Das Sportzentrum wird nach Osten mit Büro,Versammlungsraum, WC‘s und Garagen verlängert.
Mit dem Jugendhaus auf dem Spielplatzgelände versucht Sonja Platzer Sport, Jugend und Familien zusammenzubringen.

„Sport, Jugend und Familien verbinden“

Publiziert in 40 / 2017 - Erschienen am 22. November 2017

Latsch - Mit 13 war sie Stimmenzählerin beim Sportverein Morter, mit 46 ist Sportreferentin Sonja Platzer dabei, dem Sportzentrum Latsch, dem Herz- und Nabelstück der traditionsreichen Südtiroler Sporthochburg, ein völlig neues Aussehen zu verpassen. Es wird der größte und weitreichendste Eingriff seit dem Neubau des Stadions 1970. So nebenbei lässt sie anschließend an das Sportzentrum auch den ersten, neu gebauten Jugendtreff im Vinschgau entstehen.

der Vinschger: Bekommt Latsch jetzt einen Olympia-Park?

Sonja Platzer: (wiegt lächelnd den Kopf): Bleiben wir lieber beim Sportzentrum. Wir bauen ja keine Sportstätten. 

Kurzer Blick zurück: Was war der Anlass für den Umbau im Stadion? Was bekommt der ASV Latsch 2020 zum 100. Geburtstag?

Als ich 2014 in den Gemeinderat gekommen bin, war es bereits ein großes Anliegen des Sportvereins, zum 100. Bestandsjahr ein besseres Büro zu bekommen. Dazu bestand der Wunsch nach einem geräumigen Aufenthaltsraum, den es unbedingt braucht, damit ein Verein gedeihen kann. Gewünscht wurden auch Garagenplätze für die Sportbusse des ASV und des Frauenfußballvereins Red Lions aus Tarsch. Die vorher benützten Räumlichkeiten gehörten der Eigenverwaltung Latsch und waren baufällig. Äußerst notwendig wurde ein Raum zum Waschen und Aufbewahren von Dressen, ein Aufbewahrungsraum für Getränke und eventuell ein Schaukasten. Ebenfalls klar war, dass ein öffentlicher Bau behindertengerecht ausgeführt werden muss, daher wurde ein neuer Zugang zu den Stadiontribünen mit Aufzug geplant. 

Es ist kein Geheimnis, dass bestimmte Kreise im Sportverein ein anderes Projekt vorgezogen hätten. 

Das stimmt. Das in der Gemeinde aufliegende Projekt des Sportvereins wurde beim Landesamt eingereicht, um termingerecht in den Genuss der Förderungen zu kommen. Der Auftrag konnte aber aufgrund der Kosten nicht einfach dem Projektanten übergeben werden, sondern musste ausgeschrieben werden. Dazu haben wir einen Ideenwettbewerb für alle jungen Architekten in der Gemeinde eröffnet.

Wie war die Wettbewerbs-Kommission zusammengesetzt und wie hat man für das Sieger-Projekt argumentiert?

Zur Kommission gehörten der Amtsdirektor für Jugendarbeit Klaus Nothdurfter, die Architekten Stephan Marx und Katja Trauner, vom Bauamt Latsch Geometer Norbert Barbolini, die Wettbewerbskoordinatorin (ohne Stimmrecht) Architektin Heike Pohl und ich als Gemeindereferentin und als Vertreterin des Sportvereins.

Was hat von 5 Projekten den Ausschlag gegeben für das Architektenteam Werner Tscholl und Florian Holzknecht? 

Wichtig ist mir an dieser Stelle festzuhalten, dass alles anonym über die Bühne gegangen ist. Erst nachdem die Rangliste der Projekte feststand, hat man die Namen der einzelnen Projekteinreicher mitgeteilt. Für das Siegerprojekt ausschlaggebend war: Die ganze Zone ist als Einheit behandelt und aufgewertet worden. Für die Jugend ist ein eigener Platz vorgesehen. Die Bereiche Jugend und Sport werden klar getrennt. Garagen und Spielplatz liegen weit voneinander. Die Spielplatzfläche wird vergrößert.

Ich erinnere mich an eine Gemeinderatssitzung im März, in der ziemlich lebendig über die Kosten debattiert wurde. Wie haben sie sich diese bis heute (9.11.) entwickelt? 

Gestartet ist man mit Baukosten von 1 Million Euro für Sportzentrum und Jugendtreff (Bauvolumen 1.195,98 + 1.145,59 m3). Mit den technischen Spesen wurden 1,3 Millionen Euro erreicht. Der Landesbeitrag von 350.000 Euro ist später durch unser beständiges Bemühen in Bozen dazu gekommen. Bei der 1. Kostenberechnung wurden Tribünendach und sämtliche Geländer nicht einbezogen. Nun aber hat man die Notwendigkeit eingesehen, auch diese beiden Bereiche bei der Sanierung mitzunehmen. Nun sind wir auf einem aktuellen Stand der Gesamtkosten mit Einbezug technischer Spesen und verschiedener unvorhersehbarer Spesen von 2.272.328 Euro für beide Strukturen. 

