Taufers

Publiziert in 5 / 2005 - Erschienen am 17. März 2005
[K] Fotos: Florian Peer, Text: Andrea Perger [/K] [F] Grenzdorf Taufers [/F] Ortsnamensbedeutung: Seit 880 "Tuberis", Mundart: "Taufrs", amtl. ital. Name: "Tubre". Vom vorrömischen "Tuferes". Bedeutung: "schluchtartiges Tal mit Bergweg". Quellen: "Die Ortsnamen Südtirols und ihre Geschichte" von Egon Kühebacher 1991 "Vinschgau" von Josef Rampold, Auflage 1997 "Taufers i.M. im Wandel der Zeit" von Serafin Heinrich Schgör, herausgegeben von der Gemeinde Taufers 1988 Informationen: Paul Vidal [F] Historisches [/F] Die Erstbesiedelung des Tauferer Tales hat wahrscheinlich in Vorrömischer Zeit stattgefunden. Darauf deuten Funde aus der späten Bronze- bzw. der Hallstattzeit. Als Dorfgemeinschaft mit gewähltem Vorsteher wird Taufers erstmals 1321 erwähnt. Das politische und gesellschaftliche Leben wurde durch das Dorfbuch geregelt. 1348 brach über das Dorf die Pest herein und raffte einen Großteil der Bevölkerung, etwa 400 Personen, dahin. Im 15. Jahrhundert erreichte Taufers eine beachtliche Größe und Bedeutung. Ende des 15. Jahrhunderts spitzte sich die politische Lage im Vinschgau zu. Landesfürst und Bischof von Chur beanspruchten die Herrschaft über dasselbe Gebiet, was 1499 zum Engadiner Krieg mit seinen verheerenden Auswirkungen führte. In den folgenden Jahrhunderten durchlebte Taufers weitere politische und soziale Auseinandersetzungen und auch die Pest brach ein zweites Mal über das Dorf herein und forderte ihren Tribut. Das Juwel des Dorfes ist das alte Pilgerhospiz Sankt Johann, "Sonta Hons" in der Umgangssprache. Am Dorfeingang gelegen ist diese Kirche wahrscheinlich eines der ältesten Gebäude des Ortes. Angeblich habe an dieser Stelle bereits im 9. Jahrhundert eine Kirche gestanden, die dann aber durch eine Mure vollständig zerstört wurde. Die deutsche Sprache ist seit Mitte des 18. Jahrhunderts die bestimmende Alltagssprache in Taufers und löste damit das rätoromanische, das sich jenseits der Grenze im Romanischen bis heute erhalten hat ab. In den Urkunden löste die deutsche Sprache das Latein direkt ab. Das Wappen der Gemeinde ist jenes der Herren von Reichenberg. [F] Dorfzahlen [/F] Mitte des 14. Jahrhunderts lebten in Taufers nach einer Schätzung etwa 480 Menschen. Ende der 60er Jahren erreichte Taufers mit einer Einwohnerzahl von etwa 1050 seinen Höchststand. Zurzeit leben in Taufers etwa 950 Menschen. [F] Dorfleben [/F] Taufers und sein Dorfleben sind geprägt von der unmittelbaren Nähe zur Schweizer Grenze. Bis vor etwa zehn Jahren arbeitete ein großer Teil der Tauferer Werktätigen in der Schweiz, doch durch einen Rückgang der Arbeitsplätze jenseits der Grenze ist die Anzahl der Grenzpendler stark gesunken. Heute ist die Firma Hoppe mit ihren Werken in Laas und Schluderns ein wichtiger Arbeitgeber. Hier arbeiten etwa 20% der Tauferer Arbeiter. Das Verhältnis des Grenzdorfes mit seinen Schweizer Nachbarn ist nicht schlecht, doch gibt es eine spürbare Distanz, hervorgerufen durch sprachliche, kulturelle und religiöse Unterschiede. So spricht man in der Schweiz romanisch, hat teilweise recht andere Gebräuche und die reformierte Lehre reicht nahezu bis an die Grenze. Trotzdem pflegt man die gute Nachbarschaft. Vor allem die Vereine suchen in letzter Zeit zunehmend den Kontakt, so organisieren