In der Werkstätte für Holz werden sowohl verschiedenste Holzprodukte angefertigt als auch Möbelstücke nach Maß.

„Lehrbetrieb“ für das Leben

Publiziert in 34 / 2013 - Erschienen am 2. Oktober 2013
Werkstatt für Holz trägt dazu bei, das Selbstwertgefühl von Menschen mit besonderen Bedürfnissen zu stärken Latsch - Für Menschen mit psychischen Störungen und anderen Beeinträchtigungen ist der Einstieg in die Arbeitswelt besonders schwer. Die sozialpsychiatrische Einrichtung zur Arbeitsrehabilitation in Latsch bietet 17 Menschen mit besonderen Bedürfnissen einen Trainings- oder auch längerfristigen Arbeitsplatz an. Begleitet und betreut werden sie von insgesamt 6 Mitarbeitern/innen. Am Freitag wurde die neue Werkstatt für Holz offiziell ihrer Bestimmung übergeben und von Pfarrer Johann Lampacher gesegnet. „Die Würde des Menschen ist unantastbar, jeder Mensch hat seinen Wert“, sagte der Pfarrer. Bezirkspräsident Andreas Tappeiner verwies auf die Bedeutung dezentraler Beschäftigungsmodelle für Menschen mit besonderen Bedürfnissen. Mit dem Arbeitsrehabilitationsdienst (ARD) Latsch und mit weiteren Einrichtungen dieser Art biete die Bezirksgemeinschaft den Betroffenen die Möglichkeit, sich mit ihren Fähigkeiten in den Arbeitsalltag einzubringen. „Und auch die Einbettung in die dörflichen Gemeinschaften funktioniert“, so Tappeiner. Landesrat Richard Theiner erinnerte an Zeiten, während derer Menschen mit psychischen Krankheiten ausgegrenzt, verfolgt und stigmatisiert wurden. Ganz überwunden sei die Stigmatisierung zwar noch immer nicht, „aber es wurde ein neues Bewusstsein für psychische Krankheiten geschaffen.“ Mit dezentralen Einrichtungen wie jener in Latsch komme man sowohl den Betroffenen entgegen, als auch den Familien derselben sowie der Bevölkerung. Einen besonderen Dank zollte Tappeiner dem Strukturleiter Peter Grassl, der ehemaligen Direktorin der Sozialdienste, Martha Stecher, dem Pionier Urban Gluderer, der Gemeinde Latsch sowie der Stiftung Altersheim Latsch (Spitalfonds zur hl. Dreifaltigkeit). Vor 20 Jahren noch Neuland „Vor 20 Jahren war die sozialpsychiatrische Arbeitsrehabilitation noch Neuland. Wir verstanden uns als Pioniere in diesem Bereich und waren es auch“, führte Peter Grassl aus. Eine Gruppe von Sozialarbeitern setzte zu Beginn der 90er Jahre die ersten Schritte für die Einrichtung in Latsch. Die Frage war: Wie können Menschen mit besonderen Bedürfnissen und psychischen Störungen besser in die Arbeitswelt integriert werden? Als Arbeitsfeld wurde sofort die Landwirtschaft ins Auge gefasst. Bei der Suche nach einem geeigneten landwirtschaftlichen Betrieb zeigte sich aber schnell, „dass es im Vinschgau unmöglich ist, zu vernünftigen Konditionen ein geeignetes Objekt zu finden.“ Es war daher ein Glücksfall, „dass uns die Altersheimstiftung Latsch 1991 dieses ca. 8000 Quadratmeter große Grundstück angeboten hat.“ Auf diesem Grundstück haben Urban Gluderer und Peter Grassl 1992 mit dem Pilotprojekt ATZ Latsch begonnen, damals noch im Auftrag des Landesamtes für Sozialwesen. Als Arbeitsbereich wurde der biologische Landbau gewählt. Zu Beginn konnten 4 Personen mit psychischen Problemen saisonal beschäftigt werden. Geeignete Infrastrukturen gab es damals noch keine. Peter Tappeiner fungierte als Berater im biologischen Anbau. 1993 ging die Einrichtung auf die Bezirksgemeinschaft über, die den Arbeitsrehabilitationsdienst seither führt und außerdem laufend ausgebaut hat. Mit Baucontainer hat alles angefangen 1992 hatte man mit einem 16 Quadratmeter großen Baucontainer begonnen. 1993 wurde das Glashaus mit einem Büro errichtet. In den Jahren danach waren Improvisation und Kreativität gefragt, bis 1998 dank der Errichtung des Wirtschaftsgebäudes zusätzliche Arbeitsangebote geschaffen werden konnten: Küche, Kräuterverarbeitung, Töpferei und Fertigungsaufträge. 2006 wurde die Leitung der Arbeitsrehabilitationsdienste Latsch und Schlanders - dort gab es eine Tischlerei und eine Schlosserei - zusammengelegt. Später folgte auch die Zusammenlegung beider Einrichtungen. Im Dezember 2011 erfolgte der Umzug in die neue Tischlerei. Die Außengestaltung wurde im Mai 2013 abgeschlossen. Architekt Martin Thoma blickte auf die Baugeschichte zurück. Es sei ihm beim planerischen Konzept vordergründig darum gegangen, „ein angenehmes Raumklima zu schaffen, das durch eine gute, von mehreren Seiten belichtete Werkstatt mit interessanten Ausblicken und durch die gezielte Verwendung des Werkstoffs Holz, als konstruktives und gestalterisches Element, erzielt wird.“ Der neue Gebäudekörper bestehe vorwiegend aus einer Dachplatte „und einer ringsum möglichst lichtdurchlässigen Hülle, die das Dach optisch und im Empfinden schweben lässt.“ Die Gesamtbaukosten bezifferte Thoma mit ca. 1,4 Millionen Euro, wobei rund 500.000 Euro für die Grundablöse notwendig waren. Zur Eröffnung der neuen Werkstatt waren viele Ehrengäste aus der Politik und dem Sozialwesen gekommen. Der Psychiater Giorgio Vallazza nannte die Werkstatt als „Universität der Beziehungen“. Sepp
Josef Laner
Josef Laner
Vinschger Sonderausgabe

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