Prad

Publiziert in 2 / 2005 - Erschienen am 3. Februar 2005
[K] Fotos: Florian Peer, Text: Ludwig Veith [/K] [F] Ferienort am Tor zur Ortlergruppe [/F] Erstmals erwähnt 1168. Mundart: "Prod", amtl. ital. Name: "Prato allo Stelvio" Ursprünglich "Prada" vom lat. Pratum, hier der Plural prata = die Wiesen. Mit Reg. Ges. Nr. 5 vom 27. 04.1953 wurde die Bezeichnung >Prad im Vintschgau< außer Kraft gestzt und jene in der fasch. Ära aufgezwungene >Prato allo Stelvio< zu deutsch “Prad am Stilfserjoch” veramtlicht. Aus Werbegründen entschied sich dann der damalige Gemeindeausschuss für die Beibehaltung dieses Namens. Quelle aus: Fam.Archiv/Veith vo.Brugger [F] Historisches [/F] Die Nennung des Priesters Odalricus de Prada in einer umstrittenen Urkunde aus dem Jahre 1186 zeugt von der Existenz einer Siedlung mit Kirche im Bereich des heutigen Prad. Allein schon diese Aussagen lassen nicht nur eine gewisse Wichtigkeit des damaligen Prada erahnen, sondern verweisen seinen Ursprung auf einen wesentlich früheren Zeitabschnitt. Wahrscheinlich sind Prads Wurzeln in einem ehemaligen Maierhof oder gar uradeligen Ansitz zu suchen. Neben den größten Grundbesitzern, den Bischöfen von Chur, gab es vor allem auch die edlen Herren von “Schengels” (1192) mit ihrer Grablege in der Prader St. Johannkirche: (1389) Hoc est sepultura dominorum et dominarum libertinorum de tschengls anno dni mccxlvi obiit dns berchtoldus senior. Anno dni mccclii? Obiit dns gebhard filius ei(us) anno dni mccclxxx dns berchtoldus iunior hoc opus fecit obiit anno dni mcc. . Sie und später die Grafen von Lichtenstain übten über Prad/Tschengls die niedere Gerichtsgewalt aus. So ist z.B. für 1400 ein Ulrich Lantz, Richter zu Prad, bezeugt. Jedoch schon im 16.Jh. wurde der "Stab Prad/Tschengls" den Gerichten Glurns/Schlanders einverleibt. Als Wahrzeichen von Prad gilt die dem hl. Johannes dem Täufer geweihte “Sonta-Honns-Kirch”. Eine Weihe durch Bischof Konrad III. (Erbauer der Fürstenburg) ist für das Jahr 1281 bezeugt. Die Bauzeit der in romanischem Stil gehaltenen Kirche ist aber älteren, urkundlich nicht belegten Datums. Die Herren von Tschengls bzw. jene von Lichtenstain und nach diesen die Grafen Fuchs besaßen das Patronatsrecht sowohl über die Kirche als auch über die Frühmessstiftung. - Wohl erst seit der Grundentlastung von 1850 wurde die St. Johann- Kirche Eigentum der Pfarrei Agums/Prad. - Im schlanken Turm hängen zwei Glocken, eine stammt aus dem Jahre 1442, die andere wurde 1573 von Simon Hofer aus Lana gegossen. Jährlich am Vorabend des Patroziniumfestes (24. Juni) geht von den alten Glocken ein recht seltsamer uriger Brauch aus. Im Gegensatz zum üblichen "Feierabendleuten" macht der Mesner an diesem Abend nur einige "Klanker". Dem, der in diesem Augenblick einen "Viererklee" findet, soll großes Glück beschieden sein. Betrachtet man den Werdegang des Dorfes Prad in der dokumentierbaren Zeit von 1427 bis 1697, so gab es in den 270 Jahren praktisch keine Bauentwicklung, denn aus 42 Häusern waren nur 43 geworden. Selbst zur Zeit Maria Theresias 1775 sind es erst 68 und bei Erstellung des ersten stabilen Katasters von 1857 waren es dann, exlusiv Agums, 138 Wohnhäuser. Sanft aus dem Schlaf gerissen wurde Prad erst durch den Bau der Stilfserjochstraße 1820/25. Eine leichte Bau- und Beschäftigungsfase setzte ein, welche allerdings durch das 1849/52 erfolgte Grundentlastungsverfahren erneut ein jähes Ende fand. Den Durchschnitts-Familien war es nicht möglich, die Ablöselasten zu tragen. Wanderhandel und Auswanderung nach Amerika setzten ein. Prad sank an die Armutsgrenze und konnte sich erst nach 1900 wieder erholen. [F] Dorfzahlen [/F] Im Prader Hauptort inklusive dem Weiler Schmelz wohnen nach aktuellem Stand vom 31. Dez. 2004 2463 Menschen und in der Fraktion "Valnayr" (Prader Höfe) sind es gerade 92 Leute. Damit hat Prad mit letzthin steigender Tendenz seine bisher höchste Einwohnerzahl erreicht. Auch die Baueinheiten sind in den letzten 50 Jahren stetig angestiegen. So gibt es heute in Prad 741 bürgerliche, 369 wirtschaftliche, 6 altbäuerliche, 78 Volks- und 18 Villenwohnungen, 36 private Büros, 89 Geschäfte Läden und Bars, 115 Lagerräume und Magazine, 24 kleinhandwerkliche Werkstätten, 53 große Werkhallen – Magazine – Lager und 8 "Supermarkets". Des Weiteren gibt es in Prad (ohne Agums und Lichtenberg) verschiedenste