Nun zum Jugendhaus. Wieder etwas, das aus dem Dorfzentrum abgezogen worden ist. Vom Hotelier- und Gastwirte-Verband stammt der Spruch: Jedem Verein sein Haus, jedem Verein seine Bar. Warum hat man nicht auf leere Strukturen zurück gegriffen? Zum Beispiel auf die Rathaus-Bar?

Man hat schon darüber geredet. Der heutige Jugendtreff „Chillout“ war ja immer nur als Übergangslösung betrachtet worden. Diese Lösung wurde auch vom Landesamt akzeptiert und unterstützt. Wenn man aber etwas Vollständiges machen will, bestehen Vorschriften über Flächen pro Einwohner, die eingehalten werden müssen. Dann war da die Diskussion, die Jugend im Dorf sei zu laut, sie störe. Aus meinen Gesprächen mit den Jugendlichen hat man immer die Enttäuschung gehört, dass bei ihnen alles aufgeschoben habe. Daraus ist die heutige Lösung entstanden. Die Jugendlichen sind nicht mitten im Dorf, aber sie sind auch nicht völlig außerhalb. Wieso kann man nicht Sport, Jugend und Familien verbinden? Sie gehören ja zusammen. 

Sie haben immer Wert gelegt, zum Sportzentrum auch das Jugendhaus zu bauen. Woher kommt diese Wertschätzung? Es ist bekannt, dass man aus dieser Ecke kaum Wähler-Stimmen bekommt.

Ich arbeite nicht, um mehr Stimmen zu bekommen. Ich bin gewählt worden und möchte für die Gesellschaft etwas leisten. Die Jungen sind unsere Zukunft und wenn wir sie nicht wahrnehmen…

Das sind im Grunde doch wenige. Die Jugendarbeit in den Sportvereinssektionen ist viel umfangreicher.

Wir haben uns die Jugendtreffs im Vinschgau angeschaut und man hat gesehen, dass das Angebot angenommen wird, wenn es attraktiv ist. Wir müssen auch an jene Jugendlichen denken, die nicht am Sport interessiert sind und auch einen Rückzugsort haben möchten. Immer unter der Führung des Jugenddienstes. 

Spricht man da nicht nur Kinder an, aber nicht 16-, 17-Jährige?

Das stimmt nicht ganz. Es gibt Listen, wer wann frequentiert. Man kann nachfragen. Ich habe mich erkundigt und hab auch Sprechstunden im Treff gehalten. Zudem haben wir den Katholischen Familienverband mit einbezogen, der die Krabbel-Gruppe führt. Bisher musste im Fraktionssaal alles weggeräumt werden. Auch diesem Verband wird im Jugendhaus Platz eingeräumt und eine Abstellmöglichkeit gewährt. Es ist übrigens vor kurzem in Latsch eine Katholische Jungschar gegründet worden, nur um zu sagen. Auch für die muss Platz sein, wenn gewünscht. Es soll Vielfalt geben. Ansprechpartner ist immer der Jugenddienst. Es ist richtig, viele sind es nicht, aber es entwickelt sich etwas Neues, Attraktives. 

Und wie schaut die Finanzierung aus?

Es werden 1.145,59 m3 verbaut. Dafür waren 450.000 Euro bereits vorgesehen, falls in Latsch etwas für die Jugend geschieht. Wir haben im allerletzten Augenblick noch auf diesen reservierten Betrag zugreifen können. Was die Einrichtung betrifft, soll den Jugendlichen Freiraum für eigene Initiativen gewährt werden. Natürlich gibt es eine Grundausstattung, die die Gemeinde bzw. das Land zur Verfügung stellen soll.

Wie viel muss die öffentliche Hand investieren?

Schwierig zu sagen. Ich weiß noch nicht die ganz genaue Summe, wie viel für die Inneneinrichtung ausgegeben werden muss und wie viel noch an Landesbeiträgen kommt. Das Ansuchen liegt auf. Es geht vor allem um die Küche. 

Ein Wort zum Spielplatz, worauf jetzt das Jugendhaus entsteht. Das Heimelige des Platzes ist dahin. Von vielen bedauert. Der Platz ist jetzt offen. Die jungen Familien können sich nicht mehr erlauben, ihre Kinder unbesorgt spielen zu lassen. Bewegungsanregende Hügel und Grashänge wurden verbaut. 

Auch uns war von Anfang an wichtig: Der Spielplatz soll bleiben, wie er war - ein geschlossener Raum. Am Anfang wird man sich herantasten müssen. Ich lass hier die Architekten arbeiten und Lösungen suchen. Grundsätzlich ist vorgesehen, dass Eltern auch weiterhin in Ruhe unter sich kommunizieren können. Man muss schauen, wie man die Außengestaltung angeht, um wirklich den früheren Charakter des  Spielplatzes zu bewahren. 

Das zu hören wird die Familien freuen. Danke für das Gespräch.

Günther Schöpf
Günther Schöpf
Vinschger Sonderausgabe

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