Seit fünf Jahren steht Günther Bernhart an der Spitze der „Touristik & Freizeit AG“ in Mals.

Touristik & Freizeit AG: Eine Bilanz

Publiziert in 17 / 2015 - Erschienen am 6. Mai 2015
Günther Bernhart: „Das Geschäft mit der Freizeit hat ein hohes Zukunftspotential!“ Mals - In Mals und Umgebung gilt der Tourismus als Hauptschlagader für die wirtschaftliche Entwicklung. Die Malser knüpfen vor allem an den Hausberg Watles große Erwartungen. Seit fünf Jahren steht Günther Bernhart als geschäftsführender Präsident an der Spitze der Touristik & Freizeit AG in Mals. Im Mai endet die zweite Verwaltungsperiode und es stehen Neuwahlen an. der Vinschger: Herr Bernhart, die Touristik & Freizeit AG ist eine der Gesellschaften im Haupteigentum der Gemeinde Mals. Wofür steht sie? Günther Bernhart: Bis vor ein paar Jahren gab es ge­trennte Gesellschaften: die Sportwell, die Watles AG, das Nordic Skizentrum Schlinig und das Fernheizwerk in Mals. Diese Gesellschaften wurden zusammengeführt, um die Stärken der einzelnen als Synergien gemeinsam zu nutzen. Sie haben vor fünf Jahren das Ruder gemeinsam mit einem neuen Verwaltungsrat übernommen. Die Situation schien damals nicht einfach. Welche Ziele wurden Ihnen von der Gemeinde und den Aktionären vorgegeben? Eine der Zielvorgaben war es, die Stärken der Geschäftsbereiche Ski, Langlaufen, der gesamten Sportanlagen und der Sportwell mit dem Hallenbad als Gesamtangebot für die Bevölkerung zugänglich zu machen. Zudem sollten die zusammengeführten Gesellschaften mittelfristig ihre finanzielle Eigenständigkeit erreichen. Vor allen Dingen die finanzielle Situation der Gesellschaft schien damals nicht einfach gewesen zu sein. Wie bringt man Menschen dazu, sich in einem Verwaltungsrat diesen enormen Herausforderungen zu stellen? Es war eine allgemeine Aufbruchstimmung spürbar. Für alle war klar, dass neue Wege beschritten werden sollten. Es hat sich daraufhin ein tolles junges Team mit vielen Ideen gefunden. Was waren die ersten Schritte? Zuallererst haben wir die bestehende Situation analysiert. Wir erkannten, dass einige Sofortmaßnahmen wie die gesetzlich vorgesehenen Revisionen am Watles ohne ein schlüssiges Entwicklungs-, Investitions- und Finanzierungskonzept nicht zu realisieren waren. So wurde etwa die Revision des Zubringerlifts allein mit ca. 1,2 Mio. Euro veranschlagt, um nur ein Beispiel zu nennen. Was sah das Entwicklungskonzept vor? Wir wollten das Angebot in ein schlüssiges Gesamtkonzept ­gießen, das wir unter dem Titel „Erlebnisberg Watles“ zusammengeführt haben. Priorität hatte hierbei ein attraktives Angebot für den Sommer, um die Kapazitäten deutlich zu erhöhen. Die neuen Angebote wie Spielsee, Bogen-Parcours, Watles-Rider, Freerunning-Parcours oder Streichel­zoo kommen bei Einheimischen wie Gästen sehr gut an. Wir freuen uns sehr, dass unser Weg auch durch internationale Auszeichnungen wie z.B. als „Erlebnisberg des Jahres“ bestätigt wird. Skigebiete in der Größenordnung des Watles kämpfen überall in den Alpen ums Überleben. Gibt es überhaupt Chancen, es zu erhalten? Kleine, aber feine Skigebiete haben durchaus ihren Reiz. Es gilt aber auch hier, die Mindeststandards zu erfüllen. Dabei geht es primär um die Schneesicherheit, zu deren Sicherung wir als ersten Schritt den Gesamtausbau der Beschneiungsanlage in Angriff genommen haben. Es gilt heute Nischen zu besetzen. Hier bieten wir