Martell - Tal der Erdbeere

Publiziert in 25 / 2004 - Erschienen am 30. Juni 2004
Das Martelltal - Von Goldrain abzweigend und mit 27 km Länge ist es eines der großen Nebentäler des Vinschgaus. Der Hauptort Martell Dorf liegt auf 1.300 m Meereshöhe, wobei die höchsten dauerbesiedelten Höfe sich auf bis zu 2000 m ü.d.M. befinden. Das Leben der Bauern war und ist nicht immer leicht. Die klimatischen und geographischen Gegebenheiten sind rau und schroff. Die Landwirtschaft ist aber immer noch das wichtigste wirtschaftliche Standbein, allerdings sind die Einnahmen aus der Vieh- und Milchwirtschaft sehr gering. Doch die Bewohner wussten sich zu helfen und nutzten gerade die Höhenlagen des Tales mit dem milden und trockenen Klima, den warmen und kühlen Nächten zum Anbau schmackhafter Beeren. Gerade diese klimatischen Verhältnisse machen es möglich in den Hochsommermonaten Erdbeeren zu produzieren, was in den herkömmlichen Anbaugebieten nicht oder nur bedingt möglich ist. Den Beeren, und vor allem den Erdbeeren verdankt das Martelltal seine Berühmtheit. Mit Anbaugebieten von 900 bis 1800 m über dem Meer, ist das Martelltal eines der Hauptanbaugebiete für Bergerdbeeren. Die Beeren reifen sehr langsam mit der Sonne heran und verfügen so über ein ganz besonderes Aroma. Gepflückt werden sie zu einem Zeitpunkt, an dem in den meisten anderen Gebieten die Ernte bereits abgeschlossen ist. Dank eines Pilotprojektes der EU und der Autonomen Provinz Bozen über den Anbau von Sonderkulturen (Erdbeeren und Gemüse) im Martelltal, ist es möglich den Bergbauern eine neue Einkommensquelle zu geben und somit die jahrhundertalte Tradition der Bergbauernhöfe aufrecht zu halten. Seit 1989 haben sich die Bergbauern zusammengeschlossen, um den Anbau und die Vermarktung der kostbaren Früchte dieses Tales mitten im Stilfserjoch Nationalpark zu betreiben. Nicht nur mit Erdbeeren, sondern auch mit Johannisbeeren und Himbeeren hat sich das Tal einen ausgezeichneten Ruf am Markt verschafft. Die Marteller Erzeugergenossenschaft (MEG) vertreibt die Produkte und gibt auch die Garantie für Qualität und Kontrolle. Aber nicht nur köstliche Erdbeeren verbindet man mit dem Namen Martell. Auch der Stilfserjoch Nationalpark prägt sich dem Besucher ein. Die Fläche des Gemeindegebietes von Martell liegt zur Gänze im Nationalpark Stilfserjoch. Als eines der größten Schutzgebiete des Alpenraumes, weist er ebenso eine Vielzahl an Alpentieren, wie eine Vielfalt an Pflanzen auf. Um dieses Gebiet und vor allem die Tier- und Pflanzenvielfalt beizubehalten werden seit dem Jahr 2000 im Martelltal vier Bartgeier wiederangesiedelt. Dem Besucher bietet sich die Möglichkeit die jungen Bartgeier in ihrer Hornnische zu betrachten und ihre ersten Flugversuche zu beobachten.
Monika Feierabend

Diese Seite verwendet Cookies für funktionale und analytische Zwecke. Lesen Sie unsere Cookie-Richtlinien für weitere Informationen. Durch die Nutzung dieser Website erklären Sie sich damit einverstanden.