Eine gut besuchte Bürgerversammlung
Auch ohne die Aufnahme neuer Darlehen kann die Gemeinde Naturns große Investitionen tätigen.

Keine Neuverschuldung

Gemeinde Naturns kann dennoch große Investitionen tätigen.

Publiziert in 12 / 2019 - Erschienen am 2. April 2019

Naturns - Die große Resonanz bei der Bürgerversammlung am Vorabend von Josefi zeigte einmal mehr, dass es den Naturnser Bürgerinnen und Bürgern nicht gleichgültig ist, was in ihrer Gemeinde geschieht. Knapp eine Stunde lang gab Bürgermeister Andreas Heidegger einen Überblick über all das, was in der näheren Zukunft geplant ist. Zu sagen gab es dabei genug - nicht nur angesichts einiger baulicher Großprojekte. Die Marktgemeinde Naturns zählte zum Jahresende 2018 insgesamt 5.869 Einwohner mit einem Ausländeranteil von 7,6% (451 Personen). Die Einwohnerzahl dürfte somit schon in naher Zukunft die 6.000er-Marke überschreiten. Laut der vorliegenden Eurac-Studie wird Naturns im Jahr 2035 über 6.200 Einwohner haben. Trotz der kritischen Finanzlage mussten nur die Tarife für das Trinkwasser um zwei und für das Abwasser um drei Prozent erhöht werden. Die Müll- und Friedhofsgebühren bleiben 2019 gleich wie bisher, ebenso die Steuersätze und Freibeträge für die Gemeindeimmobiliensteuer (GIS). Somit sind fast alle Erstwohnungen von dieser Steuer befreit. Durch die vorzeitige Rückzahlung von laufenden Darlehen im Vorjahr ist die jährliche Pro-Kopf-Verschuldung auf 145,25 Euro gesunken, zum Jahresende 2019 wird ein Schuldenstand von knapp 7,2 Mio. prognostiziert.

Großprojekte ohne Neuverschuldung
Der Gemeindehaushalt für 2019 umfasst ein Gesamtvolumen von rund 21 Mio. Euro, davon stehen heuer 8,7 Mio. Euro für Investitionen zur Verfügung. Im Dreijahreshaushalt 2019 bis 2021 sind ca. 18. Mio. für Investitionen eingeplant. Die Finanzierung erfolgt über den Investitionsfonds. Im Zeitraum 2016 bis 2025 stehen der Gemeinde aus diesem Landesstopf ca. 1,57 Mio. Euro pro Jahr zur Verfügung. Die Entscheidung darüber, welche Bauvorhaben mit welchem Zeitplan verwirklicht werden, liegt allein bei der Gemeinde. Weitere Finanzierungshilfen sind die Einnahmen aus den Baukostenabgaben, Erschießungsgebühren und Beiträgen des Konsortiums WEG (Wasserzinsgelder). „Mit diesen Geldmitteln können wir bis 2022 nahezu alle geplanten Großprojekte verwirklichen. Der besondere Aspekt dabei ist, dass sich die Gemeinde nicht verschulden muss“, betonte der Bürgermeister.

Kindergarten und betreutes Wohnen
Ein bereits seit längerem diskutiertes Vorhaben ist der Neubau des Kindergartens mit Kosten von 4,9 Mio. Euro. Die Ausschreibung der Planung ist abgeschlossen. Demnächst soll auch die vorübergehende Aussiedlung endgültig geklärt werden. Völlig unerwartet sind zwei Ausschreibungen für die Baumeisterarbeiten für den Neubau des Naturparkhauses leer ausgegangen. Hier ist ein neuer Anlauf erforderlich. „Als ein ganz wichtiges Projekt“ nannte Heidegger die Schaffung der Struktur für begleitetes Wohnen, wofür Kosten von 5,7 Mio. veranschlagt wurden. Neben den Landesbeiträgen besteht die Hoffnung, dass sich auch die Nachbargemeinden Schnals und Plaus für eine Beteiligung entscheiden. Die Gemeinde Naturns müsste rund 2,8 Mio. beisteuern. Das Einreichprojekt wurde bereits genehmigt, das Ausführungsprojekt ist in Ausarbeitung. Mit der Ausschreibung der Baumeisterarbeiten ist innerhalb 2020 zu rechnen. In diesem Zusammenhang hat die Gemeindeverwaltung beschlossen, die gesamte „Ex-Trenkerwiese“ mit einer Fläche von 5.144 m² anzukaufen. Rund 2.700 m² braucht es für die Erweiterung des Altersheimes. Auf der Restfläche von 2.444 m² soll ein Generationenpark entstehen. Durch die Stilllegung des Fernheizwerkes und den damit verbundenen Ausfall der „Carbon-Tax“ sind die Kosten für die Wärmeerzeugung für die öffentlichen Gebäude drastisch angestiegen. Deshalb hat der Bau des neuen Fernheizwerkes beim Bauhof mit Kosten von 1,9 Mio. oberste Priorität. Weitere Vorhaben sind die Sanierung des Recyclinghofes (Baubeginn 2021) und der Bau eines Gehsteiges entlang der Prokulus-Straße. Ein Gehsteig soll auch in der Örtlichkeit Stein, von der Bushaltestelle bei der Firma Moser Speck entlang der Plauser Geraden bis zur Gewerbezone Stein, inklusive neuer Zufahrt, realisiert werden. 

