Das Interesse am Thema war sehr groß.

Skepsis gegen zunehmenden Obstanbau in Mals

Publiziert in 9 / 2013 - Erschienen am 13. März 2013
Bei einer Bürgerversammlung in Mals wurden die Ergebnisse einer Umfrage vorgestellt zum Thema „Zunahme des Obstanbaus.“ Mals - Kein Platz war mehr zu finden am Freitagabend im Kulturhaus: Viehbauern, Obstbauern, Nicht-Bauern, Männer und Frauen quer durch alle Gesellschaftsschichten waren von überall her gekommen, um die Ergebnisse einer Umfrage zum Thema „Folgen des zunehmenden Obstanbaus aus der Sicht der Bevölkerung“ zu erfahren. Die Umweltschutzgruppe Vinschgau hatte damit das Meinungsforschungsinstitut Apollis aus Bozen beauftragt und den Abend veranstaltet. In Südtirol wird auf 18.729 ha Kernobst angebaut, vermehrt auch im Vinschgau und im Raum Brixen. 250 Haushalte (Volljährige) in der Gemeinde Mals wurden telefonisch Mitte Dezember 2012 befragt. Ganz klar die Ergebnisse, die Helmuth Pörnbacher von Apollis darstellte: Insgesamt sehen 84% im zunehmenden Obstbau mehr Nachteile als Vorteile (klar mehr Nachteile: 40%, eher mehr Nachteile: 44%). Und warum? Wegen des Einsatzes von Pestiziden, der Veränderung der Landschaft und Verdrängung der traditionellen Landwirtschaft. Auch die Wichtigkeit der Landwirtschaft spielt in der Gemeinde Mals laut Umfrage eine tragende Rolle sowie der Wunsch nach einer Bioregion Obervinschgau. Es folgte eine Diskussion, die am Ende als „zivilisiert und konstruktiv“ zusammengefasst wurde von der Vorsitzenden der Umweltschutzgruppe Vinschgau, Eva Prantl, der ein Lob gebührt für die makellose Moderation. Eine Volksabstimmung in der Gemeinde Mals zum Thema Pestizid-Einsatz wird vorbereitet. Was brennt den Leuten unter den Nägeln? Schon einmal das Thema selbst. Die Berührungsängste zwischen Vieh- und Obstwirtschaft traten immer wieder zum Vorschein: Warum gibt es keine genauen allgemeinen Regelungen für das Sprühen in den Obstanlagen ? Warum sprühen Bauern, auch wenn es windet, und das ist im Obervinschgau keine Seltenheit? Warum musste ein Matscher Tee-Anbauer ganz damit aufhören, weil Pestizid-Rückstände in seinem Tee gefunden worden waren? Wie sieht es beim Steinobst aus? Was ist mit dem Erdbeeranbau, der verstärkt im Matscher Tal Einzug hält? Auf einigen Fragen kamen keine Antworten, wie etwa, ob es genaue Definitionen gebe zu den einzuhaltenden Abständen im Obstbau beim Sprühen. Bauernbund-Bezirksobmann Andreas Tappeiner versuchte dann zu antworten, als eine Anwesende die Ungleich-Behandlung von Seiten des SBB von konventionellen Bauern versus Biobauern anprangerte. Es gebe keine Ungleich-Behandlung und wenn, sollten sich Betroffene beim SBB melden, sagte Tappeiner. Für Steinobst gebe es derzeit keine Richtlinien, auch nicht für Marillen, erklärte Karl Dietl, Obmann der VI.P (Verband der Vinschgauer Produzenten für Obst und Gemüse), der sich sehr wohl auf die Agrios-Richtlinien im Apfelanbau berief, die allerdings erst seit Januar 2013 greifen, weil sie eben ganz neu sind. Da ginge es um Lösungen und Richtlinien bezüglich Abstände, Sprühgeräte, Barrieren und Ausbildung der Landwirte, besonders auch für Neueinsteiger. Alle, die Mitglieder einer Obstgenossenschaft seien, müssten sich dieses Programm zu eigen machen. Offenbar gibt es keine oder kaum Anlagen, in denen besagte Richtlinien zum Tragen kämen, war zu hören. In mehreren Futterproben seien bis heute Pestizid-Rückstände gefunden worden. Aber der Geschädigte wird nicht entschädigt, warum nicht? Pestizid-Rückstände im Futter Andreas Tappeiner wies noch einmal darauf hin, dass der Bauer „auf seinem Grund eine freie Entscheidungsfindung hat.“ Im Klartext: „Er kann anbauen, was er möchte.“ Dies wird nicht abgestritten, nur, das Recht des einen höre dort auf, wo die Freiheit des anderen beginne, meinte ein Zuhörer. Angeblich soll sich eine Versicherungsgesellschaft um eine Rechtschutzversicherung bemühen, nachdem der Verursacher von nachweislichen Schäden in den Nachbarwiesen dann „ziemlich schlechte Karten hätte“, wusste ein Zuhörer. Ein Malser Gastwirt sagte, er habe bereits vor 15 Jahren den Traum einer Bioregion Obervinschgau geträumt und baue selbst biologisch an - die Nachfrage sei steigend. Es freue ihn, dass dies in der Umfrage auch so deutlich gewünscht würde. „Bürgermeister kann Pestizide verbieten“ Peter Gasser (Umweltschutzgruppe Vinschgau) erwähnte den Fall der Gemeinde Malosco im oberen Nonstal, die vom Staatsrat in Rom nun Recht bekommen hätte und demnach den Einsatz von Pestiziden regeln darf und auffordert, keine zu verwenden. „Dann müssten wir doch alle bestrebt sein, Lösungen diesbezüglich zu finden“. „Die Gemeinde Mals hat keine Kompetenzen, Strafbescheide in diesem Bereich auszustellen“, erklärte Gemeindereferent Josef Thurner. „Welchen Apfel geben wir lieber unseren Kindern, den gespritzen oder ungespritzten? Lügen wir uns doch nicht an!“, sagte Kinderärztin Elisabeth Viertler, die spontanen Beifall dafür erhielt. Ein Obstbauer aus Tschengls meinte: „Ich bin an einem friedlichen Zusammenleben interessiert. Das alles gesetzlich regeln zu wollen, funktioniert nicht. Wir müssen nur Hirn und Verstand einschalten!“ Zum Abschluss wurde der beeindruckende Film „Unser täglich Gift“ gezeigt. Daniela di Pilla Stocker
Daniela di Pilla
Daniela di Pilla

Diese Seite verwendet Cookies für funktionale und analytische Zwecke. Lesen Sie unsere Cookie-Richtlinien für weitere Informationen. Durch die Nutzung dieser Website erklären Sie sich damit einverstanden.