Kategorieen an Beherbergungsbetriebe: zwei Hotels, 4 Gasthöfe, 3 Garni´s, 3 Zimmervermietungen, 11 Ferienwohnungsbetriebe, zwei Campingplätze und die so genannten Fischerteiche. [F] Dorfleben [/F] Der Begriff "Dorfleben" ist für Prad nach Ende der 1940iger Jahre völlig neu zu definieren. Konnte sich bis dahin das zumeist bäuerlich geprägte Dorfleben dank seinem geschlossenen Siedlungsraum gestalten, änderte sich dies ab 1949 durch zunehmende Bauintensität außerhalb des Dorfes schlagartig. Die damaligen Gemeindeverwalter hatten nämlich für wohnungsbedürftige Bürger im Öd- und Weidegebiet westlich der "Reutgüter" (Hintertreit) kostengünstigen Baugrund zur Verfügung gestellt, damit aber der Auffassung einer Zweiklassengesellschaft Vorschub geleistet und einem soliden Dorfleben Abhilfe geschaffen. Denn in nur einem Jahrzehnt entstand dort in Abgeschiedenheit ein neues Dorf, das zuweilen bösartig das "Revolverviertl" genannt wird. In der Tat, das neue "Viertl" wurde in seiner Infrastruktur zu lange benachteiligt. Selbst als 1958 dort ein Textilfabriksbetrieb entstand änderte sich wenig, bis eine neue Gemeindeverwaltung das St. Antonviertel durch eine gelungene Systematisierung aufwertete. Heute, wo das alte Prad nach einer 50 Jahre anhaltenden Bautätigkeit immense Ausmaße angenommen hat, findet sich eine veränderte Art Dorfleben nur mehr in den Vereinen und Verbänden. Ihnen gebührt als Träger von Gemeinschaftssinn und Tradition heute mehr denn je große Anerkennung. Übrigens, Prad bricht mit seiner Anzahl von nahezu 50 Vereinen südtirolweit alle Rekorde. Aus dem einst kleinen und armen Prad hat sich in der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts ein Großdorf entwickelt, welchem mit Regionalratsbeschluss vom 29.11.1968 das Recht zur Führung eines eigenen Wappens verliehen wurde. 1970 gründete die Gemeinde Prad am Stilfserjoch, nach der Idee von Dr. Anton Karner, eine Patenschaft mit dem Landkreis Neu – Ulm (Bayern). Sie genießt als Inbegriff von Freundschaft und Hilfe über Grenzen hinweg beidseitige Achtung. Jahre danach, 1984, wurde die Gemeinde Prad unter ihrem Bürgermeister Georg Stillebacher von der Regionalregierung in Trient zur Marktgemeinde erhoben. Dazu wies Prad, außer dem Soll von 2000 Einwohnern, bereits vorhandene Einrichtungen von überörtlichem Interesse auf: Mittelschule für Prad und Stilfs, Grundschuldirektion für Prad, Laas und Stilfs, eine Musikschule für Prad, Eyrs und Tschengls, Sitz des Ärztekonsortium für das Ortlergebiet, Tierarztpraxis für Prad, Stilfs, Schluderns und Glurns, eine Apotheke, den Stützpunkt des weißen Kreuzes, Sitz der Beschützenden Werkstätte für den Vinschgau, Raiffeisenkasse, Verkehrsamt, Freischwimmbad, Telefonknotenpunkt für Prad, Schluderns und Stilfs, Arbeitereinpendlerzentrum aufgrund zahlreicher Gewerbebetriebe, Station der Carabinieri, der Finanzwache und der Forstbehörde für das Ortlertgebiet. Seit den 80iger Jahren entstanden neue Wohnbauzonen, Projekte von Allgemeininteresse wie das Behindertenzentrum, der Sprengelstützpunkt, das Sportzentrum, drei E-Werke, die neue Grund– und Musikschule, die Bibliothek, eines der ersten Werke für Fernwärme südtirolweit, das Mehrzweckgebäude Aquaprad und anderes mehr. Trotz all dieser Errungenschaften bleibt es Aufgabe einer künftigen Gemeindeverwaltung dafür Sorge zu tragen, dass jener Status an Entwicklung erreicht werden kann, welcher den Sparten Natur und Umwelt, Verkehrsproblematik, Kultur und Dorfcharakter sowie einem soliden Tourismus dienlich ist. [F] Wanderung [/F] "Urlaubsbegleiter" In den Sommermonaten werden geführte Wanderungen ca. 4 x wöchentlich angeboten. Anmeldungen im Informationsbüro Prad, 0473/616034. Ein dichtes Netz gut markierter Spazier- und Wanderwege, aber auch anstrengender Gebirgssteige, erschließt dem Naturfreund die schönsten Wanderziele in Prad und Umgebung. Da locken z.B. der "Prader Rundweg", eine Gebirgswanderung hinauf zur Gampenhütte und zu den Wasserfallböden oder eine Hochgebirgstour über die Tschagainalm hinauf zum Chavalatsch (2.765 m) Nicht weniger reizvoll kann eine Waalwegwanderung sein, besser gesagt ein Spaziergang entlang munter plätschernder Waale, jener teilweise noch intakten Wasserläufe eines alten bäuerlichen Bewässerungssystems. [F] Vorschau: [/F] 17.02.05 - Karthaus 03.03.05 - Sulden

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