Siegi Platzer

Kräuteranbau im Vollerwerb

Publiziert in 37 / 2013 - Erschienen am 21. Oktober 2013
Interview mit dem Kräuteranbauer Siegi Platzer aus Stilfs Stilfs/Meran - Seit Jahrhunderten werden in Südtirol Kräuter gesammelt, rund 120 Heil- und Gewürzpflanzen kommen in unserem Land vor. Auf diesen zunehmend wichtigen Wirtschaftszweig macht das dritte Südtiroler Kräuterfestival am 26. Oktober 2013 im Kurhaus von Meran von 10 bis 17 Uhr aufmerksam. 16 Kräuteranbauer aus dem ganzen Land stellen sich und ihre Bioprodukte vor und bieten sie zum Verkauf an. Eine Apothekerin informiert über die Heilkraft der Kräuter, Kräuterpädagogen erzählen Kräutermärchen, Referate über Pflanzengötter und Pflanzenmythen runden das Festival ab. Der Eintritt ist frei. Die ausstellenden Kräuteranbauer am 26. Oktober im Kurhaus stammen aus Stilfs, Goldrain, Ahrntal, Pfalzen, Vintl, Niederolang, ­Rodeneck, Brixen, Pfitsch, Barbian, Kastelruth, Tesido/Monguelfo, Auer, Kaltern, St. Felix, St. Nikolaus/Ulten. Siegi Platzer aus Stilfs widmet sich seit zehn Jahren im Vollerwerb dem Kräuteranbau, er hat seine Arbeit als Bankkaufmann aufgegeben und widmet sich seither im Vollerwerb den Biokräutern. Ein Gespräch der Vinschger: Herr Platzer, seit wann bauen Sie Kräuter auf Ihrem Hof „Stilfser Bergkräuter“ an? Siegi Platzer: Unser Hof ­„Stilfser Bergkräuter“ befindet sich im kleinen Bergdorf Stilfs auf 1.300 m Meereshöhe. Zusammen mit Traude Horvath und einigen Mitarbeiterinnen bauen wir auf 6.000 m² Kräutergärten Blumen und Heilkräuter an. Zudem bietet sich die umliegende Berglandschaft zum Sammeln von Wildkräutern an, was unsere zweite Säule darstellt. Ich bin vor zehn Jahren in die Welt der Kräuter eingetreten, weil sie mich so fasziniert hat. Zuvor habe ich 24 Jahre als Bankkaufmann gearbeitet. Fast alle Menschen haben im Lauf ihres Lebens Wünsche und Träume, anders zu leben oder sich neu zu orientieren. Ich selbst habe den Entschluss gefasst, meinen Bankjob aufzugeben. Das Leben mit und in der Natur hat mich angezogen. Heute bin ich ein Kräuterbauer im Vollerwerb. Diese schöne Tätigkeit mit den Blumen und Kräutern kann man nur tun, wenn man sich dem voll widmet. Worauf haben Sie sich spezialisiert? In Stilfs kann man nicht leben und arbeiten, so heißt es allgemein. Das zu widerlegen und zu zeigen, dass es mit guten Nischenprodukten interessant und spannend ist zu wirtschaften, war mein Ziel. Man muss den Fokus auf höchste Qualität setzen. Um das zu er­reichen, nehmen wir viel auf uns und stellen unsere Kräutertees, Sirupe, Zucker- und Kräutersalzmischungen, Duft- und Heukissen allesamt in Handarbeit her, wir sind also eine Kräutermanufaktur. Wir haben den Anspruch, die ursprünglichen Farben und die Unversehrtheit von Blättern und Kräutern zu erhalten. Wo haben Sie sich das Wissen um Kräuter angeeignet? Um Kräuterbauer zu werden, habe ich mir in Kursen das Grundwissen aneignet. Danach ging es dann erst richtig los mit dem Anbau und den Kniffen im Umgang mit den Kräutern. Hier habe ich mir als Autodidakt und durch viel Lektüre Wissen angeeignet. Am meisten jedoch lernt man in der Praxis. Nicht alles steht in Büchern und Anleitungen geschrieben, man muss es tun und erfahren, um es zu verstehen und begreifen zu lernen. Lernen im Tun also. Je mehr ich mich in die wunderbare Kräuterwelt hineinbewege, umso spannender wird sie. Wie viel Arbeitszeit und -kraft wenden Sie für den Kräuteranbau und dessen Veredelung auf? Ein Kräuterbaubetrieb ist ein Volljahresbetrieb: Im Frühjahr sind die Kräutergärten zu bestellen, die Jungpflanzen einzusetzen, dann geht es los mit dem Pflücken und Ernten. Gleichzeitig beginnt im Frühjahr das Sammeln von Wildkräutern, wie die echte Schlüsselblume, Himbeer- und Erdbeerblätter und andere mehr. So reihen sich die Schritte aneinander, die Kräuter müssen natürlich fachgerecht getrocknet werden. Die Trocknung ist ein sehr wesentlicher Bestandteil und muss perfekt laufen. Erst dann können die verschiedenen Teemischungen oder Reinsorten im Sinne einer Veredelung hergestellt werden. Begleitend braucht es auch den Verkauf der Produkte; die Hauptverkaufszeit ist vornehmlich Herbst/Winter. Wir verkaufen aber auch ganzjährig auf Bauernmärkten und Messen, auch der Internetshop läuft sehr gut. Somit können wir unsere Kunden auch in anderen Erdteilen überall auf der Welt erreichen. Welches Kraut sollte Ihrer Meinung nach in keinem Haushalt fehlen? Allen Menschen ist irgendein Kraut oder eine Blume am nächsten. Darum ist es naheliegend, genau diese Blumen und Kräuter im eigenen Garten zu pflegen. Es ist jedoch wichtig, im eigenen Garten, in der Wiese und in der Landschaft Artenvielfalt zu halten. Das ist unser Bestreben. Leben Menschen gesünder, die sich mit Kräutern beschäftigen? Das Leben in der Kräuterwelt ist spannend und wohltuend, man bewegt sich in und mit der Natur, das ist wie Meditation, da kommen einem viele Ideen in den Kopf. Man lernt den Wechsel der Witterungsverhältnisse ohne Murren hinzunehmen, man lebt darin. Welchen Stellenwert haben Kräuter Ihrer Meinung nach in Südtirol? Welchen sollten sie haben? Südtirol ist im Alpenraum in einer sehr guten geographischen Lage, die Kräuterbauern erzeugen an den Sonnenhängen hochwertige Produkte. Alle Direkterzeuger setzen auf oberste Qualität, ­Südtiroler Kräuterprodukte können sich überall auf der Welt sehen lassen und gelten als Spitzenprodukte. Es ist mir ein Anliegen, den Stellenwert der Kräutertees und -produkte noch mehr hervor zu streichen. Das Getränk Tee ist eines der besten. Manche Menschen sind immer noch der Meinung, dass die Zubereitung von Tees mit langem Warten und Ziehen-lassen verbunden ist. Dem ist nicht so: Die Kräuterbauern können Gastwirten und Hoteliers Kniffe geben, wie das einfach und leicht machbar ist. Im Alltag laden sich Menschen immer wieder zum Kaffee ein. Es wäre wünschenswert, dass in Zukunft die Einladung zum Tee Mode wird. Red Weitere Informationen im Internet (www.stilfser-bergkraeuter.it). 
Redaktion
Vinschger Sonderausgabe

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