Mit jungen Wählern im Gespräch

Publiziert in 17 / 2015 - Erschienen am 6. Mai 2015
Viscnhgau - Anlässlich der Gemeinderatswahlen am 10. Mai hat der Vinschger einige junge Wähler befragt. Dabei wurde versucht herauszufinden, wie die „neue Generation“ zur Politik in ihrer Gemeinde steht und wie sie überhaupt über Politik denkt. Wir fragten nach, ob sie sich mit Kandidatenlisten ihrer Gemeinden befasst haben, was sie zur allgemeinen Politikverdrossenheit sagen, was ihre Kandidatenauswahl beeinflusst, warum das Interesse an einer Kandidatur gering ist und ob sie sich in ihrer Gemeinde angemessen vertreten fühlen. Fabian ­Brenner (21, Arbeitnehmer aus Gomagoi): Ich habe mich bereits mit den Kandidatenlisten meiner Heimatgemeinde Stilfs befasst. Leider war 2010 nur eine Partei vertreten. Meiner Meinung nach ist es für unser Dorf ein Gewinn, dass heuer eine neue Liste dazukommt. Damit wird eine demokratische Wahl für die Bürger gewährleistet. Ich denke, dass das Desinteresse an Politik vor allem von den Eltern bzw. Erwachsenen an die Jugendlichen übertragen wird. Meines Erachtens lassen sich viele Jugendliche zu schnell beeinflussen. Aber auch die fehlenden politischen Mitspracherechte der unter 18-Jährigen sind zu nennen. Meine Wahl fällt auf jene Kandidaten, die sich in Bereichen engagieren, die für mich wichtig sind. Viele Bürger sind enttäuscht von der Politik, haben jedoch nicht den Mut bzw. zeigen kein Interesse für eine eigene Kandidatur. Ich persönlich fühle mich in meiner Gemeinde nur bedingt angemessen vertreten. Lukas Mair (21, Student aus Schlanders): Ich habe mich mit den Kandidatenlisten noch nicht näher befasst. Schuld an der Politikverdrossenheit sind sicher auch die zahlreichen Skandale in den letzten Jahren. Aus meiner Sicht wird wenig auf die Bedürfnisse der Bürger geachtet und die Politiker handeln nach ihrem eigenen Interesse. Ich schaue bei meiner Wahl primär auf die Partei. Sogar wenn ein Bekannter der „falschen“ Partei angehört, werde ich ihn nicht wählen. Die formulierten Ziele einer Person sind für mich auch wichtig, das hängt dann meist aber auch mit dem Parteiprogramm zusammen. Ich glaube, dass viele junge Leute sich erst mal beruflich orientieren müssen oder sich auf das Studium konzentrieren. In der Politik sind meistens Leute vertreten, die beruflich schon etwas erreicht haben und oft noch eine zusätzliche Herausforderung suchen. Angemessen vertreten fühle ich mich nicht. Auch die Reaktion der Politiker auf die Volksbefragung in Mals zeigt, dass in Gemeinderäten nicht immer das Wohl der Bürger an erster Stelle steht. Positiv finde ich, dass in Schlanders die Sportzone erweitert wird. Elias ­Gentilini (21, Arbeitnehmer aus Burgeis): Ich habe die Kandidatenliste kurz überflogen, habe mich aber nicht genauer damit befasst. Es fehlt das Vertrauen der Bürger überhaupt. Ich habe das Gefühl, dass nichts vorwärts geht. Auf zahlreichen Versprechungen folgen kaum Taten. Mir geht es bei der Wahl der Kandidaten in erster Linie um die Person. Wichtig sind mir die Sympathiewerte und ob ich eine Person für vertrauenswürdig einstufe. Ich glaube, dass sich viele junge Leute nicht zutrauen, eine politische Funktion zu übernehmen. Man hat auch andere Interessen wie Sport, Ausgehen oder für sich den geeigneten Berufszweig zu finden. Ich finde es nicht richtig, dass letztes Jahr das Ergebnis der Volksbefragung in Mals im Gemeinderat keine Mehrheit fand. Franz ­Tappeiner (22, Bauer aus Schlanders): Bisher habe ich mich nur mit den Kandidaten aus meinem Berufsstand auseinandergesetzt. Aus meiner Sicht denken sich viele, dass man sowieso keinen Einfluss auf die Handlungen der Politiker hat und dies führt oft zu Desinteresse. Den jungen Leuten fehlt auch oft die Vorstellung wie Politik betrieben wird, weil sie vielleicht keinen direkten oder indirekten Bezug dazu haben. Für viele ist die Politik nicht transparent genug. Man hat wenig Einblick in die Handlungen und Entscheidungen. Für mich spielt der Berufstand sicher eine entscheidende Rolle bei meiner Wahl. Junge Leute schauen zunächst auf den Schulabschluss und den Beruf und denken nicht daran, sofort in die Politik einzusteigen. Im Interesse meines Berufsstandes fühle ich mich recht gut vertreten. Im Allgemeinen finde ich aber, dass die Jugendlichen nicht genügend vertreten werden in der Gemeinde. Ich glaube, es fehlt oft das Verständnis für die neuen Interessen der Jugendlichen, weil diese für die Erwachsenen teilweise neu und ungewohnt sind. Interviews: David Lechthaler
Vinschger Sonderausgabe

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