Innerhalb September soll über die Zukunft der Haider Alm entschieden werden.

„Noch immer zu wenige Zahlen auf dem Tisch“

Publiziert in 29 / 2013 - Erschienen am 27. August 2013
Techniker ist bei der Arbeit. Gemeinde will Mediator einschalten. BM Heinrich Noggler weist Vorwürfe zurück. Graun - Schon seit Monaten lässt die Diskussion rund um die Skigebiete in der Gemeinde Graun die Wogen hochgehen. „Es wird zum Teil rein emotional diskutiert, also fernab von der Realität,“ sagt Bürgermeister Heinrich Noggler. Tatsache sei, dass bis dato noch immer zu wenige konkrete ­Zahlen und verbindliche Zusagen vorliegen, um eine verantwortungsbewusste Entscheidung im Gemeinderat fällen zu können. Im Gesamtkonzept „Sanierung durch qualitative Aufwertung Haider Alm-Maseben mittels Gletscheranbindung“ steht unter anderem, dass die Vorfinanzierung des Projektes von insgesamt 25 Millionen Euro gegeben sei. Nicht wenige werfen der Gemeinde vor, dass sie diese Millionen nicht nutzen will. Im bisher einzigen Schreiben, datiert mit 12. Juni 2013, das die Kaunertaler Gletscherbahn an die Gemeinde Graun geschickt hat, wird davon gesprochen, dass eine Anbindung von ­Langtaufers an das Kaunertal in beiden Regionen zu einer touristischen Aufwertung führen würde. Neben der Gletscheranbindung werden der Bau einer neuen Gondel- oder Sesselbahn auf der Haider Alm und ein Zusammenschluss mit dem Watles als vorrangige Ziele genannt. Nur unter bestimmten Voraussetzungen erklärt sich die Kaunertaler Gletscherbahn bereit, bis zu 500.000 Euro für Liquiditätsengpässe bei der Haider Alm AG bereitzustellen.  Als Voraussetzungen wünschen sich die Kaunertaler Gletscherbahn bzw. der Investor Hans ­Rubatscher verbindliche Beschlüsse des Gemeinderates für die vorgeschlagenen Projekte und verbindliche Zusagen des Landes für Zuschüsse im Ausmaß von 75%. Wie Heinrich Noggler dem der Vinschger bestätigte, hat Landeshauptmann Luis Durnwalder bei einer Aussprache in Bozen kürzlich eine 75prozentige Unterstützung für die Gletscheranbindung in Aussicht gestellt, allerdings nur, wenn es einen Konsens für dieses Großraumskigebiet gibt. Außerdem würden nur 75% der anerkannten Baukosten vom Land übernommen und für Investitionen auf der Haider Alm würden nur ca. 40% gewährt, da es sich nicht um einen Zusammenschluss von Skigebieten handelt. Pauschale Angaben reichen nicht Nur mit pauschalen Kostenschätzungen können Entscheidungen dieser Tragweite laut Noggler nicht gefällt werden: „Da braucht es schon konkrete Berechnungen und verbindliche Finanzierungszusagen. Wir müssen wissen, wieviel die Lawinenverbauungen kosten, die Beschneiungsanlagen und weitere Infrastrukturen.“ Mit der Ermittlung dieser Zahlen und Kosten hat die Gemeinde unlängst einen Ingenieur aus Bozen als neutralen Techniker beauftragt. Er soll die Zahlen und Daten bis spätestens Anfang September liefern. Ingenieur Erwin Gasser, der bereits eine Studie für die sogenannte gemeindeinterne ­Lösung erstellt hat, die einen Zubringerlift von St. Valentin auf der Haide ins Skigebiet Schöneben vorsieht, soll diese Studie weiter vertiefen. In St. Valentin wurden indessen eine Unterschriftensammlung sowie eine Online-Petition gestartet. Es werden eine Anbindung an das Kaunertal sowie der Erhalt und Ausbau der Haider Alm gefordert. Der Gemeinde und der Schöneben AG wird unterstellt, den Abbau der Lifte Panorama, Dreiersessel und Seeboden auf der Haider Alm zu fordern. Der Bürgermeister dazu: „Der Erhalt der Haider Alm liegt uns als Gemeinde sehr am Herzen. Niemand will, dass die Haider Alm zusperrt. Als Gemeindeverwalter müssen wir aber die Entwicklung aller drei Skigebiete im Auge behalten. Grundsätzlich sind wir für alle Optionen offen.