Nachwehen und Nachfreuden

Publiziert in 39 / 2013 - Erschienen am 6. November 2013
Das Abschneiden der Vinschger Kandidaten/innen. Wer ­bekam in welcher Gemeinde wie viele Stimmen? Vinschgau - Nachdem wir uns in der Ausgabe der vergangenen Woche vor allem auf die Wahlergebnisse der Parteien im politischen Bezirk Vinschgau konzentriert haben, stellen wir dieses Mal das Abschneiden von Vinschger Kandidaten und Kandidatinnen in den 13 Gemeinden ihres Heimatbezirks sowie auf Landesebene in den Mittelpunkt. Außerdem haben wir weitere Stellungnahmen eingeholt und dabei unter anderem gefragt, was die Vertreter der Oppositionsparteien von einer Koalition mit der SVP halten. „Dreier-Team teils nur Fassade“ Nach außen habe es zwar so ausgesehen, als würde im ­Vinschgau das Dreier-Team Theiner, Noggler und Gunsch Koch gleichermaßen mitgetragen, doch das sei teilweise nur Fassade gewesen. So kommentierte die SVP-Bezirksobfrau Roselinde Gunsch Koch zwei Tage nach der Landtagswahl ihr Wahlergebnis. Mit insgesamt 3.987 Vorzugsstimmen, von denen sie 3.211 in ihrem Heimatbezirk bekam, hat sie den Einzug in den Landtag bei weitem verfehlt. Hinter der „Fassade“ sei es so gewesen, „dass zum Beispiel die Landwirtschaft zu ihren eigenen Kandidaten gestanden ist.“ Gunsch Koch tröstet sich damit, „dass mich die Frauen sehr wohl gewählt haben.“ Außerdem habe sie im Gegensatz zu anderen einen bescheidenen Wahlkampf mit bescheidenen Mitteln geführt. Der Ausgang der Wahlen habe gezeigt, dass die Rechnung jener, die einen professionellen Wahlkampf mit viel Werbung bestritten haben, großteils aufgegangen sei. Hinzu kam noch, dass zusätzlich zum Vinschger Dreier-Team auch Arnold Schuler oft als „Vinschger Kandidat“ genannt und gehandelt wurde, obschon er eigentlich aus dem Bezirk Burggrafenamt stammt. Als Obfrau der SVP Vinschgau habe sie sich nichts vorzuwerfen: „Theiner und Noggler wurden gut gewählt“, so Gunsch Koch. Wie es nun konkret mit ihr weitergeht, wollte sie nicht sagen: „Wir werden uns mit dem Wahlergebnis zunächst ausführlich in der Bezirksleitung befassen.“ „Koalition wäre erstrebenswert“ Den neuerlichen Stimmenzuwachs der Freiheitlichen im Bezirk Vinschgau begründet der Bezirkssprecher Peppi ­Stecher nicht so sehr damit, dass auf bezirksspezifische Themen gesetzt wurde, sondern auf Themen, die ganz Südtirol betreffen: „Die Freiheitlichen punkten mit Südtirol-Themen im Allgemeinen.“ Auf die Frage, warum es der Westen auch dieses Mal nicht geschafft, einen eigenen blauen Vertreter in den Landtag nach Bozen zu schicken, meinte der Bezirkssprecher: „Der Listenplatz ist offensichtlich ausschlaggebend für ein Mandat!“ Und was hält Stecher von einer Koalition zwischen der Südtiroler Volkspartei und den Freiheitlichen? Peppi Stecher: „Eine Regierungsbeteiligung wäre erstrebenswert, und aufgrund des Wahlergebnisses für Südtirol sinnvoll. Realistisch scheint es mir aber nicht, denn die Erneuerung der SVP wird dann wohl nicht so weit gehen.“ „Koalition nur dann, wenn...“ Neben den Freiheitlichen und der Süd-Tiroler Freiheit haben auch die Grünen im Vinschgau an Zuspruch gewonnen. Laut Martin Daniel konnten sie mit folgenden Themen punkten: Bürgerbeteiligung, Aufklärung von Vetternwirtschaft und Betrügereien, Schutz der Gesundheit und Bewahrung des Lebensraums vor einer Landschaftsveränderung, die von großen Teilen der Bevölkerung abgelehnt wird. „Die Grünen tun sich auf dem Land traditionell schwerer als in der Stadt“, so Daniel. ­Grüne Kernthemen wie Mehrsprachigkeit, Migration oder Vereinbarkeit von Familie und Beruf brennen den Menschen auf dem Land weniger unter den Nägeln, weil die Lebenswirklichkeit eine ganz andere ist. Zudem sei der Vinschgau ein stark landwirtschaftlich geprägter Bezirk, was sich auf die politische Meinungsbildung auswirke. In der öffent­lichen Wahrnehmung werden die Grünen gerne als Gegner dieser eher konservativen Lebenswelt gezeichnet, dabei könnte gerade aus einer Zusammenführung von Landwirtschaft und Ökologie ein qualitatives Wachstum ange­stoßen werden. Ist eine Koalition SVP/Grüne denkbar? Daniel: „Eine solche Regierungszusammenarbeit böte einerseits eine interessante Möglichkeit für eine wirklichen Erneuerung im Land. Andererseits kommt eine Koalition nur in Frage, wenn unsere Stimmen ausschlaggebend für die Mehrheit sind und wesentliche grüne Anliegen Eingang in das Regierungsprogramm finden.“ „Viel Zuspruch bei jungen Leuten“ Die Süd-Tiroler Freiheit hat sowohl im Vinschgau als auch auf Landesebene zugelegt. „Wir haben eine Riesenfreude mit dem Vinschger Ergebnis, mit dem Abschneiden auf Landesebene und mit dem dritten Mandat“, sagt Bezirkssprecher Alfred Theiner. Den Stimmenzuwachs führt er vor allem darauf zurück, dass seine Bewegung die Volkstumspolitik an die erste Stelle gesetzt hat. „Bei der Südtiroler Volkspartei war Bruno Hosp der letzte, wirkliche Volkstumspolitiker.“ Die Süd-Tiroler Freiheit sei mit vielen jungen Kandidaten angetreten, „und wir konnten dann auch bei vielen jungen Menschen punkten“, resümiert Alfred Theiner. In die Hände gespielt hätten seiner Bewegung nicht zuletzt auch die politischen Zustände in Rom: „Immer mehr Menschen wollen sich von diesem Staat distanzieren.“ Die patriotischen Kräfte in Südtirol seien im Wachsen begriffen. Ähnliches beobachte man seit einiger Zeit auch in Schottland, Katalonien und anderen Regionen in Europa. Die SVP werde der Frage, wie es mit Südtirol in Zukunft weitergehen soll, früher oder später nicht mehr ausweichen können. Innerhalb der Süd-Tiroler Freiheit sei eine Aufbruchstimmung festzustellen. Alfred Theiner: „Wir haben im Vinschgau Strukturen aufgebaut und es gibt in allen Gemeinden Ansprechpartner.“ Das Wahlergebnis verleihe der Süd-Tiroler Freiheit auch Aufwind im Hinblick auf die nächsten Gemeinderatswahlen. sepp
Josef Laner
Josef Laner

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