neben dem klassischen Ski­angebot eine europacuptaugliche Skicrosspiste, tolle Trainings- und Rennpisten Ski Alpin, Snow Park, Tagesaufstiegsspur für Skitouren und Schneeschuhe, Winterwanderwege und die Rodelbahn. Um die Langlaufanlagen in Schlinig ist es eher ruhig geworden. In Martell hat man beispielsweise ganz auf Biathlon gesetzt. Was muss in Schlinig passieren? Schlinig bietet optimale Voraussetzungen für Gäste, die Ruhe und Naturverbundenheit in einer wunderschönen Bergkulisse suchen. Das Angebot Langlauf, Schneeschuhwandern und Tourengehen sollte aber durch eine Anbindung an den Watles durch eine weitere Attraktivität ­bereichert werden. Das Schwimmbad in Mals wird auch von der Touristik & Freizeit AG geführt und scheint etwas in die Jahre gekommen zu sein. Wie kann hier eine Modernisierung aussehen? Erste Schritte für das Gesamt­sanierungskonzept sind in Zusammenarbeit mit der Gemeinde bereits in die Wege geleitet worden. Der Sauna- und Fitnessbereich wurde insgesamt bereits erneuert. Ideen in Richtung Ausbau zum Familienerlebnisbad liegen vor. Die Gesetzgebung schaut den Gemeinden bei der Finanzierung ihrer Gesellschaften heute sehr genau auf die Finger. Was bedeutet das für die Touristik & Freizeit AG? Eine direkte Gemeindefinanzierung für die AG ist derzeit gesetzlich nicht mehr möglich. Mit der Beteiligung am E-Werk Zerzer und den vielfältigen neuen Angeboten sind wir zuversichtlich, finanziell eigenständig zu wirtschaften. Gemeinsam mit Ihren Kolleginnen und Kollegen haben Sie wichtige Projekte für die nähere Zukunft auf den Weg gebracht. Hat ein Präsident auch Visionen? Ich hoffe, dass die Zusammenarbeit mit der Gemeinde, den Fraktionen, der Höferalm-Interessentschaft und allen Aktionären und Tourismuspartnern weiterhin so super funktioniert. Was den Watles betrifft, sind der Ausbau der Ski- und Trainings­pisten in Richtung Ski Alpin Europacup, der Skiweg Burgeis, der Anschluss Schlinig und der Umbau der Plantapatsch-Hütte meine größten Ziele. Die Sportwell sehe ich zukünftig als Herz eines Trainingszentrums für internationale Mannschaften. Wichtig für die Familien und unsere Gastbetriebe ist der Ausbau zum Erlebnisbad. Und noch eine Vision habe ich zudem: den skitechnischen Zusammenschluss in das alle Skigebiete umfassende „Skiparadies Reschenpass“. Das klingt nach viel Arbeit. An Motivation scheint es Ihnen auch nach fünf Jahren Amtszeit nicht zu fehlen. Wollen sie der Touristik & Freizeit AG weitermachen? Wenn die Aktionäre mir wiederum ihr Vertrauen schenke, gerne. Meine vielfältigen Aufgaben bringen täglich neue Herausforderungen mit sich. Ich habe noch einige Zukunftsideen im Kopf. Allein schaffe ich nichts, denn solche Visionen sind nur mit der engagierten Zusammenarbeit aller möglich, für die ich allen danke und auf die ich mich auch weiterhin freue. Günther Bernhart scheint mit seinem Job verheiratet zu sein. Doch er hat auch Familie und ist Vater von zwei Kindern. Wie bringen Sie das alles unter einen Hut? Hiermit möchte ich mich bei meiner Familie für ihre starke Unterstützung bedanken. Interview: Red Zahlen zur Touristik & Freizeit AG Folgende Zahlen sprechen eine klare Sprache: Schuldenstand am 01.01.2010: - 4.517.769 € getätigte Investitionen 2010 bis 2015: 3.541.360 € Schuldenstand am 31.03.2015: - 2.574.311 €
Redaktion
Vinschger Sonderausgabe

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