Paukenschlag an der „Marmorfront“

Publiziert in 18 / 2015 - Erschienen am 13. Mai 2015
Göflaner Marmor GmbH setzt auf Seilbahn in Göflan. Burkhard Pohl: „Das ist die umweltfreundlichste Lösung überhaupt.“ Schlanders/Göflan - Nach dem Scheitern einer einvernehmlichen Lösung für einen gemeinsamen Abtransport der Marmorblöcke aus den Brüchen in Laas und ­Göflan schlägt die Göflaner Marmor GmbH, die Inhaberin der Schürfrechte im Wantlbruch in Göflan, jetzt einen völlig neuen Weg ein. Wie Firmenchef Burkhard Pohl am Freitagnachmittag dem der Vinschger bestätigte, hat die Göflaner Marmor GmbH ein Projekt für eine Materialseilbahn in Auftrag gegeben, um die Marmorblöcke direkt vom Bruch bis ins Tal zu transportieren, wobei die Talstation außerhalb des Nationalparks liegen soll. „Eine Seilbahn ist die umweltfreundlichste Lösung überhaupt“, ist Pohl überzeugt, „denn sie bietet uns die Möglichkeit, im Nationalparkgebiet auf jeglichen Lkw-Transport zu verzichten.“ Dass eine Materialseilbahn viel Geld kostet, sei dem Unternehmen durchaus bewusst, „aber wir sind imstande, diese große Investition zu stemmen“, bestätigt Burkhard Pohl. Man habe es Leid, sich weiterhin auf Gerichtsprozesse einzulassen und einer unsicheren Zukunft entgegenzusteuern. Gegen einen Abtransport über die Schrägbahn in Laas hätte er grundsätzlich nichts einzuwenden, „allerdings müsste die Schrägbahn dann allen Betreibern zusammen gehören, denn es kann zum Beispiel nicht sein, dass die Lasa Marmo bestimmt, wann und wie unsere Blöcke zu Tal transportiert werden.“ „Wir wollen endlich in Ruhe arbeiten“ Keinen Zweifel lässt Burkhard Pohl auch daran, dass die Göflaner Marmor GmbH als heimisches Unternehmen, das den heimischen Marmor abbaut und in einem heimischen Betrieb verarbeitet, seine Eigenständigkeit bewahren will. Es sei in den vergangenen Jahren gelungen, den Göflaner Marmor in der gehobenen Baubranche weltweit bekannt zu machen und zu etablieren. Das Unternehmen biete mittlerweile 20 einheimischen Familien das tägliche Brot. Außerdem sei laufend investiert worden, und zwar sehr viel. Zwei Drittel des insgesamt über 9.000 Quadratmeter großen Betriebsgeländes mit Verarbeitungs-, Ausstellungs- und Lagerhallen stehen im Besitz des Unternehmens, der Rest ist von der Gemeinde angemietet. Erst neu gebaut wurde eine zusätzlich Verarbeitungshalle. Auch in den Maschinenpark für den Abbau im Bruch wurde laufend investiert. Burkhard Pohl: „Wir ziehen es vor, jetzt noch einmal viel Geld in eine Seilbahn zu investieren, denn dann können wir endlich in Ruhe arbeiten.“ Um die Seilbahn zu bauen, braucht es mindestens zwei Jahre. Die Firma hofft daher auf eine provisorische Genehmigung des Abtransports für einen Zeitraum von zwei Jahren. Den Vorschlag für den Bau einer Materialseilbahn hat die Göflaner Marmor GmbH am Freitag um 13 Uhr dem Landeshauptmann Arno Kompatscher und dem Landesrat Arnold Schuler zukommen lassen. Die genaue Zeitangabe ist deshalb wichtig, weil Kompatscher und Schuler den Bruchbetreibern von Laas und von Schlanders ein letztes Ultimatum gestellt hatten. Einvernehmen ist gescheitert Demnach hätten beide Parteien ein am vergangenen 30. April bei einem Treffen aller Beteiligten in Bozen aufgelegtes Einvernehmensprotokoll unterzeichnen sollen, und zwar bis 13 Uhr des 8. Mai. Wie Arnold Schuler nach dem Ablauf des Ultimatums dem der Vinschger bestätige, „ist das Einvernehmen als gescheitert zu betrachten.