrüstungen. Die Musikkapelle von Karthaus hat sich vor einigen Jahren mit der von Unser Frau zusammengetan. Ebenso wurde der Chor dem Schnalser Kirchenchor einverleibt. Karthaus hat schon seit 1971 keinen eigenen Priester mehr. Anfangs betreute die Pfarrei der Pfarrer von Katharinaberg , seit 14 Jahren ist der Pfarrer von Unser Frau zuständig. Im Ortskern von Karthaus gibt es drei Gastbetriebe und zwei Privatzimmervermietungen. Die zu große Entfernung zum Schnaler Skigebiet und allgemein rückläufige Zahlen stellen für die Tourismusbranche in Karthaus ein Problem dar. Arbeit finden die Bürger vielfach an öffentlichen Stellen. Manch einer fährt täglich aus dem Tal hinaus, um in Naturns oder Meran seiner Arbeit nachzugehen. Einige sind im Skigebiet in Kurzras beschäftigt. Für die wenigen Handwerker hat die Gemeinde Schnals, etwas abseits von Karthaus, eine Handwerkerzone eingerichtet. [F] Wanderung [/F] Von Karthaus aus gelangt man über einen angenehmen Waldweg nach Unser Frau. Der Weg verläuft auf dem Nörderberg und ist leicht zu begehen. Er ist durchaus auch für Kinder geeignet, obwohl manche abschüssige Stellen nicht ganz ungefährlich sind. Die Wanderung beginnt hinter dem Grundschulgebäude von Karthaus, wobei man an der nahen Weggabelung den Weg Nr.21 einschlägt. Nach einer guten halben Stunde erreicht man die Raindlhöfe. Dort hat man die Wahl, den Wiesen- oder den Waldweg entlang zu wandern. Nach ca. 1 1/2 Stunden erreicht man den Schnalser Wallfahrtsort Unser Frau. Entlang des gesamten Weges trifft man auf Bänke und man kann die nette Aussicht ins Tal wunderbar genießen. Der Höhenunterschied zwischen Karthaus und Unser Frau beträgt ca.180 m. [F] Vorschau: 03.03.05 - Sulden 17.03.05 - Taufers i.M. [/F]
Vinschger Sonderausgabe

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