die Feuerwehren beider Seiten Gemeinschaftsübungen. Die Musikkapellen veranstalten Austauschkonzerte. Neben diesen beiden Hauptvereinen bestehen in Taufers weitere kleinere Vereine wie der Sportverein und der Theaterverein. Vor allem der Sportverein leidet darunter, dass die Jugend aufgrund des Schulbesuchs oder der Arbeit selten im Dorf ist. Denn im Dorf ist es recht ruhig, der (magere) Tourismus ist rückläufig. Den Kirchtag St. Blasius am 03. Februar feiern die Tauferer schon wegen der unwirtlichen Jahreszeit eher beschaulich. Nach einer heiligen Messe werden in den Gasthäusern Krapfen aufgetischt. Eine Wiederbelebung erfahren seit ein paar Jahren hingegen der Almabtrieb und der Schafabtrieb, der nun wieder zum gesellschaftlichen Erlebnis geworden ist. Die meisten Rinder der Alm stammen allerdings von auswärts. Das nahe Avignatal ist einen Besuch allemal wert. Auf den Übergängen dieser Berge fand früher ein reger Handel, später ein reger Schmuggel, statt. Einst brachten hier Schweizer Schmiede ihre Ware, hauptsächlich Nägel, nach Tirol und tauschten diese etwa in Glurns gegen Salz. Hier im Avignatal befindet sich der westlichste Punkt Südtirols, der von einem Marchstein markiert wird. Wie eine Zunge langt hier das Land in die Schweiz hinein, die Aussicht ist beeindruckend. Eine Kuriosität ist jene Quelle, die sich unweit ihres Ursprungs in zwei Wasserläufe teilt, von denen einer später in die Etsch und damit ins Mittelmeer mündet, der andere fließt in den Inn, später in die Donau und ins Rote Meer. Wer an der Quelle steht, kann leicht den weiteren Verlauf des Wassers beeinflussen, entscheiden, in welches Meer das Wasser fließt. Ein Ort, der zum Nachdenken anregt. In Taufers hat sich ein uralter Brauch erhalten, der im restlichen Vinschgau bereits ausgestorben ist, jener der Spielbuben. Seit etwa zehn Jahren beteiligen sich auch die Mädchen des betreffenden Jahrganges am Brauch. Jener Jahrgang, der das 18. Lebensjahr erreicht, organisiert sich zu einer Gruppe (bei schwächeren Jahrgängen helfen die Jahrgänge davor und danach aus). Am Fasnachtsonntag ziehen die Jungs und Mädchen mit lauten "Hellauf"-Rufen durch das Dorf und sammeln Geld, der Kassier trägt einen großen Zylinder mit der Jahrgangszahl. Von der Gemeinde erhält der Jahrgang einen besonders schönen “Larch”, der versteigert wird. Dieser “Larch” wird seit alters durch Gemeindebeschluss garantiert. Mit dem gesammelten Geld werden die Zusammenkünfte finanziert. Am Fasnachtdienstag findet dann eine Aufführung der Gruppe statt, die meist aktuelle Begebenheiten zum Thema hat. Früher war der Brauch der Spielbuben an die Musterung gekoppelt. [F] Sage [/F] Der Turm “Helfmirgott” Wie der Turm Helfmirgott zu seinem eigentümlichen Namen kam, erzählt folgende Sage: Als der Turm noch Reichenstein hieß, lebte hier ein ruchloser Ritter. Dieser hielt ein schönes Mädchen als Gefangene, die er ständig bedrängte. Das Mädchen floh in seiner Not auf den höchsten Punkt des Turmes und stürzte sich aus Verzweiflung in die Tiefe, wobei es rief: "Helf mir Gott!". Wie durch ein Wunder blieb das Mädchen unverletzt und dankte Gott für die wunderbare Rettung. Der Ritter, der dies sah, bereute seine Untaten und lebte von da an als frommer Büßer.
Andrea Perger
Vinschger Sonderausgabe

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