„Feuer frei“ für die „Murmel 125“.

Mit „Feuerwerk“ gezielt Lawinen auslösen

Publiziert in 5 / 2014 - Erschienen am 12. Februar 2014
Nicht vom Hubschrauber aus mit Sprengstoff, sondern vom Boden aus mit pyrotechnischen Wirkkörpern. Vorführungs-Premiere in Trafoi. Trafoi - Besonders der heurige Winter zeigt, wie ernsthaft die Lawinengefahr sein kann. Vor allem in Trafoi sowie im gesamten Gemeindegebiet von Stilfs sind Lawinenabgänge seit jeher „normal“. Es war kein Zufall, dass in der Gemeinde Stilfs in den 1970er Jahren Südtirols erste Lawinenschutzkommission eingesetzt wurde. Seit jeher mit dabei ist Alfred Thöni aus Trafoi. Er gilt als Pionier in der Bekämpfung der weißen Gefahr, vor allem auch, was die künstliche Lawinenauslösung mit Hilfe von Sprengstoff betrifft. Nun ist es Alfred Thöni gelungen, Vertreter der Firma Elma-Tech aus St. Florian bei Linz in Oberösterreich erstmals zu einer Vorführung einer relativ neuen Technologie zur künstlichen Lawinenauslösung einzuladen. An drei Stellen im Umkreis der Furkelhütte wurde gezeigt, wie Lawinen mit speziellen Werfern, die pyrotechnische Wirkkörper abfeuern, künstlich ausgelöst werden können. Es war dies die erste Vorführung dieser Art in Südtirol und ganz Italien. Unterstützung hatte Alfred Thöni vor allem bei Sergio Compagnone gefunden, der bei der Quästur in Bozen für Waffen und Sprengstoffe zuständig ist, sowie bei Bergingenieur Andrea Boghetto aus San Martino di Castrozza in der Provinz Trient. Abgesehen davon, dass der Einsatz von Sprengstoffen in Italien aufgrund penibler Vorgaben und Vorschriften nach wie vor kompliziert und schwierig ist, bereitet die künstliche Lawinenauslösung mit Sprengstoff vom Hubschrauber aus noch weitere Probleme. „Fixe Anlagen mit Sprengstoff sind in Italien nach wie vor nicht möglich“, sagt Reinhard Pinggera von der Forststation Prad, der in Vertretung des Stilfser Bürgermeisters Hartwig Tschenett als Mitglied der Lawinenschutzkommission Stilfs an der Vorführung teilgenommen hat. Wie Pinggera verweist auch Alfred Thöni darauf, dass die Lawinenauslösung vom Hubschrauber aus zudem mit hohen Kosten verbunden ist. Außerdem kann nicht bei jedem Wetter geflogen werden. Das Interesse am neuartigen System der künstlichen Lawinenauslegung war groß. Neben den Bürgermeistern von Graun, Laas und Prad, Heinrich Noggler, Andreas Tappeiner und Hubert Pinggera, waren auch Vertreter mehrerer Bergrettungsdienste aus dem Ortlergebiet und darüber hinaus, Mitglieder des Bergrettungsdienstes der Finanzwache, sowie Vertreter von Lawinenschutzkommissionen, des Lawinenwarndienstes (Rudi ­Nadalet) und von Skigebieten ins tief verschneite Trafoi gekommen, so etwa auch Anton Schneider, der Betriebsleiter des Skigebietes Speikboden. „Wir arbeiten derzeit mit dem so genannten GAZEX-System“, so Schneider dem der Vinschger gegenüber. Diese vorbeugende Lawinenauslösung durch die Explosion eines Propan-Sauerstoff-Gemisches mit Hilfe installierter Zündrohre sei aber ziemlich teuer. Wie funktioniert „Lawin Locker“? Wie die „Lawin Locker“-Systeme in der Praxis funktionieren, führte Herbert Steinleitner, Geschäftsführer und Inhaber von Elma-Tech, zusammen mit Michael Steinleitner und Tamara Steinleitner vor. Elma-Tech hat sich auf das Auswerfen von pyrotechnischen Wirkkörpern mit unterschiedlichen Inhaltsstoffen spezialisiert, und das nicht nur in Sachen Lawinenprävention, sondern auch in der Brandvorbeugung und in anderen Bereichen. Für die künstliche Lawinenauslösung wurden mehrere Geräte entwickelt. In Trafoi wurde die Rucksackversion der „Murmel 125“ vorgeführt und getestet. Es handelt sich um einen ca. 25 kg schweren, tragbaren Kurzstreckenwerfer für Wurfweiten bis zu 300 Meter. „Geschossen“ wird mit einem Zünder von einem sicheren Abstand aus. Ebenfalls noch tragbar ist die Doppelrohrversion dieses mobilen Kurzstreckenwerfers. Auch mobile sowie statio­näre Weitstreckenwerfer („Großer Bär“) für Wurfweiten bis zu 850 Meter wurden entwickelt. „Unsere Geräte sind kostengünstige, bedienerfreundliche, umweltschonende und wartungsfreie technische Multitalente“, so Herbert Steinleiter. Zumal pyrotechnische Wirkkörper als Munition benutzt werden, fallen Vorschriften, wie sie für den Umgang mit Sprengstoffen gelten, flach. Einige der Versuche in Trafoi, die unter eher schlechten Wetterbedingungen durchgeführt wurden, verliefen erfolgreich, andere weniger. Um die Werfer bedienen zu können, genügt laut Herbert Steinleitner eine zweitätige Ausbildung. Bisher wurden 30 „Lawin Locker“-Systeme in Österreich und je eines in Griechenland und Deutschland installiert. Eine Möglichkeit, um das Stilfserjoch früher zu öffnen? Bei einer Nachbesprechung mit Marende im Dalliada-Hof in Trafoi, stimmten mehrere Bürgermeister sowie Vertreter von Skigebieten darin überein, dass die neue Technologie vor allem für Skigebiete durchaus interessant sein könnte. Mehrfach angeregt wurde der Einsatz dieser Techniken auch entlang der Passstraße auf das Stilfserjoch. „Wenn Lawinen auf diese Art künstlich ausgelöst werden, ist es vielleicht möglich, die Passstraße künftig früher für den Verkehr zu öffnen,“ meinten Alfred Thöni und mehrere Bürgermeister. Sepp
Josef Laner
Josef Laner
Vinschger Sonderausgabe

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