Lokalaugenschein in Planeil. Mit den Arbeiten am Trassenabschnitt im Hintergrund war man zufrieden.

„Nur wer Bauer ist, versteht es“

Publiziert in 25 / 2014 - Erschienen am 9. Juli 2014
Aufregung um Wasserleitungsbau in Planeil. Bauunternehmen und Verwaltung wurde rücksichtsloses Vorgehen vorgeworfen. Planeil - „So kann es nicht weitergehen. Ohne dass man uns verständigt, wird der Weg verbreitert, Erde weggebaggert und werden Steine in die Wiesen geworfen“. Josef Alber war außer sich, ja er war wütend auf die Baufirma und auf die Bauleitung: „Ob man zu denen was sagt, ist völlig wurscht. Die machen einfach, was sie wollen“, meinte er und rauschte mit seinem „Suzuki“ zum Lokalaugenschein Richtung Talschluss. Es ging um die Trasse der Trinkwasserleitung für Mals und zum Teil für Burgeis und Tartsch, die an der südlichen Talseite entlang verlief. Ein 1,24 Millionen Euro-Projekt, das die bellunesische Firma Deon durch einen rund 30-prozentigen Abschlag an Land gezogen hatte. Zur ­Wasserleitung waren Leerrohre für Stromanbindung und Datenleitung zum Kraftwerk Puni verlegt worden. Sowohl Günther Kreidl vom Ingenieurbüro Patscheider & Partner in der Funktion als Bauleiter, als auch der Malser Gemeindereferent Andreas Heinisch waren perplex über die vielen Vorwürfe und über die Vehemenz, wie sie von Alber vorgebracht wurden. Andere Grundbesitzer - eine Handvoll war zum Treffen gekommen - wollten wissen, wer für das Durchqueren der Wiesen mit Lastwägen oder das Begrünen aufkomme. Sowohl Kreidl, als auch Heinisch räumten ein, dass die Baufirma an manchen Stellen „zu unsensibel“ vorgegangen sei und dass für Schäden aufgekommen werden müsse. Da vertraglich nur jenen eine Entschädigung zugebilligt worden war, durch deren Wiesen die Leitung verlegt wurde, wollte Alber auch wissen, ob dies auch für die gelte, denen man am Weg die Grasnarbe entfernt, die Zufahrt zur eigenen Wiese verlegt und darauf noch metallene Abflussrinnen, Steine und Geröll hinterlassen habe. Dem Bauleiter der Firma, Geometer Gianni Dalla Costa, versuchte Kreidl die Bedeutung von bewirtschafteten Grund und Boden in Südtiroler Berggebieten zu erklären. Der zeigte sich sehr verständnisvoll und war einverstanden, bei den anstehenden Arbeiten auf die Wünsche der Anrainer einzugehen. „Dazu muss man aber anwesend sein und nicht erst schreien, wenn schon alles geschehen ist“, merkte Kreidl vielsagend an. „Die in Belluno haben wahrscheinlich eine andere Einstellung zur Landwirtschaft“, ergänzte er. „Nur wer wirklich Bauer ist, versteht es“, meinte dazu Irene Heinisch. Angesprochen wurde die schwache Präsenz der betroffenen Bauern bei der Projektvorstellung am 17. April 2014 in Planeil. Erwähnt wurden die Möglichkeit der telefonischen Rücksprache und der wöchentlichen Baubesprechungen. Der ebenfalls erwähnte, „armselige Zustand“ des Weges Richtung Planeiler Alm könne nur durch die Gemeinde Mals behoben werden, da sich auswärtige Betriebe nur schwer das nötige Auffüll­material beschaffen könnten. s
Günther Schöpf
Günther Schöpf
Vinschger Sonderausgabe

Diese Seite verwendet Cookies für funktionale und analytische Zwecke. Lesen Sie unsere Cookie-Richtlinien für weitere Informationen. Durch die Nutzung dieser Website erklären Sie sich damit einverstanden.