Die Schülerinnen der 4. Klasse der Fachschule Kortsch mit der Lehrerin Brigitte Wellenzohn (rechts).

Nicht nur Bäuerin, sondern auch Frau

Publiziert in 8 / 2013 - Erschienen am 6. März 2013
Neben der Arbeit am Hof und in der Familie sollen sich die Bäuerinnen auch Zeit für sich selbst nehmen. Kortsch - Die Bäuerin arbeitet am Hof mit, ist oft das Rückgrat der Familie und nicht selten die Seele im Nebenerwerb, zum Beispiel in Betrieben, die Urlaub auf dem Bauernhof anbieten oder landwirtschaftliche Produkte veredeln. Trotz oder gerade aufgrund dieser Mehrfachbelastung sollten sich die Bäuerinnen auch Zeit für sich selbst nehmen, um Frau zu sein und für sich selbst einen „inneren Garten“ anzulegen. Das war die zentrale Botschaft, mit der die Landtagsabgeordnete Maria Hochgruber Kuenzer am 26. Februar im Haus der Dorfgemeinschaft in Kortsch aufwartete. Sie hielt den Festvortrag beim Bezirksbäuerinnentag, zu dem die Bezirksbäuerin Ingeborg Rainalter­ Rechenmacher nicht nur viele Bäuerinnen begrüßen konnte, die fast alle in Tracht gekommen waren, sondern auch eine Reihe von Ehrengästen. Jede Bäuerin sollte sich laut Hochgruber Kuenzer Gedanken darüber machen, welche Beete sie im „inneren Garten“ anlegen will: „Ein Beet kann die Einteilung der Zeit sein. Wir müssen uns fragen, ob für uns selbst nach allen Verpflichtungen am Hof, im Haus und in der Familie noch Zeit übrig bleibt. Füllt den inneren Garten mit Blumen, reißt Unkraut aus und sucht nach dem, was ihr wirklich, wirklich wollt. Wir sind nicht nur Bäuerinnen, sondern auch Frauen“, so die Landtagsabgeordnete. „Bäuerin sein - Frau sein“ lautete auch das Motto des heurigen Bezirksbäuerinnentages. Was essen wir morgen? Mit dieser Frage beschäftigte sich der diplomierter Ernährungswissenschaftler Gerd Locher vom „Cluster Alimentaris“ am TIS Innovation Park. Locher zeigte auf, welche Veränderungen und Trends im Bereich der Ernährung auf uns zukommen. Die Globalisierung habe dazu geführt, dass heutezutage in der westlichen Welt fast alle Produkte aus aller Welt immer und überall zu haben sind. Auch Veränderungen in der Gesellschaft schlagen sich auf das Essverhalten und die Ernährung insgesamt nieder: „In Meran zum Beispiel gibt es schon jetzt mehr Einzel- als Familienhaushalte. Immer mehr Menschen haben immer weniger Zeit zum gemeinsamen Essen. Man isst immer häufiger außer Haus oder unterwegs. Immer mehr Frauen haben einen höheren Bildungsgrad und werden in Zukunft viel stärker in der Arbeitswelt beschäftigt sein.“ Es werde daher laut Locher nicht mehr selbstverständlich sein, dass die Frauen kochen. Als starke Trends in der Ernährung nannte Locher die Gesundheit, die Frische und die Regionalität der Produkte: „Es ist eine starke Sehnsucht nach Produkten festzustellen, die authentisch sind, also von daheim.“ Insofern könne man von einem „Vorwärts zum Ursprung“ sprechen. Was die Vinschger Bäuerinnen seit 2011 bis jetzt unternommen haben, verdeutlichte ein Rückblick mit Texten und Bildern. Die Palette reichte von Lehrausflügen und Kursen über gesellige und solidarische Veranstaltungen bis hin zu Wanderungen, Vorträgen, Ausstellungen, Kochseminaren und vielen weiteren Tätigkeiten. Ingeborg Rainalter Rechenmacher dankte allen, die sich eingebracht bzw. und an der Veranstaltungen teilgenommen hatten. Einen besonderen Dank zollte sie der Fachschule für Hauswirtschaft und Ernährung Kortsch mit Schulleiter Martin Unterer an der Spitze. Die Schülerinnen der 4. Klasse der Fachschule warteten beim Bezirksbäuerinnentag mit kulinarischen Häppchen auf. Viel Applaus gab es außerdem für die Einlagen der Sängerinnen der „Kraftquelle Singen“ unter der Leitung von Martina Wienchol. Neben afrikanischen waren auch indianische Lieder zu hören. Als Theaterspielerinnen überzeugt haben Monika und Tamara mit einer Einlage, in der das traditionelle und moderne Bäuerin- bzw. Frau-Sein auf humorvolle Art thematisiert wurde. Im Saal und Foyer waren Stoffapplikationen kreativer Vinschger Bäuerinnen zu sehen. Diese und andere Arbeiten waren bereits im Frauenmuseum in Meran ausgestellt worden. „Am Hof führt meistens die Frau die Regie“ Gruß- und Dankesworte an die Bäuerinnen und speziell an die Bezirksbäuerin und ihren Ausschuss überbrachten die Landesbäuerin Hiltraud Erschbamer, Bezirksbauerbundobmann Andreas ­Tappeiner, Martina Niedermair, die Bezirksleiterin der Bauernjugend, Georg Stillebacher im Namen der Senioren im Bauernbund, sowie der Landtagsabgeordnete Sepp Noggler. „Neben dem wirtschaftlichen Aspekt auf den Höfen sind die Bäuerinnen auch Garant für Wohlbefinden und Geborgenheit in der Familie,“ sagte Tappeiner. Die Bezirksbäuerin dankte Tappeiner für die sehr gute Zuammenarbeit und bedauerte, dass Tappeiners Amtszeit als Bezirksobmann heuer zu Ende geht. Noggler freute sich, dass das Selbstbewusstsein der Bauern mittlerweile stark gewachsen ist. Auf den Höfen seien es zumeist die Frauen, welche die Regie führen. Mitunterstützt haben den gelungenen Tag der Bäuerinnen die Zweigstelle Schlanders der Landwirtschaftlichen Hauptgenossenschaft, die Raiffeisenkasse Schlanders und der Hofschank „Himmelreich-Hof“. Sepp Laner
Josef Laner
Josef Laner

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