Neulastenverteilung

Publiziert in 19 / 2014 - Erschienen am 21. Mai 2014
Früher war alles besser? Nein, morgen scheint alles besser zu werden. Wer die politische Berichterstattung in Südtirol in den vergangenen zwölf Monaten verfolgt hat, dem wird sicherlich aufgefallen sein, dass es ein dreibuchstabiges Zauberwort gibt, das man bei jeder Gelegenheit und in allen möglichen Kombinationen antrifft: Eine „neue Politik“ wird gefordert, eine „neue Glaubwürdigkeit“ angestrebt, ein „neuer Stil“ versprochen, eine „neue Art des Umgangs“ angeboten und eine „neue Form der Mitbestimmung“ verlangt – anscheinend ein „Neuanfang“ quer durch die Parteien und Bezirke. Weil ein männlicher Politiker bewusst auf einem Frauenparkplatz geparkt hat, sieht manch einer sogar Potential für eine „neue Diskussion“. Allen Verwendungsweisen ist jedoch eines gemein: Sie suggerieren, dass „neu“ automatisch auch für „besser“ steht. In den allermeisten Fällen bedeutet „neu“ aber nur „anders“ und oft nicht einmal das. Wahrscheinlich steckt hinter dem Wunsch nach dem vielgepriesenen Neuen einfach nur die Sehnsucht nach alten (zeitlosen?) Werten: Ehrlichkeit, Selbstlosigkeit, Gerechtigkeit.z
Christian Zelger
Christian Zelger
Vinschger Sonderausgabe

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