Relikte aus der Faschistenzeit: die Kasernen am Langtauferer Höhenweg

Seelebaumeln am Kapplsee

Publiziert in 27 / 2012 - Erschienen am 11. Juli 2012
Derzeit voll in Mode ist das Begehen eines Höhenweges. Diesem Trend voraus sind die Langtauferer, wo es schon seit Jahren den Langtauferer Höhenweg gibt. Auf diesen Wanderweg begehen die Wanderer – von Melag bzw. Graun aus startend – das Langtauferer Tal in seiner gesamten Länge an seinen nach Süden ausgerichteten Berghängen, stets auf über 2.350 m Höhe. Ganze 22 Weiler und Gehöfte zählt man bei der Anreise auf den zehn Kilometern bis Melag: Malsau, Raffein, Pedross, Lorett, Kapron, Perwarg, Riegl, Zerkaser, Padöll usw. Sie erinnern an die rätoromanische Vergangenheit im Tal. So rührt der Weilername Gschwell von der Anschwellung, von reißendem Wasser her. Noch älter ist der Ursprung der zahlreichen Schwemmseen, die sich in Mulden an den Südhängen tummeln. Johannes Ortler vermutet im dicken Wälzer „Talbuch von Langtaufers“, dass die Seenansammlung in der Eiszeit entstand. Eisfelder hätten Geröllmassen herangeschoben und so Mulden gebildet, wodurch zahlreiche Stehgewässer entstehen konnten. So umfasst beispielsweise der „Kappl’r Sea“, wie ihn die Langtauferer nennen, stattliche 520 m und ist mehr als zwei Meter tief. Interessant ist vielleicht noch der Hinweis, dass man über das Kappl’r Joch (Radurschlscharte) einen Blick ins österreichische Radurschltal werfen kann. Dort steht auf 2.100 m Höhe das bei Familien beliebte Hohenzollernhaus, das von Pfunds, kurz nach der Kajatansbrücke, angefahren wird. Wegverlauf: Vom Weiler Gschwell (Bushaltestelle, wenige Parkmöglichkeiten) geht es die alte Militärstraße in Serpentinen sanft hoch bis zur relativ gut erhaltenen Militärkaserne, an der direkt der Langtauferer Höhenweg vorbeiführt (2.30 Std., 800 Hm). Weiter Richtung Norden am Pratzner Schwemmsee vorbei ca.30 Min. (100 Hm) talein, wo links der Weg zur Radurschlscharte abzweigt. Weglos erreicht man leichvt schräg rechtshaltend eine Geländesenke, in der sich der malerische Kapplsee schmiegt. Wer weiter zur Radurschlscharte aufsteigt, erreicht die österreichische Grenze und kann einen Blick hinab ins Radurschltal werfen, in dem das Hohenzollernhaus liegt. Unser Abstieg führt hinab nach Kappl und Kirch (1.30 Std.) und zurück auf der Straße nach Gschwell (15 Min.). Ziel: Schwemmseen am Langtauferer Höhenweg (2.600 m) Charakteristik: längere, aussichtsreiche Wanderung mit gemütlichem An- und Abstieg an den Nordhängen von Langtaufers Kinder: ab 6 Jahren geeignet, Kaserne zu besichtigen, Seen zum Spielen Ausgangspunkt: Gschwell (1.816 m, Langtaufers) Anfahrt: in Graun rechts nach Langtaufers abbiegen, nach ca. 8 km ist Gschwell erreicht Gesamtgehzeit: 5 Std. Höhenmeter im Aufstieg: 900 Hm Gipfel- oder höhere Ziele (Zeiten ab Höhenweg): Nauderer Hennesigl (3.042 m, 2 Std.), Tscheyerjoch (2.800 m, ½ Std.) und Radurschlscharte (2.911 m, 1 Std.) Kulturelle Besonderheit: Kaserne aus der Faschistenzeit, Schwemmseen aus der Eiszeit
Andrea Kuntner
Andrea Kuntner
Vinschger Sonderausgabe

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