Tartsch

Publiziert in 23 / 2004 - Erschienen am 2. Dezember 2004
[K] Fotos: Florian Peer, Text: Andrea Perger [/K] [F] S’ Bichldorf [/F] Ortsnamensbedeutung: Erstmals urkundlich erwähnt 1159 als "de Tarcis, Tartz, Tartzes", Mundart: "Tartsch", amtl. ital. Name: "Tarces". Wahrscheinlich vom etruskisch-lateinischen Personennamen "Tarquius". Bedeutung: "Gut des Tarquius". Quellen: "Die Ortsnamen Südtirols und ihre Geschichte", von Egon Kühebacher 1991; "Vinschgau" von Josef Rampold, Auflage 1997; "Tartsch- Die Menschen am Bichl", herausgeben von der Eigenverwaltung bürgerlicher Nutzungsrechte Tartsch; [F] Historisches [/F] Die Sage spricht von einer Stadt auf dem Bühel, die unterging, nachdem sie ein abgewiesener Wanderer verfluchte. Ob ein Fluch die alten Siedlungen am Tartscher Bühel zerstörte, bleibt dem Reich der Mythen vorbehalten, die mögliche Existenz alter Siedlungsstätten weckte auch das Interesse der Archäologen. Der Tartscher Bichl nahm in prähistorischer Zeit eine zentrale Stellung ein. So fand bereits der erste Archäologe William Frankfurth, dessen Interesse vom Hügel geweckt wurde, Scherben und andere Gegenstände. Er ordnete die Funde den Römern und Etruskern zu. Doch spätere Untersuchungen anderer Archäologen kamen zu anderen, teils widersprüchlichen Ergebnissen. Während der Archäologe Tappeiner am Tartscher Bichl nur eine gelegentliche Zufluchtsstätte und keine Dauersiedlung vermutete, lieferte der Archäologe Menghin Beweise für eine Dauersiedlung am Südhang. Hier förderte eine Grabung Hüttenlehm zutage. Menghin nahm aufgrund von Keramikfunden an, dass es sich bei der Anlage um eine späthallstattzeitliche Siedlung handle. Erkenntnisse über die vorchristliche Siedlungsgeschichte der Umgebung und damit auch für Tartsch lieferten die archäologischen Untersuchungen von Ganglegg, oberhalb Schluderns. Es wird sogar vermutet, dass die Siedlung am Tartscher Bichl eine Vorgängersiedlung von der Siedlung am Ganglegg war, die gar nicht so klein gewesen sein dürfte. Insgesamt lässt sich folgendes Bild zeichnen: Der Tartscher Bichl ist seit der frühen Jungsteinzeit (4.500 bis 4.000 v.Chr.) besiedelt. Die ersten Dauersiedler am Bichl dürften neben den Anfängen des Ackerbaus und der Viehzucht auch noch von Jagd, Fischfang und dem Sammeln von Früchten gelebt haben. Außerhalb der Siedlung am Tartscher Bichl lagen an exponierten Stellen Kultplätze, wie etwa Brandopferstellen. Intensiver Kupferabbau und die Herstellung von Bronzegegenständen bescherten dem Gebiet einen gewissen Reichtum. Funde zeugen von regem Handel und gesellschaftlichem Leben. Warum die Siedlung auf den Ganglegg verlegt wurde ist unerforscht, jedenfalls ist die Sage über die Stadt am Tartscher Bichl nicht völlig aus der Luft gegriffen. [F] Dorfzahlen [/F] Tartsch war bis 1926 eine eigene Gemeinde. Heute gehört das Dorf zur Gemeinde Mals und zählt 426 Einwohner. [F] Dorfleben [/F] Bis Mitte der 20er Jahre verwaltete sich tartsch selbst. Damals wurden die Kleingemeinden aufgelöst und zu den heute bestehenden Großgemeinden zusammengeschlossen. Der erste Dorfmeister wird für das Jahr 1467 angegeben. Zu den Aufgaben der Verwaltung gehörte die Regelung und Ordnung des gesellschaftlichen Lebens, die Festlegung der Wald- und Weiderechte, der Bewässerung sowie die Verwaltung