Im Bild (v.l.): Georg Valentin Hofer, Martha Stocker, Johanna Gutwenger und Christian Wiedermann.

Studie untermauert Volksweisheit

Publiziert in 12 / 2015 - Erschienen am 1. April 2015
Wandern im hoch gelegenen Sulden hat günstige Auswirkungen auf Blutfett-Risikofaktoren. Untersuchungsergebnisse werden veröffentlicht. Sulden - „Bei Patienten mit ­metabolischem Syndrom verbessern sich Fettwerte und Botenstoffe des Fettgewebes im Blut durch einen 2-wöchigen Wanderurlaub auf einer Seehöhe von 1.900 m deutlicher als durch vergleichbares Wandern auf 300 m.“ Das ist die Kernaussage einer Pilotstudie, die in Sulden durchgeführt wurde. Einer internationalen Veröffentlichung der Studienergebnisse bei „BMC Res Notes“ haben die zuständigen Behörden in London kürzlich zugestimmt. Die Vorstellung der Studie am 26. März in Sulden bildete zugleich den Abschluss zweier ESF-Projekte. Die Hauptfigur und treibende Kraft der Projekte war von Anfang an Johanna Gutwenger. Auch ihre Töchter, die Ärztinnen Ivana und Anja, sowie der Gemeindearzt Georg Valentin Hofer arbeiteten maßgeblich mit. „Reinluftgebiet Sulden“ Hofer blickte auf die Projekt-Geschichte zurück. Er ­erinnerte an die Gründung des Vereins „Reinluftgebiet Sulden“. Man hatte damals angesichts der beginnenden wirtschaftlichen Krise, der rückläufigen Auslastung der Betriebe und der zunehmenden Abwanderung nach Möglichkeiten gesucht, besondere Gegebenheiten in Sulden als Stärken hervorzuheben und zu nutzen: saubere Luft, Ruhe, viel Wald, sauberes Wasser, beson­dere klimatische Verhältnisse und kurze Vegetationszeiten, geringe Pollenbelastung. 2008 wurde im Rahmen eines ersten ESF-­Projekts unter der wissenschaft­lichen Begleitung der Professorin Angela Schuh (Ludwig-Maximilians-Universität München) das Konzept „Klimatherapie in Sulden am Ortler“ entwickelt. Es wurden u.a. Terrainkurwege konzipiert und vermessen sowie 14 ansässige Personen als „Klimatherapeuten“ ausgebildet. Parallel dazu wurde eine 4-jährige Analyse des Pollenfluges in Sulden durchgeführt, und zwar in Zusammenarbeit mit dem Biologischen Landeslabor. Die Analyse ergab, dass die Pollenbelastung im Vergleich zu tieferen Lagen deutlich geringer ist. Laut Hofer gelte es nun daran zu arbeiten, Sulden als Höhenluftkurort zu etablieren. Medizinische Wirkung Die Ergebnisse der Suldner Pilotstudie „Klimatherapie und medizinische Wirkung in ­Höhenlagen“, die im Rahmen eines zweiten ESF-Projektes erstellt wurde, stellte Universitätsprofessor Christian Wiedermann vor. Er leitet die Akademische Lehrabteilung für Innere Medizin der Medizinischen Universität Innsbruck am Zentralkrankenhaus Bozen. Mit der Studie sollte die Wirkung eines moderaten körperlichen Trainings auf Menschen mit stoffwechselbedingten Risikofaktoren für Herz-Kreislauf-Erkrankungen analysiert werden. Es ging vor allem darum, wie sich ein 2-wöchiger Wander­urlaub bei Patienten mit metabolischem Syndrom messbar auswirkt. Das metabolische Syndrom ist auch als tödliches Quartett bekannt: Übergewicht, Fettstoffwechselstörung, Bluthochdruck, Diabetes. 14 Personen im Alter von 40 bis 69 Jahren, bei denen ein metabolisches Syndrom ­diagnostiziert wurde, haben ein 2-wöchiges Trainingsprogramm durchgeführt. Eine Gruppe (8 Personen) trainierte in Sulden auf einer Höhe von 1.900 m, und eine zweite (6 Personen) in Nals auf 300 m. Es konnte nachgewiesen werden, das bei der Gruppe, die auf 1.900 m wanderte, nicht nur der Plasmaspiegel von Gesamtcholesterin, LDL-Cholesterin und Adiponektin signifikant abnahm, sondern auch die Triglyceride sanken. Diese sind ein wichtiger Risikofaktor beim metabolischen Syndrom. Auch eine Abnahme von Leptin, dem zweiten Botenstoff aus den Fettzellen, wurde festgestellt. Bei der Gruppe auf 300 m zeigte sich keiner der Fettstoffwechselparameter signifikant verändert. Laut Wiedermann ist erwiesen, „dass ein 2-wöchiger Wanderurlaub im Bereich mitt­lerer Seehöhe (1.900 m) günstigere Auswirkungen nicht nur auf die typischen Blutfett-Risikofaktoren hat, sondern auch auf jene Botenstoffe, über die Fettleibigkeit und Bewegungsmangel krank machen.“ „Eigentlich schon immer gewusst“ „Dass Wandern in Sulden besonders gesund ist und dem Körper gut tut, weiß man eigentlich schon seit langer Zeit“, sagte der Tourismusseelsorger Josef ­Hurton. Umso größer sei die Freude darüber, dass nun auch wissenschaftliche Nachweise vorliegen. Erfreut zeigten sich darüber auch Lukas Wallnöfer, der Präsident des Tourismusvereins, BM Hartwig Tschenett, sein Stellvertreter Franz Heinisch, die Landesräte Martha Stocker und Richard Theiner sowie weitere Ehrengäste. Die Suldner, speziell die Vertreter der Tourismusbranche, wünschen sich, dass die internationale Veröffentlichung der Sulden-Studie zu einer zusätzlichen Aufwertung von Sulden führt und es zu einer Zertifizierung des Bergdorfes als Höhenluftkurtort kommt. Sepp
Josef Laner
Josef Laner
Vinschger Sonderausgabe

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