“ Es tue ihm Leid, „dass die zwei Seiten einander nicht näher gekommen sind, obwohl wir nach dem Treffen vom 30. April eigentlich davon ausgegangen waren, dass nun endlich eine gemeinsame Lösung zustande kommen könnte.“ Aus den Rückmeldungen, die nach dem 30. April eingetroffen sind, ging laut Schuler aber hervor, „dass die meisten Standpunkte zum vorab aufgesetzten Text diametral auseinander liefen.“ Auf die Frage, wie es jetzt seitens des Landes weitergeht, sagte Schuler, dass man nun nicht mehr auf weitere Aussprachen und Treffen hoffe, sondern konkrete Schritte setzen werde. Zeitlich beschränkte Genehmigungen Im Klartext bedeute das, dass das Land die Genehmigung für den Marmorabbau in Göflan für das Jahr 2015 erteilen werde. Ebenso nur für 2105 werde es eine Ermächtigung für einen provisorischen Abtransport über die Straße in Göflan geben. Ein positives Gutachten des ­Nationalparks sowie der Behörde für die Umweltverträglichkeitsprüfung waren bereits vor dem 30. April eingelangt. Abzuwarten bleibt laut Schuler, welche Möglichkeiten sich eventuell aufgrund der bevorstehenden Übertragung der Nationalparkverwaltung an das Land ergeben. Schuler bedauerte mehrfach, dass eine gemeinsame Lösung gescheitert ist. Zurückzuführen sei dies auf bestimmte „Geburtsfehler“, die bislang nicht aus dem Weg geräumt werden konnten. Bezüglich des Vorhabens, eine Seilbahn zu bauen, muss die Göflaner Marmor GmbH jetzt natürlich noch mit der Fraktion Göflan und mit der Gemeinde Schlanders verhandeln. Dass der Nationalpark die Seilbahn befürwortet, dürfte laut Pohl so gut wie sicher sein. Man brauche nur daran zu denken, dass es nicht mehr notwendig wäre, die Blöcke mit Lkws vom Bruch ins Tal zu bringen oder gar über eine 7,2 km lange Strecke durch hochalpines Gelände in Richtung Laas. Nicht auszuschließen ist, dass die Lasa Marmo gegen die zeitlich beschränkten Genehmigungen, die jetzt seitens des Landes erwartet werden, neuerlich rekurrieren wird. Die Göflaner Marmor GmbH zieht indessen vor den Staatsrat in Rom, um gegen jene Urteile Einspruch zu erheben, mit denen das Verwaltungsgericht auf Rekurse der Lasa Marmo hin die Abbaugenehmigung und weitere Verwaltungsmaßnahmen des Landes annulliert hatte. Dubiose Besucher Kurz vor dem 30. April sind übrigens auf dem Abbaugelände in Göflan drei Personen gesichtet worden. Die Göflaner Marmor GmbH, die den Vorfall bei den zuständigen Behörden meldete, geht davon aus, dass es sich um Personen handelte, die gezielt geschickt worden sind, um offenbar in Erfahrung zu bringen, ob vielleicht bereits abgebaut wird. „Wir haben bisher nur Schneeräumungsarbeiten durchgeführt, wofür wir auch die Genehmigung hatten. Alle Abbaumaschinen stehen noch hier auf dem Betriebsgelände“, sagt Pohl am Freitag. Sicher ist, dass die drei Personen nicht zum Sammeln von Pilzen zum Wantlbruch gefahren sind. Und noch ein Detail: An einer bestimmten Stelle der Straße ragten in der Vergangenheit mehrfach Nägel aus dem Asphalt. Auch das dürfte nicht Zufall sein. Sepp
Josef Laner
Josef Laner
Vinschger Sonderausgabe

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