Der Großteil der Geehrten bzw. deren Vertreter mit Bezirksobmann Konrad Tscholl (links) und Bundesobmann Engelbert Pohl (rechts).
Andreas Platzer
Links im Bild Serafin Holzner vom Sonnenberg in Schlanders. Er hält seit 77 Jahren Bienen und feiert am 7. Juni 2020 seinen 95. Geburtstag. Adolf Lechthaler aus Kortsch (rechts) betreut seit 72 Jahren Bienenvölker. Er wird heuer 85 Jahre alt.

„Schlechter kann es nicht werden“

Imkerbezirk Untervinschgau blickt zurück und nach vorn

Publiziert in 9 / 2020 - Erschienen am 10. März 2020

Tschars - Wie in ganz Südtirol fiel die Honigernte im Vorjahr auch im Imkerbezirk Untervinschgau wegen des ungünstigen Wetters „miserabel“ aus. So brachte es Bezirksobmann Konrad Tscholl bei der Jahreshauptversammlung auf den Punkt, die am 1. März im Josef-Maschler-Haus in Tschars stattgefunden hat. „Nur die Alpenrosentracht brachte vereinzelt geringe Honigerträge“, so Tscholl. Im Rückblick auf 2019 erinnerte er u.a. an zwei Weiterbildungskurse am Sitz der VI.P (Verband der Vinschgauer Produzenten für Obst und Gemüse) und zwei Bezirksstandbegehungen in Tschengls und Laas. Der Bezirksobmann dankte allen Imkerinnen und Imkern, den Ortsgruppen für die Tätigkeiten auf Ortsebene und der VI.P für den Beitrag in Höhe von 10.000 Euro. Der Imkerbezirk Untervinschgau umfasst 10 Ortsgruppen. Über 370 Imkerinnen und Imker betreuen knapp 4.300 Bienenvölker. Zur sehr dürftigen Honigernte 2019 meinte der Bundesobmann Engelbert Pohl, „dass es nur besser werden kann.“ Er halte seit fast 40 Bienen, „aber einen derartigen Ernteausfallhabe ich noch nie erlebt.“ Dies hätten ihm auch Imker bestätigt, die seit 70 Jahren und mehr Bienenvölker betreuen. Ohne den Einsatz und die Hilfe der Imkerinnen und Imker wäre im Vorjahr der Großteil der Bienen verhungert, gab sich Pohl überzeugt. Die Imkerinnen und Imker seien die größten und wichtigsten Umweltschützer, „manche Sparten sollten sich das mehr zu Herzen nehmen.“ Um den Bienen im Anschluss an die Obstblüte eine Alternative bis zur Entfaltung der Tracht in höheren Lagen zu bieten, schlug Pohl vor, im Zuge von Erdbewegungsarbeiten entlang von Straßen, speziell beim Bau von Schutzdämmen, vermehrt Trachtpflanzen zu säen, „damit die Bienen nicht gezwungen sind, in die Obstwiesen zurückfliegen.“ Eine Liste geeigneter Pflanzen werde man demnächst den Gemeinden, der VI.P und weiteren Stellen zukommen lassen. 

Warme Luft aus Rom, Nein aus Bozen

Bedauert hat Engelbert Pohl, dass das Ansuchen um finanzielle Entschädigungen aufgrund des außergewöhnlich schlechten Honigjahres 2019 vergeblich war: „Aus Rom kam nur warme Luft, sprich gar nichts und das Land teilte uns mit, dass es hierfür kein Geld gibt.“ In der Nachbarprovinz Trient hingegen gebe es sehr wohl Beiträge seitens der Provinz. Der Landeswanderlehrer Andreas Platzer ging in seinem Referat zum Thema „Bienen gesund erhalten“ vor allem der Frage nach, was die Bienen brauchen. Was sie definitiv nicht brauchen, sei die Beute (Bienenstock): „Die Beute ist einzig eine Technik und hat wenig mit der Gesundheit der Bienen zu tun.“

„Nicht bis zum Letzten auspressen“

Nie vergessen sollte man als Imker die Tatsache, dass die Einzelbiene einen Einfluss auf das Volk hat und das Volk wiederum auf die Einzelbiene. Platzer mahnte zu einem möglichst naturnahen Halten der Bienen. Bezüglich Fütterung rief er dazu auf, das Futter nicht nach dem Preis zu kaufen, sondern auf ein bienengerechtes, also reichhaltiges und ausgewogenes Futter zu achten. Außerdem sollte man die Völker nicht stressen und darauf achten, dass sie ausreichend natürliche Nahrung haben: „Presst man die Völker bis zum Letzten aus, wirkt sich das auch negativ auf die Gesundheit der Bienen aus.“

Zahlreiche Ehrungen

Neben Urkunden für 35- und 25-jährige Mitgliedschaft wurden heuer auch Auszeichnungen an Imker vergeben, die seit 50 oder noch mehr Jahren Mitglieder sind. Die Liste jener, dies seit einem halben Jahrhundert bzw. noch länger Mitglieder sind, war lang: Leopold Mitterer von Ortsgruppe Kastelbell, Sebastian Kuperion von der Ortsgruppe Latsch, Luigi Bertagnolli, Albert Brunner, Hermann Gapp, Robert Paris, Josef Ladurner und Christian Platzgummer von der Ortsgruppe Naturns, Rudolf Gunsch und Ernst Pirhofer von der Ortsgruppe Tarsch, Bernhard Staffler, Albin Zueck und Robert Kuntner von der Ortsruppe Laas,  Ernst Spechtenhauser, Erich Rainer und Josef Ladurner von der Ortsgruppe Schnals, Alois Tumler, Gottfried Gurschler, Adolf Lechthaler und Serafin Holzner von der Ortsgruppe Schlanders, Egon Borghi von der Ortsgruppe Eyrs und Herbert Oberhofer von der Ortsgruppe Martell. Seit 35 Jahren Mitglieder sind Johann Lesina Debiasi, Walter Kofler und Herbert Gitterle von der Ortsgruppe Kastelbell und seit 25 Jahren Oswald Tappeiner und Arnold Rechenmacher vor der Ortsgruppe Schlanders sowie Erich Kuppelwieser (Schnals), Robert Parth (Laas) und Alfred Wellenzohn (Kastelbell). Die Bienen-Much-Medaille in Bronze für langjährige Ortsobmannschaft in Eyrs sowie für den Einsatz als Bezirksobmann-Stellvertreter lag für Christian Gamper aus Eyrs bereit. 

Josef Laner
Josef Laner

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