Tarscher Alm, Jänner 2011: Jaime Lorenzo Blanco fühlte sich von allen Touristikern, Verwaltern und Banken verlassen.

Nach dem Ende kommt wieder ein Anfang

Publiziert in 28 / 2012 - Erschienen am 18. Juli 2012
Am 19. September 2012 kommt das Skigebiet Tarscher Alm in der Konkursabteilung des Landesgerichtes Bozen nach langer Zeit wieder ins Gespräch. Latsch/Tarsch - „Er ist kein unguter Mensch. Der Verwaltung hat er ganz korrekt mitgeteilt, dass er nicht mehr kann.“ Durch die Wirtschaftskrise seien ihm die Investoren abgesprungen. So schilderte man im Bauamt Latsch den vorläufig letzten Auftritt von Jaime Lorenzo Blanco aus Madrid. 16 Monate nachdem er den Me­dien in Bozen euphorisch mitgeteilt hatte: „Am 22. Dezember wird auf der Tarscher Alm wieder Ski gefahren. Vamos ad abrir!“ Im bittersten Sinn des Wortes marschierte Blanco ohne Rücksicht auf Verluste durch. Er holte sich immer mehr „Getreue“ von der iberischen Halbinsel und wurde gegenüber den einheimischen Mitarbeitern zunehmend misstrauischer. Mit der Eigenverwaltung Tarsch kommunizierte man nur mehr auf Anwaltsebene und mit den Touristikern überhaupt nicht. Nachdem Blanco 1,5 ­Millionen Euro investiert hatte, lancierte der spanische Unternehmer im April des Jahres 2011 selbst das Gerücht des „Winterschlussverkaufs“. Zehn Jahre lang sollte ihm ein Käufer Raten in der Höhe von 160.000 Euro zahlen für vier Aufstiegsanlagen, zwei Restaurants, Schneekanonen und Pistenfahrzeuge auf einer Grundstücksfläche von 2.361 Quadratmetern. Er selbst hatte die Konkursmasse der Skicenter GmbH 2008 um 640.000 Euro ersteigert. Mit einem Darlehen hatte er Revisionsarbeiten durchführen und sich vor allem von Arbeitern aus Nordafrika ein exclusives Berghotel, „eine alpine-Lodge“, errichten lassen. Offene Rechnungen Derzeit haben 20 Betriebe aus dem Vinschgau, davon sechs aus Latsch, bei Nature Pure Rechnungen offen. Auch bei kleineren Handwerkern steht die Gesellschaft mit Beträgen zwischen 30.000 und 45.000 Euro in der Kreide, ganz zu schweigen von der Firma Leitner und dem Stromlieferanten ENEL. Am 16. April 2012 wurde der Konkurs eröffnet; am 19. September soll der erste ­Kassensturz erfolgen. Fraktionsvorsteher Ernst Sachsalber machte sich aber keine Illusionen: „Wir hatten einen Nutzungsausfall von einem Jahr und Schäden an der Zufahrtsstraße, aber wir werden leer ausgehen. Zuerst kommt der Staat, dann die Bank und dann vielleicht wir“, meinte er. Nur Blancos erster Ansprechpartner in Latsch, Franz Rinner, der sich teilweise „die Haxen ausgerissen hat“, um dem Skigebiet eine Chance zu geben, sieht in der betrüblichen Entwicklung auch etwas Positives: „Wenn ich nur nicht zu alt wäre, ich würde sofort zugreifen. So etwas Exklusives… Was man doch daraus machen könnte…“ Er begann Ideen zu entwickeln. „Es ist auch ein Glück, dass Blanco gekommen ist. Ich bin überzeugt, dass die Alm aufgewertet worden ist und dass es wieder einen Anfang gibt.“ Günther Schöpf
Günther Schöpf
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