der Gemeindegüter. Eine eigene Dorfordnung regelte Rechte und Pflichten. Die Gemeindeverwaltung wurde per Wahl bestimmt und bestand aus 12 Gemeinderäten, sowie weiteren Männern, wie etwa dem Alm- oder dem Waldmeister. Die Schule in Tartsch wurde 1803 gegründet. Bis auf die Zeit von 1895 bis 1906, in der die Kinder aus verschiedenen Gründen in die Schule nach Mals geschickt wurden, kann Tartsch auf eine kontinuierliche Schulgeschichte blicken. Die Rekordzahl von 84 Schülern wurde im Schuljahr 1920/21 erreicht. Die Dorfbevölkerung insgesamt zählte zu dieser Zeit 350 Personen, womit ein Viertel aller Tartscher die Schulbank drückten. Heute ist das Dorf deutlich größer, nicht zuletzt durch das Zuwandern zahlreicher Familien in die neuen Bauzonen im nördlichen Ortsteil. Vielfach hat Tartsch den Charakter des Malser Vorortes. Dennoch existieren einige Vereine, die stolze und gute Arbeit leisten. Zu diesen gehört die Schützenkompanie, die 1959 gegründet wurde, der Kirchenchor, der seit 1982 besteht und der Sportclub, den es seit 1983 gibt. Der Traditionsverein schlechthin dürfte aber die freiwillige Feuerwehr sein, die offiziell am 11.Oktober 1895 gegründet wurde. Nach ihrem über 100- jährigen Bestehen verfügt der Verein heute über eine angemessene Halle im Schul- und Vereinshaus. Neben den Erwähnten Vereinen existieren in Tartsch noch weitere Vereine und Interessentschaften, die von Zusammenhalt und Gemeinschaftssinn des kleinen Dorfes künden. [F] Sage [/F] Der Tartscher Bühl ist wohlbekannt Im Vinschgau im Tiroler Land. Ein Städtchen war in alter Zeit Allda voll Glanz und Sauberkeit. Die lieben Leute liebten Tanz und Spiel, der Herrgott aber galt nicht viel. Einst kam, vom vielen Wandern matt, Ein Pilger abends in die Stadt. "Der Weg ist nass, die Nacht ist kalt, Hab’ nicht gespeist und bin schon alt. O lasst mich schlafen über Nacht, bis morgen früh die Sonn’ aufwacht!" "Willst schlafen du? Der Pfad ist weit, Kannst schlafen wo dich’s immer freut; Der Schnee bedeckt Straß’ und Bühl Mit weißem Linnen frisch und kühl; Die Sternlein leuchten dir voll Pracht- So schlaf nur, Alter, gute Nacht!" Es schwankt der Greis zum Tor hinaus Und kommt zum allerletzten Haus: "Gott segne, Bäurin, euch den Tisch; Voll Wein und Kuchen, Fleisch und Fisch; Doch gebt auch mir ein Stückchen Brot, Sonst findet mich der Morgen tot." "Das weiche Brot schenkt man nicht her, Zum Harten hast kein Zähnlein mehr. Das weiße Brot ist für mein Kind; Fort, Alter! Tummle dich geschwind!" Der Pilger wankt zum Tor hinaus, Gar nass und finster ist es drauss. Den kalten Stein erfasst die Hand, Den schleudert er, zur Stadt gewandt: "Fühllose Stadt, so kalt wie Stein, Sollst ewig wüst und öde sein. Sollst ohn’ Erbarmen untergeh’n, Nie höre Gott dein jammernd Fleh’n!" Als nun der Stein am Tore prallt, Der Boden öffnet sich alsbald; Es bebt der Grund, und Hof und Scheun’ Und Haus und Schloss versinken ein; Der Mann, das Weib, der Greis, das Kind Im tiefen Schutt begraben sind. Wo stolz die Stadt in alter Zeit Geglänzt, ist’s öde weit und breit. Kein Denkmal gibt den Platz dir kund, Wo Haus an Haus einst fröhlich stund. Der Tartscher Hügel steht allein Und mahnt: dein Herz sei niemals Stein!
Andrea Perger
Vinschger Sonderausgabe

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