Anreize in den Fraktionen schaffen

Zurzeit laufen im Dorfzentrum die Arbeiten für die Realisierung des ersten Bauloses der „letzten Meile“. Im Herbst wird das zweite Baulos umgesetzt, wodurch neben den öffentlichen Gebäuden auch ein Großteil von Naturns mit Breitband versorgt wird. Bei der energetischen Sanierung der Mittelschule Naturns und des Mehrzweckgebäudes in Staben werden 85 Prozent der Kosten von insgesamt 2,5 Mio. Euro mit Beiträgen seitens des Europäischen Fonds für regionale Entwicklung (EFRE) abgedeckt. Einhergehend mit der Dorferneuerung „Unterdorf Staben“ wird auch dort die Glasfaserleitung verlegt. Wichtige Vorhaben in dieser Fraktion sind die Verwirklichung einer Wohnbauzone mit sieben Reihenhäusern in der Nähe des neuen Bahnhofes „Schnalsthal“, dieser wird derzeit umgebaut und erweitert. Für den geplanten Neubau der Feuerwehrhalle in Tabland wurde inzwischen der Baugrund angekauft. „Es ist ganz wichtig, dass auch in den einzelnen Fraktionen eine kontinuierliche Weiterentwicklung stattfindet, dadurch könne man Anreize für Ansiedlungen schaffen und somit wichtige Einrichtungen vor Ort erhalten“, so Heidegger. Eine lange Liste von Maßnahmen präsentierte er im Bereich Sport. Angefangen von der kostspieligen Erneuerung und Erweiterung des Erlebnisbades erwähnte er auch die Vorhaben bei den Sportplätzen, der Kunsteisanlage und der Tennishalle. Die Gemeinde unterstützt die Familien, Vereine und Organisationen. Angefangen von der Jugend (JuZe) bis hin zu den Senioren werden viele Veranstaltungen durchgeführt und Maßnahmen umgesetzt. Im Zusammenhang mit der vom Gemeinderat beschlossenen Beteiligung am SPRAR-Projekt könne man von einer gelungenen Umsetzung sprechen. Durch Sprachkurse und dem Projekt „Gemeinsam zu Tisch“ werde die Integration gefördert. Lobend erwähnt wurden auch die Tätigkeiten des Kulturbeirates und des Ortsmarketings mit ihren wertvollen Veranstaltungen. Zukunftsweisende Ansätze und Leitlinien erhofft sich die Gemeindeverwaltung vom Entwicklungsprojekt „Naturns 2030+“

Viele Themen aufs Tapet gebracht
Die wichtigsten Themen bei der Diskussion betrafen den miserablen Zustand einiger Gemeindestraßen, die angebliche Anlieferung und Ausbringung von Ausbruchsmaterial von der Umfahrung Kastelbell-Galsaun auf dem Naturnser Sonnenberg, der aktuelle Stand des Gefahrenzonenplanes, die für Kinder gefährliche Verkehrssituation am Kellerbachweg, die Zufahrt Herrengasse und die Einbindung des Kirchweges, das Verkehrskonzept für die Bahnhofstraße, die Staus an der Winterbrücke, die Parkplatzsituation beim zukünftigen Bahnhof in Staben und die Probleme durch Mountainbiker auf dem Nördersberg. Stellungnahmen und Fragen gab es auch zum Wertstoffhof, zum Bau von Sozialwohnungen und zum Auffangbecken beim neuen Naturparkhaus. Angesichts der nach wie vor verzwickten Finanzlage war diese Bürgerinformation für den Bürgermeister und die Gemeindereferenten eine durchaus angenehme Pflichterfüllung.

Oskar Telfser
Oskar Telfser
Vinschger Sonderausgabe

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