Ein Teil der Arbeiten (Flusslauf und Wegeverlauf) wurde bereits umgesetzt.

Kräuterwissen erlebbar machen

Im Rahmen eines Interreg-Projekts entsteht beim Kräuterschlössl in Goldrain ein Lehrpfad. 

Publiziert in 3 / 2026 - Erschienen am 10. Februar 2026

Goldrain - Wer die Familie Gluderer vom Goldrainer Kräuterschlössl kennt, der weiß, dass sie immer wieder neue Wege beschreiten will, neue Wege im Zeichen der Nachhaltigkeit und Biodiversität. Ein solcher neuer Weg ist das Interreg-Projekt „Herbia“ mit dem kurz erklärenden Untertitel „Kräuterwissen für eine widerstandsfähige Biodiversität im Alpenraum“. Initiiert wurde das Projekt zusammen mit zwei Partnern: Dem TEH (Traditionelle Europäische Heilkunde) aus Salzburg sowie dem BioSozialHof Vintlerhof. Die Partner wollen „durch die Nutzung und Weitergabe von traditionellem Kräuterwissen und breite Sensibilisierungsmaßnahmen sowie Forschung zur Klimaresistenz die Biodiversität in den Alpenregionen nachhaltig stärken und erhalten“, heißt es in der Projektbeschreibung. Im Rahmen von Herbia sollen verschiedene Bildungs- und Informationsmaßnahmen durchgeführt werden, die einer breiten Bevölkerung im Programmgebiet praktisches, altes wie neues Kräuterwissen inklusiv zugänglich machen und Bewusstsein wie Verständnis für die komplexen Zusammenhänge zwischen Biodiversität und Klimawandel fördern. Ein innovatives Element des Projekts ist die Einrichtung eines digitalen Kräutergartens, der mit den physischen Kräutererlebnissen aller Standorte kombiniert wird. Treibende Kraft, damit das Projekt auch den Weg nach Goldrain findet, war Annemarie Gluderer. Ihr Mann Urban und sie hatten 2005 das Kräuterschlössl gegründet. Mittlerweile wurde der Betrieb an ihre Kinder übergeben. Der Kräuteranbau verlagerte sich seit einigen Jahren nach Taufers im Münstertal, wodurch in Goldrain direkt beim Schlössl Flächen freigeworden sind.

„Zusammenhänge begreifbar machen“ 

Konkret entsteht beim Kräuterschlössl im Rahmen des Projekts ein Kräuterlehrpfad. Dieser versteht sich nicht als klassischer Schaugarten, sondern als Lern- und Erlebnisraum für alle Generationen. „Uns geht es nicht darum, einfach Kräuter zu zeigen“, erklärt Geschäftsführerin Marion Gluderer. „Wir wollen Zusammenhänge begreifbar machen – zwischen Boden, Pflanze, Klima und Mensch.“ Die Vermittlung von Wissen stehe im Mittelpunkt, und zwar niederschwellig, sinnlich und inklusiv. Der Kräuterlehrpfad wird vollständig barrierefrei gestaltet. Alle Wege sind rollstuhlgerecht angelegt und auch mit Kinderwagen gut befahrbar. Damit richtet sich das Angebot ausdrücklich auch an soziale Einrichtungen, Schulklassen, Seniorengruppen und Menschen mit Beeinträchtigungen. Entsprechend werden die Inhalte an den einzelnen Stationen alters- und zielgruppengerecht aufbereitet – vom spielerischen Zugang für Kinder bis zur vertiefenden Information für Fachinteressierte.

Vier Elemente 

Herzstück des Lehrpfades sind mehrere thematische Holzhäuschen, die sich harmonisch in die Landschaft einfügen. Sie greifen zentrale Inhalte des Projekts Herbia auf und verbinden diese mit den vier Elementen Erde, Wasser, Luft und Feuer. Gleich zu Beginn informiert eine Station über Klima und Biodiversität sowie über den Familienbetrieb selbst, der seit rund 30 Jahren biologische Landwirtschaft betreibt. Hier wird auch deutlich, warum traditionelles Kräuterwissen heute aktueller ist denn je. Ein zentrales Häuschen widmet sich den Kräutern: Über 150 heimische Heil- und Küchenpflanzen werden vorgestellt, mit Informationen zu Botanik, Anwendung in der Traditionellen Europäischen Heilkunde, Volksmedizin und Küche. Draußen wachsen mehr als 300 verschiedene Kräuter, Sträucher und Bäume, die angeschaut, gerochen und auch verkostet werden dürfen.  Die vier Elemente strukturieren den weiteren Weg: Die Station „Erde“ führt wortwörtlich unter die Oberfläche und macht Boden als lebendiges System erfahrbar. Wasser und Luft werden gemeinsam thematisiert mit Blick auf den Bachlauf, hörbaren Naturklängen und Informationen zu aktuellen Herausforderungen wie Trockenheit oder Luftverschmutzung. Das Element Feuer findet im Tipi-Zelt seinen Platz, wo Geschichten erzählt werden, diskutiert wird oder unter Aufsicht auch kleine Kochaktionen möglich sind. Alle Stationen sind so gestaltet, dass sie gleichzeitig von mehreren Gruppen genutzt werden können. Der Lehrpfad ist kostenlos zugänglich. Der Baubeginn erfolgte bereits, die Fertigstellung ist für das Frühjahr 2027 vorgesehen. Die Maßnahmen im Rahmen des Herbia-Projekts werden durch das europäische Interreg-Programm Italien-Österreich 2021-2027 unterstützt.

Michael Andres
Michael Andres

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