“ Wenn alle Zahlen auf dem Tisch liegen, ist eine Vorstellung im Gemeinderat geplant. Anschließend soll es auch eine Bürgerversammlung geben. Gemeinde engagiert Mediator Für die Abwicklung dieser Schritte will die Gemeinde einen neutralen Mediator engagieren, der im Vorfeld auch alle Akteure an einen Tisch bringen soll. Die endgültige Entscheidung wird der Gemeinderat voraussichtlich innerhalb September fällen. Die Zeit drängt, weil ein Dekret der Regierung Monti vorsieht, dass Gemeinden ihre Anteile an Gesellschaften, die seit 3 Jahren defizitär arbeiten, innerhalb 30. September abstoßen müssen. Die Gemeinde hält bei der Haider AG knapp 60% der Anteile. Bekanntlich ist die AG mit ca. 750.000 Euro verschuldet und für Revisionen und Instandhaltungen braucht es für die nächsten 3 Jahre ca. 1,2 Mio. Euro. Dazu liegt der Gemeinde keine schriftliche Übernahmeerklärung von Seiten der Kaunertaler Gletscherbahn vor. Wenn die Haider AG in dieser wirtschaftlichen Misere steckt, so ist dafür laut Bürgermeister sicher nicht die Gemeinde verantwortlich. Er verweist darauf, dass die Gemeinde die Haider AG in der Vergangenheit in Form von Aktienzeichnungen immer wieder finanziell unterstützt hat. In die ordentliche Geschäftsgebarung der AG habe die Gemeinde nie eingegriffen. Auch Vorwürfe, wonach die Gemeinde vorrangig die Interessen der Schöneben AG vertrete, weist Noggler zurück: „Schöneben ist ein gut funktionierendes Skigebiet und der größte Arbeitgeber in der Gemeinde, das ist nun einmal eine Tatsache.“ Bedauerlich sei, dass die Schöneben AG in den bisherigen Diskussionen ziemlich außen vor gelassen worden sei. Auf die Frage, ob die Haider Alm im nächsten Winter tatsächlich wieder ihre Tore öffnen wird, meinte ­Noggler: „Davon bin ich überzeugt.“ Er glaubt auch, dass Hans Rubatscher nach wie vor Interesse hat, im Oberland zu investieren, denn es liegt auf der Hand, dass eine Anbindung mit Langtaufers dem Gletscherskigebiet Kaunertal einen Gästezustrom aus dem Süden bescheren würde, außer das Angebot wird zurückgezogen aufgrund der niedrigeren Landesbeiträge für die Haider Alm. Nach dem endgültigen Rücktritt von Hans Sprenger wird in St. Valentin derzeit übrigens ein neuer Präsident für die Haider AG gesucht. Für den Fall, dass die Gemeinde ihre Anteile tatsächlich abstoßen muss, stellt sich die Frage, wer dann einsteigt. Als eine der möglichen Varianten wird eine Übernahme seitens der Schöneben AG genannt.   „Anbindung mit Watles wäre sinnvoll“   Keinen Hehl macht der Bürgermeister daraus, dass ihm persönlich ein skitechnischer Zusammenschluss aller drei Skigebiete recht wäre: Watles, Haider Alm und Schöneben. Bei der gemeinde­internen Option St. Valentin-Schöneben würden die Wintersportler laut Gasser-Studie nur 16 Minuten brauchen, um von St. Valentin ins Skigebiet ­Schöneben zu gelangen. Kein Geheimnis ist, dass bereits derzeit viele Gäste, die in St. Valentin ihren Urlaub verbringen, zum Skifahren nach Schöneben fahren.   Was wird aus Maseben?   Im Falle einer Anbindung an das Kaunertal würde Maseben laut dem eingangs genannten Konzept eine Aufwertung erfahren. Kommt es zu keiner grenz­überschreitenden Verbindung, will die Gemeinde das „Toul“ dennoch nicht vergessen. Noggler: „Es wird in Kürze einen Ortsaugenschein in Melag geben.“ Es soll ausgelotet werden, wie ­Langtaufers als Langlauf-Destination in der Gemeinde Graun etabliert werden kann, ohne dabei mit den Langlaufzentren Martell und Schlinig in Konkurrenz zu treten. Sepp Laner
Josef Laner
Josef Laner

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