1. Reihe (von rechts) Christian Folie, Heiner Schweigkofler, Stefano Favaretto, Richard Theiner, Dieter Pinggera; 2. Reihe (von rechts) Susanne Pragal, Monika Wunderer, Emma Pobitzer

Netzwerkgedanke im Vinschgau sehr gut Fuß gefasst

Publiziert in 40 / 2012 - Erschienen am 7. November 2012
Vor 30 Jahren wurde die erste Anlaufstelle für Suchtkranke im Vinschgau ­eröffnet. Inzwischen finden jährlich über 400 Menschen professionelle Hilfe. Schlanders – Die engagierte Sozialarbeiterin Anne Wiegand aus Deutschland stellte vor drei Jahrzehnten fest, dass es im Vinschgau trotz großer Alkoholprobleme keine Anlaufstelle für Betroffene gab. Sie machte sich daran, mit Unterstützung der Caritas eine solche aufzubauen. Der Dienst stieß anfangs auf Skepsis und Abwehr und die ersten Beratungsgespräche fanden vorwiegend im Krankenhaus oder bei den Betroffenen zuhause statt. 1991 bezog die Beratungsstelle die Räume im Widum von Schlanders, wo sie auch heute noch ist. Inzwischen hat sich der Caritas-Dienst „Beratung und Unterstützung für Menschen mit Suchtkrankheiten“ im gesamten Vinschgau etabliert und bietet professionelle Beratung, Begleitung und Nachsorgeangebote bei substanzgebundenen Abhängigkeiten wie Alkohol-, Drogen- oder Nikotinsucht, aber auch bei Spiel- und Kaufsucht sowie bei Essstörungen an. Kürzlich feierte die Beratungsstelle, die seit 21 Jahren von Christian Folie geleitet wird, gemeinsam mit Netzwerkpartnern und Betreuten ihr 30-jähriges Bestehen. „Wenn Professionalität und Herzlichkeit zusammenkommen, entsteht eine chemische Reaktion, und es entsteht ‚Caritas‘“, sagte Caritas-Direktor Heiner Schweigkofler. Er gratulierte der Beratungsstelle zu ihrem 30-jährigen Bestehen und dankte gleichzeitig seinen anwesenden Vorgängern Alois Müller und Franz Kripp sowie Heinrich Kofler, dem ehemaligen Bürgermeister von Schlanders für deren Weitsicht. Dass die psychosoziale Betreuung vor 30 Jahren nicht das große Thema im Vinschgau war, und dass das Bedürfnis danach in der Öffentlichkeit nicht angesprochen wurde, bestätigte Landesrat Richard Theiner. Heute kommen viele Menschen mit den zu früher unvergleichlichen Anforderungen und dem Druck des Gesellschaftssystems nicht mehr zurecht. Er lobte die Zusammenarbeit zwischen den Netzwerkpartnern ebenso wie Karin Sonnerer vom Therapiezentrum Bad Bachgart, Susanne Pragal vom Krankenhaus Schlanders und Giorgio Vallazza, Leiter des Zentrums für psychische Gesundheit . Rückblickend erinnerte Christian Folie an die früher landläufige Meinung, Alkoholismus sei eine Charakterschwäche und eine persönliche Schuld. Erst 1954 wurde der Alkoholismus als Krankheit anerkannt. Ziel der Beratungsstelle sei es, dass die Betroffenen wieder ein zufriedenes Leben finden, im Einklang mit ihren Familien und der Arbeit. In diesem Zusammenhang kommen Gruppentherapien und den Selbsthilfegruppen eine besondere Rolle zu. Einige Mitglieder der Selbsthilfegruppen betonten bei der Feierstunde, dass sie in der Gruppe Halt gefunden haben, dass sie sich dort aufgehoben fühlen und die Gruppentherapien mit einer psychologischen Fachkraft nicht missen möchten. Ingeborg Rechenmacher
Ingeborg Rainalter Rechenmacher
Ingeborg Rainalter Rechenmacher
Vinschger Sonderausgabe

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