Alle suchen den Regie-Assistenten Stefan Schönthaler.
Die Stewardess teilt den Passagieren die Katastrophe mit.
Trauer und Hilflosigkeit in Manhattan
Wer den Fisch küsst, wird zum echten New Yorker, singen Fabian Müller und Julian Gurschler (v.l.).

„Kurz vor der Fassungslosigkeit“

Kann man den Terroranschlag vom 11.09.2001 auf die Bühne bringen? Man kann. Das Musical „9-11 Die Welt steht still“ ist ein überraschender Beweis.

Publiziert in 12 / 2019 - Erschienen am 2. April 2019

Schlanders - Es wäre leicht übertrieben, das Publikum in der Drusus-Kaserne „kurz vor der Fassungslosigkeit“ gesehen zu haben, wie im Lied-Text steht. Auch stand es nicht still, im Gegenteil, es hatte sich am Ende des Musicals von den Sitzen erhoben und wollte nicht mehr aufhören zu applaudieren. Es war Zeuge geworden einer besonderen Inszenierung. Es ging um den Terror des 11. September 2001. Es ging um mehr als 3.000 Tote. Es ging um einen Anschlag, der die Welt veränderte und der vor „Nine Eleven“ unvorstellbar war. Daniel Trafoier trug selbst die Erinnerungen 8 lange Jahre mit sich herum. Er hat als Zwanzigjähriger wie Millionen andere auch gebannt auf den Bildschirm gestarrt. Er hat im Fernsehen den Stolz einer Stadt brechen und Menschen sterben gesehen. Er war später selbst am Tatort in New York und versuchte seither auf seine Art, mit dem Ereignis umzugehen – als Theaterschreiber und Regisseur. Er ließ seine Schüler teilhaben, suchte im Theaterverein Schlanders Gleichgesinnte, formte ein Team und fand im ehemaligen Kinosaal der Drusus-Kaserne den passenden Ort. Bröckelnder Verputz und beginnender Verfall wurden seine wichtigsten Requisiten. Scheinwerfer, Stimmen, Musik, Gesang und Rhythmus brachten Erinnerungen zurück und ließen Stimmung entstehen. Die Hilflosigkeit einer Mutter und das gemeinsame Beten über alle Religionsgrenzen hinweg rührten nicht nur Besucher über 30. Dass die eindrucksvolle, ja eindringliche Inszenierung in der Kaserne niemals das Werk eines Einzelnen sein kann, wurde bei der Premiere deutlich. Als Gesamtleiterin des Projekts stellte Nadia Senoner fest, dass alle Akteure über sich hinausgewachsen sind. Die Obfrau des Theatervereins Schlanders betonte die musikalische Leitung von Julia Horrer, die Mitarbeit von Marco und Robin Diana bei den musikalischen Einspielungen und die Regieassistenz von Stefan Schönthaler. Mann der Stunde nannte sie Daniel Trafoier, zuständig für Buch, Regie und Musiktexte. „Das Projekt ist allein dadurch besonders und außergewöhnlich, weil wir die Unterstützung der Gemeindeverwaltung gehabt haben“, erklärte Senoner. Sie dankte der Kulturreferentin Monika Habicher, dem Bürgermeister Dieter Pinggera, seinem Stellvertreter Reinhard Schwalt und Elke Zoderer als Verantwortliche der Baufirma. 

9-11 Die Welt steht still 
Theaterverein Schlanders

Sa 06. April 2019 14.30 Uhr & 20.00 Uhr
So 07. April 2019 14.30 Uhr & 18.30 Uhr

im Kasernenareal Drusus Schlanders
Kartenreservierungen unter Tel. 348 74 39 724

Günther Schöpf
Günther Schöpf
Vinschger Sonderausgabe

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